19.03.2010 · Trotz aller nur denkbarer Vorbehalte scheinen sich Anleger in zunehmendem Maße wieder mit Bankaktien anfreunden zu wollen. Anlageprofis erklären, warum sie jetzt in diesem Sektor Chancen sehen.
Von David BogoslawTrotz der Ungewissheit über die letztendlichen Auswirkungen bedeutender aufsichtsbehördlicher Neuregelungen im Finanzsektor, und trotz Befürchtungen, dass weitere Verluste durch faule Gewerbeimmobilienkredite drohen, scheinen die Anleger sich jetzt in zunehmendem Maße wieder mit Bankaktien anfreunden zu wollen.
er KBW-Bankenindex, ein durch Keefe Bruyette & Woods geführter kapitalisierungsgewichteter Index, der 24 geographisch gestreute Aktien nationaler Finanzmetropolbanken und großer Regionalbanken umfasst, war bis zum 16. März des laufenden Jahres um 20,4 Prozent geklettert. Davor war er bereits zwischen seinem Tiefstand vom 6. März und dem 31. Dezember 2009 um 129 Prozent nach oben gesprungen. Über das ganze Jahr 2009 gesehen hatte der Index allerdings 3,6 Prozent verloren
Die Aktienanalysten von Keefe Bruyette bevorzugen größere Banken, die Geld, das sie im Rahmen des Troubled Asset Relief Program (TARP) erhalten hatten, zurückgezahlt haben und die besser als kleinere Banken auf Verluste vorbereitet sind und Verluste wegstecken können. KBW hat inzwischen alle großen Banken auf ein Outperform-Rating gesetzt; ihre Favoriten sind Bank of America, JPMorgan Chase, U.S. Bancorp und BB&T, die allesamt von einem Neutral-Rating während des Jahres 2009 heraufgestuft wurden. Aber die Aktien mit den größten Kursgewinnen der letzten Wochen sind jene, die im Allgemeinen noch keine TARP-Gelder zurückgezahlt haben und die als besonders anfällig für Gewerbekreditverluste gelten, wie zum Beispiel Regions Financial und SunTrust Banks, berichtet Jefferson Harralson, Analyst bei KBW. Für das laufende Jahr hatte die Regions-Aktie bis zum 16. März um 42 Prozent zugelegt, und die SunTrust-Aktie war um 35 Prozent geklettert.
„Der Handel mit diesen Papieren ist riskanter - in dem Sinne, dass die Anleger das Gefühl haben, dass das Risiko abnimmt, dass wir im Kreditzyklus ein weiteres Stück vorangekommen sind“, so Harralson.
Der Segen einer steilen Ertragskurve
Die Anleger konzentrieren sich möglicherweise auf Bankerträge, von denen erwartet wird, dass sie „einen großen Sprung nach oben machen, wenn die Banken in diesem Jahr ihre Kreditverlustrücklagen nicht weiter ausbauen und die Nettozinsmargen davon profitieren, dass die Fed die Zinsen nicht anrührt und wir eine steile Ertragskurve über das Jahr 2010 erleben werden“, wie in einer Marktstudie der Bank of America vom 12. März zu lesen ist. David Bianco, leitender Aktienstratege bei BofA, erklärte, er bevorzuge die großen Universalbanken. Sie verfügten über die größeren Verlustrücklagen, seien weniger in Gewerbeimmobilien engagiert und bezögen diversifiziertere Einnahmen aus den Kapitalmärkten. Außerdem bevorzuge er Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von mindestens 20 Milliarden Dollar. Vor dem Hintergrund einer erwarteten Verringerung der Kreditkosten sieht Bianco das Bankengeschäft als „Big Business“ und empfiehlt den Anlegern, Finanzaktien in ihren Portfolios überzugewichten.
