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Amerikanische Aktienmärkte Warum Industriewerte so gut aufgestellt sind

03.03.2010 ·  Ungeachtet schwacher Daten richten die Anleger ihr Augenmerk auf die Aussichten für das produzierende Gewerbe, während sich die amerikanische Binnenkonjunktur erholt und die Schwellenmärkte wieder anziehen.

Von Ben Steverman
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Der produzierende Sektor der Vereinigten Staaten ist derzeit sehr stark aufgestellt und nimmt am Aktienmarkt wie auch in der Volkswirtschaft eine Führungsrolle ein. Dank des Aufschwungs verzeichnen renommierte Unternehmen wie Boeing und General Dynamics ihre höchsten Aktienkursen seit September 2008.

Nachdem sie in den Rezessionsjahren 2008 und 2009 dem übrigen Aktienmarkt hinterherhinkten, haben die Industriewerte des Aktienindexes S&P 500 inzwischen die Nase vorn. Der Industriewerte-Index hat 2010 bislang 4,3 Prozent zugelegt, mehr als jeder andere Sektor, und übertrifft die bescheidenen Zugewinne, die der breite S&P 500 bislang in diesem Jahr erreicht hat.

Ungedämpfter Optimismus

Den Optimismus der Anleger bezüglich der Industriewerte vermochte auch die Tatsache nicht zu dämpfen, dass der Produktionsindex des Institute for Supply Management im Februar auf 56,5 Punkte fiel, nachdem er mit 58,4 Punkten im Januar den höchsten Wert seit 2004 verzeichnet hatte. In einer Befragung von Bloomberg News hatten Ökonomen einen Mittelwert von 57.9 Punkten prognostiziert. Dennoch bedeuten ISM-Indexwerte über 50, dass es mit dem Produktionssektor aufwärts geht, und im Februar hatte das produzierende Gewerbe sieben Monate in Folge Wachstum erzielt.

Der Bericht hat einmal mehr bestätigt, dass der Industriesektor viel stärker ist als andere Sektoren, sagt Doug Peta, ein unabhängiger Marktstratege. „Es ist, als führte der Industriesektor tatsächlich den Rest der Wirtschaft an“, meint er.

Gewinne im vierten Quartal übertreffen Prognosen

Trotz des ISM-Berichtes kletterte der Industriewerte-Index des S&P 500 am 1. März um 0,96 Prozent auf seinen höchsten Stand seit dem 19. Januar. Der Index hat in den vergangenen drei Wochen 7,7 Prozent zugelegt.

Industrieunternehmen stellen eine große Vielfalt an Produkten her und bedienen sehr unterschiedliche Endmärkte. Dennoch übertreffen die Neuigkeiten, die große wie kleine Produktionsunternehmen für den Aktienmarkt bereithalten, weiterhin die Erwartungen. Laut Bloomberg liegen die Gewinne des S&P-Industriewerte-Indexes im Durchschnitt 9,8 Prozent über den Erwartungen der Analysten.

Bemis, ein Hersteller von Verpackungsprodukten und druckempfindlichen Materialien, der im vergangenen Jahr einen Umsatz von 3,5 Milliarden Dollar verbuchte, gab am 1. März bekannt, dass die für 2010 erwarteten Gewinne je Aktie die Prognosen der Analysten um 3 bis 11 Prozent übertreffen werden.

Nachdem der Erdöldienstleister Rowan am 1. März Gewinne vermeldete, die besser aus erwartet ausfielen, erreichte der Aktienkurs das höchste Niveau seit Oktober 2008. „In den vergangenen Monaten konnten wir an quasi allen Märkten für Bohrinseln mehr Aktivität und bessere Angebote feststellen“, teilte Präsident und Chief Executive W. Matt Ralls den Analysten mit.

Großes Plus: die niedrigen Lagerbestände der Kunden

Die Industrie ist der „Lieblingssektor“ des leitenden Portfoliomanagers von ING Investment Management, Uri Landesman. Die Aktien des Sektors sind nach wie vor „sehr stark unterbewertet“, meint er, und werden im Zuge eines „jeden nachhaltigen Aufschwung“ den Markt überflügeln.

Ein Vorteil für Produktionsunternehmen besteht darin, dass ihre Kunden extrem niedrige Lagerbestände aufweisen, erklärt Adam Fleck, Analyst bei Morningstar und Spezialist für Baumaschinenhersteller wie Caterpillar und Deere. Auch ohne kräftigen Wirtschaftsaufschwung dürfte allein das Aufstocken der Lagerbestände auf ein normales Niveau für ein signifikantes Umsatzwachstum sorgen, glaubt Fleck. „Wenn es der Wirtschaft etwas besser geht, ist das Potenzial für stärkeres Wachstum gegeben.“

Nicht nur die amerikanischen Wirtschaft beflügelt die Industrieunternehmen. Die Erträge der Industrieunternehmen des S&P 500 werden zu 34 Prozent in Ländern außerhalb der Vereinigten Staaten erwirtschaftet, wie aus einer am 1. März veröffentlichten Analyse von Morgan Stanley hervorgeht.