Investmentbanken, die sich Geld auf den Kapitalmärkten beschafft haben, seien derzeit vermutlich unterbewertet, weil „wir uns gerade in einem offenbar überaus soliden Kapitalmarktumfeld bewegen“, kommentiert Jeffrey Harte, ein Analyst, der sich für Sandler O'Neill & Partners in Chicago mit Großbanken befasst. Finanzmetropolbanken wie zum Beispiel JPMorgan und Citigroup seien wahrscheinlich ebenfalls unterbewertet, denn große betriebliche Probleme scheinen im Augenblick nicht vor der Tür zu stehen.„Die Anleger sollten die Aktien von Investment- und Finanzmetropolbanken kaufen und halten. Bei allem anderen wird es problematisch. Da muss man sich die Aktien einzelnen anschauen und kann nicht einer allgemeinen Empfehlung folgen“, so Harte.
Die Verwundbarkeit kleinerer Banken
Die Anleger seien der Auffassung, dass die nächste Schmerzphase, die durch Verluste bei den Gewerbeimmobilien verursacht wird, besonders bei den kleineren Banken zu spüren sein werde, meint Harralson von KBW. Bis jetzt hätten die Banken gerade einmal ein Zehntel der kumulativen Verluste aus Gewerbeimmobilienkrediten, die der Markt für den Zeitraum 2008-2010 erwarte, verbucht. Der Markt versuche derzeit herauszufinden, ob man die Verluste überschätzt habe oder ob sie sich nur langsamer zeigten als erwartet.
Aber nicht jeder hat einen skeptischen Blick auf die Aktien kleinerer Banken. Der 200 Millionen Dollar schwere Polaris Global Value Fund ist derzeit zu 20 Prozent in Finanzaktien gewichtet, und der Großteil seiner einheimischen Finanzaktienbestände sind Titel kleiner oder mittelgroßer Finanzinstitute. Fondsmanager Bernard Horn ist der Auffassung, dass die Aktienkurse kleinerer Banken eher durch all die negativen Spekulationen über regulatorische Neuregelungen während des Jahres 2009 nach unten gezogen wurden als durch die Sorge um konkrete unternehmerische Risiken. Horn verweist auf eine deutliche Performance-Kluft zwischen den Aktien großer Banken, die sich im Jahr 2009 spürbar erholt haben, und kleinen und mittleren Banken, die in einigen Fällen 30 bis 40 Prozent verloren haben. Dadurch, meint er, seien Chancen entstanden.
„Wenn man die Erträge im zeitlichen Verlauf normalisiert, so sieht man, dass die kleinen oder mittleren Banken ein viel größeres Kurssteigerungspotenzial besitzen als die meisten der großen Banken“, erklärt er. „Wir denken, dass die mittleren Banken vielleicht zu den weltweit am stärksten unterbewerteten Anlagen gehören.“
Entrümpelung der Märkte
Zu den besten Anlagekandidaten gehören laut Horn stark aufgestellte Banken, die in der Lage sind, einige der gestrandeten Banken in Gebieten mit den höchsten Konzentrationen von Problembanken zu absorbieren. Zwei Beispiele seien Southwest Bancorp in Oklahoma, eine Banken-Holding, zu der Stillwater National Bank & Trust und die Bank of Kansas gehören, und Ameris Bancorp in Georgia, die unlängst zwei auf Grund gelaufene Banken übernommen hat. Für das laufende Jahr bis zum 16. März hat die Southwest-Aktie um 22,5 Prozent zugelegt, während die Ameris-Aktie um 34 Prozent gestiegen ist, wobei beide Papiere immer noch unter 10 Dollar notieren.
Horn sagt voraus, dass Veränderungen bei vier Faktoren, die die Erträge der Banken geschmälert haben, nun den Aktienkursen zu einem Aufschwung verhelfen werden: ein Rückgang der Nettoausfälle und Kreditverlustrückstellungen, die bei mittleren Banken nie die Werte der meisten großen Banken erreicht haben; eine Rückkehr der FDIC-Versicherungsprämien auf ein niedrigeres Niveau; der Wegfall von Millionen Dollar an Vorzugsdividenden, die von den Banken an den Staat gezahlt werden, sobald die TARP-Darlehen getilgt sind; und ein rapider Rückgang der Zahl der Optionsscheine, die der Staat im Austausch für TARP-Gelder erhielt, im Verlauf der Rückzahlung dieser Gelder durch die Banken.
Gerade die gestiegenen FDIC-Versicherungsprämien hätten einen großen Teil der Erträge der Geschäftsbanken abgesaugt. (Die FDIC begann im Oktober 2008 mit der Anhebung der Prämien, um ihren Einlagensicherungsfonds aufzufüllen.) Prämien, die einmal wenige hunderttausend Dollar im Jahr betragen hätten, seien auf mehrere Millionen Dollar geklettert und fräßen nahezu 20 bis 25 Prozent des Jahresgewinns der Banken auf, so Horn. Der Zusammenbruch von 165 Banken in den Jahren 2008 und 2009 habe die Bilanz des FDIC-Sicherungsfonds bis zum September 2009 auf unter null gedrückt. Das habe die FDIC zu der Entscheidung veranlasst, zum Ende 2009 von den Banken eine Vorauszahlung der Prämien für die kommenden drei Jahre zu verlangen, was den Gewinnen einen noch heftigeren Schlag versetzt habe. Wie lange es dauern werde, bis die Prämien wieder sinken, hänge davon ab, wie viele weitere Bankenausfälle die FDIC aufzufangen habe. Aber die Modelle von Polaris zeigten, dass viele Banken nach wie vor deutlich unterbewertet seien, selbst wenn die Prämien auf dem hohen Stand von heute bleiben sollten, so Horn.
Empfänglich für Kapitalbeschaffungen
Harralson von KBW ist ebenfalls der Meinung, dass es mit den TARP-Empfängern aufwärts geht, sobald sie die Mittel zurückgezahlt haben und keine Vorzugsdividenden mehr zu zahlen brauchen. Aber die Zahl neuer Aktien, die die Banken emittieren müssen, um das für die TARP-Rückzahlung benötigte Geld zu beschaffen, und das Tempo dieser Geldbeschaffung, könnten die Aktienkurse stärker unter Druck setzen, warnt er.
Am Horizont zeichnet sich eine Unzahl neuer Kapitalbeschaffungsinitiativen durch Banken ab, die begierig sind, ihre TARP-Gelder zurückzuzahlen. Die gute Nachricht sei, dass der durch die positiven Erträge des vierten Quartals immer noch gut gelaunte Markt nach wie vor für Aktien-Neuemissionen empfänglich ist, meint Daniel Arnold, ein weiterer Analyst bei Sandler O'Neill, der sich mit kleinen Banken befasst. Während einige Banken, deren Aktien sich besser als der Markt entwickelt haben, zur Kapitalbeschaffung bereit seien, hinkten die Aktien zahlreicher kleiner Banken immer noch hinterher. Das, so Arnold, bremse die Bereitschaft einiger Institutionen, Aktien zu verkaufen. Sie zögerten, bei den derzeitigen Aktienbewertungen Kapital zu beschaffen, weil dadurch ihre Erträge pro Aktie verwässert werden würden.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.848,03 | +1,42% |
| FAZ-INDEX | 1.526,72 | +1,43% |
| TecDAX | 778,36 | +0,73% |
| MDAX | 10.441,40 | +1,41% |
| SDAX | 5.048,27 | +1,17% |
| REX | 422,26 | −0,26% |
| Eurostoxx 50 | 2.520,31 | +1,24% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 81,56 | +1,37% |
| Dow Jones | 12.949,90 | +0,35% |
| Nasdaq 100 | 2.584,24 | −0,31% |
| S&P500 | 1.361,23 | +0,23% |
| Nikkei225 | 9.384,17 | +1,58% |
| EUR/USD | 1,3138 | +0,07% |
| Rohöl Brent Crude | 119,95 $ | −0,08% |
| Gold | 1.723,00 $ | +0,58% |
| Bund Future | 138,50 € | −0,16% |