Bei den Geschäftsführern der Industrieunternehmen ist viel von Wachstumschancen in Übersee die Rede, insbesondere in China. Nachdem sie die Wirtschaft im vergangenen Jahr mithilfe von Finanzspritzen angekurbelt hat, versucht die chinesische Regierung in diesem Jahr, das Wachstum durch Einschränkungen bei Kreditaufnahmen zu drosseln. Das Bruttoinlandsprodukt Chinas stieg im vierten Quartal um 10,7 Prozent.

Industrieunternehmen weiterhin optimistisch bezüglich China

Chinas Produktionsunternehmen scheinen die Botschaft verstanden zu haben. Der chinesische Einkaufsmanagerindex brach von 55,8 Punkten im Januar auf 52 Punkte ein und erreichte damit seinen niedrigsten Stand seit einem Jahr. „Eine Dämpfung des chinesischen Produktionswachstums ist tatsächlich eine gute Nachricht“, ließ Qi Hongbin, Chefökonom für China bei HSBC, gegenüber Bloomberg News verlauten. „Sie hilft dabei, einer Überhitzung sowie Inflationsrisiken entgegenzuwirken.“

Die Führungskräfte amerikanischer Industrieunternehmen sind in Bezug auf China weiter optimistisch. Am 17. Februar sagte Louis R. Chenevert, Vorsitzender und Chief Executive Officer von United Technologies, auf einer Anlegerkonferenz: „Wir sind im Hinblick auf China zuversichtlich. Wir gehen nicht davon aus, dass sich die verschärften Kreditbedingungen dort auf die Stimulusausgaben und die Aufträge auswirken, die wir bis jetzt gesehen haben.“

Auf der gleichen Konferenz verkündete Patrick D. Campbell, Finanzvorstand von 3M, dass sein Unternehmen damit rechnet, den Umsatz in China bis 2014 auf 3 Milliarden Dollar zu verdoppeln. In Indien könnte sich der Umsatz mit einer Milliarde Dollar sogar verfünffachen, sagte er.

„Gott sei Dank sind wir in Schwellenmärkten tätig“, meinte Campbell. „Schwellenmärkte - insbesondere Länder wie China, Indien und Lateinamerika - schneiden derzeit sehr gut ab, während die Industrieländer offensichtlich etwas ins Stocken geraten sind.“

Staatsverschuldungen in Europa, insbesondere in Griechenland, zählen zu den Problemen, mit denen die Märkte der Industrieländer zu kämpfen haben. „Europa stehen in naher Zukunft schwierige Zeiten bevor“, meint Michael Yoshikami, Präsident und Chef-Investmentstratege bei YCMNET Advisors.

Amerikanische Produzenten stellen ein

In den Vereinigten Staaten steht die Stärke des produzierenden Gewerbes einer anhaltenden Schwäche im Verbrauchersektor gegenüber, insbesondere in der Immobilienbranche. Doch könnte sich die amerikanische Arbeitslosenquote von 9,7 Prozent auch auf die Umsätze im Industriesektor auswirken, warnt Fleck von Morningstar. Eine Schwäche bei den amerikanischen Verbrauchern „zieht sich durch die gesamte industrielle Lieferkette“, meint er.

Die gute Nachricht ist, dass die Produktionsunternehmen, wie die ISM-Erhebung vom Februar zeigte, derzeit zumindest Arbeitskräfte einstellen. Der Beschäftigungsindex von ISM kletterte von 53,3 Zählern im Januar auf 56,1 und erreichte somit seinen höchsten Stand seit Januar 2005.

Etliche Anleger und Analysten warnten davor, dass ein starker Dollar den amerikanischen Exporteuren zu schaffen machen könnte. Eine Aufwertung des Dollars lässt Auslandsumsätze und -gewinne in Gewinn- und Verlustrechnungen niedriger ausfallen. Der Dollarindex, der den Greenback gegenüber einem Fremdwährungskorb abbildet, hat seit seinem letzten Tiefstand vom 25. November 8,7 Prozent zugelegt.

„Unter sonst gleichbleibenden Umständen würde eine Stärkung des Dollars Gegenwind für amerikanische Industrieunternehmen bedeuten“, meint Peta. Glücklicherweise spiegelt ein starker Dollar auch eine stärkere amerikanische Wirtschaft wider, insbesondere im Vergleich mit Europa.

Die Industriewerte profitieren derzeit von den Frühstadien des Wirtschaftsaufschwungs und könnten den Anlegern in diesem Jahr Positives verheißen. Allerdings, warnt Fleck, dürften die Industriewerte des S&P 500, nachdem sie in vier Monaten um 14,6 Prozent gestiegen sind, nun nicht mehr „spottbillig“ sein. Wenn die Industriewerte in Zukunft nachgeben, könnten sie sich möglicherweise wieder gut für langfristig angelegte Käufe eignen, fügt er hinzu.

Steverman ist Reporter für den Investing Channel der BusinessWeek.

Quelle: Business Week Online
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