02.03.2010 · Trotz einer besser als erwartet ausgefallenen Berichtssaison zum vierten Quartal geht an der Wall Street weiter die Sorge um, dass die Unternehmen die in sie gesteckten hohen Gewinnerwartungen für 2010 nicht erfüllen könnten.
Von Ben StevermanTrotz einer besser als erwartet ausgefallenen Berichtssaison zum vierten Quartal geht an der Wall Street weiterhin die Sorge um, dass amerikanische Unternehmen die in sie gesteckten hohen Gewinnerwartungen für 2010 nicht erfüllen könnten.
Laut Bloomberg rechnen Analysten für die Unternehmen des marktbreiten Standardwerteindex' S&P-500 im laufenden Jahr mit einem Gewinn je Aktie von 78 Dollar. Dies wäre ein Zuwachs von 32 Prozent gegenüber dem Vorjahr, was dem höchsten Wert seit 2007 und dem drittgrößten jemals für S&P-500-Unternehmen erzielten Gewinn entspräche.
„Bei den Gewinnschätzungen liegt die Latte für 2010 enorm hoch“, warnte S&P-Aktienanalyst Alec Young in einer Studie am 25. Februar.
Einige Anleger sind überzeugt, dass derartige Ergebnisse im Zuge einer robusten Konjunkturerholung möglich sind. Trotz der nach wie vor vielfach vorherrschenden Skepsis seien die Prognosen „nach aktuellem Stand der Dinge erfüllbar“, meint Mike O'Rourke, leitender Marktstratege beim Wertpapierhaus BTIG. Hierbei würden die staatlichen Konjunkturprogramme und die niedrigen Leitzinsen der amerikanischen Notenbank nach seiner Ansicht einen nicht unwesentlichen Beitrag leisten.
Analysten zeigten sich von den Ergebnissen des Schlussquartals 2009 positiv überrascht. Nach Vorlage der Zahlen von 457 Unternehmen des S&P-500 liegt der Gewinnanstieg je Aktie aktuell 154 Prozent über dem Vorjahresquartal, und damit um durchschnittlich 5,5 Prozent über den Schätzungen der von Bloomberg befragten Analysten. Trotz Konjunkturschwäche konnten die S&P-500-Unternehmen ihre Erlöse um 9,5 Prozent steigern, während Analysten mit einem Plus von 8,2 Prozent gerechnet hatten.
KGV sinkt von 15 auf 14,2
„Wir halten an unserer Prognose fest, dass der S&P-500 getragen durch besser als erwartet ausfallende Unternehmensgewinne in diesem Jahr zulegen wird“, schrieb Ed Yardeni, Vorsitzender und leitender Investmentstratege von Yardeni Research, in einer am 25. Februar veröffentlichten Studie.
Seit Beginn der Berichtssaison am 11. Januar gab der Kurs des S&P-500 allerdings um 3,7 Prozent nach. Das für den Index ermittelte Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf Grundlage der für die kommenden 12 Monate geschätzten Gewinne sank von 15 um 5,5 Prozent auf 14,2, was dem niedrigsten Niveau seit April 2009 entspricht.
In der Aktienmarktschwäche kommt die Sorge der Investoren zum Ausdruck, dass die Aktien bereits zu teuer sind, um den Erwartungen für 2010 gerecht zu werden. „Es wird viel darüber gesprochen, dass die Bewertungen zu hoch sind“, sagt Richard Sparks, Aktienanalyst bei Schaeffer's Investment Research, der die Anlegerstimmung genau verfolgt. In den Augen der Anleger „ist der Markt zu schnell zu weit gelaufen“, so Sparks.
Die Zahlen zum vierten Quartal hätten zwar die Erwartungen übertroffen, doch nicht alle Vorstandschefs äußerten sich in den Telefonkonferenzen zur Zahlenvorlage optimistisch über die für dieses Jahr erwarteten Ergebnisse, sagt John Wilson, technischer Chefstratege bei Morgan Keegan. Das Management „gibt sich weiterhin zurückhaltend“, ergänzt er.
Eine Ausnahme hierbei bilden Technologieunternehmen. John Chambers, Vorstandsvorsitzender von Cisco Systems, zeigte sich am 4. Februar zuversichtlich über den Verlauf der weltwirtschaftlichen Erholung. „In fast jedem Land zeigt sich eine Verbesserung der konjunkturellen Dynamik und fast jedes Unternehmen äußert sich optimistischer als zuvor“, sagte Chambers in einem Interview mit Bloomberg News.
Erneuter Rückgang der Verbraucherausgaben
Demgegenüber würden die Führungskräfte konsumnaher Unternehmen ein düsteres Bild zeichnen, insbesondere angesichts der in Amerika vorherrschenden Arbeitslosigkeit von 9,7 Prozent, sagt Wilson von Morgan Keegan. Die von Wal-Mart am 18. Februar ausgegebene Gewinnprognose veranlasste Analysten, ihre für 2010 formulierten Gewinnschätzungen zu senken. Die weltgrößte Einzelhandelskette erwartet für 2010 einen Gewinn je Aktie zwischen 3,90 und vier Dollar, während die von Bloomberg befragten Analysten im Schnitt von 3,98 Dollar ausgegangen waren.
Am 26. Februar wurden neue Zahlen zum amerikanischen Bruttoinlandsprodukt veröffentlicht, dessen Wachstum gegenüber der ersten Schätzung vom 29. Januar von 5,7 auf nun 5,9 Prozent angehoben wurde. Die Verbraucherausgaben im vierten Quartal wurden dagegen von vorläufig plus zwei Prozent auf nun 1,7 Prozent nach unten revidiert.
Bei der Bewertung von Aktien sollten Investoren insbesondere der Frage nachgehen, welche Verbraucher für den von Analysten prognostizierten Umsatz- und Gewinnanstieg der Unternehmen sorgen sollen, sagt Quincy Krosby, Marktstratege bei Prudential Financial.
„Die aktuell größte Sorge am Markt ist, ob das Wachstum der Weltwirtschaft und die globale Nachfrage anziehen werden oder nicht“, so Krosby. Die in den vergangenen Wochen aus Europa, Asien und Amerika kommenden Daten und Meldungen haben die Anleger verunsichert. „Es mangelt derzeit an der für einen Nachfrageanstieg erforderlichen konjunkturellen Zugkraft.“
Peter Cardillo, Chefvolkswirt bei Avalon Partners, geht davon aus, dass das Wachstum der amerikanischen Wirtschaft stark genug sein werde, um für einen Gewinnschub zu sorgen. Er räumt allerdings ein, dass sich einige Marktteilnehmer an der Wall Street sorgen. „Man befürchtet, dass die Konjunktur an Fahrt verliert“, so Cardillo.
Wenn amerikanische Unternehmen die in sie gesetzten Gewinnerwartungen tatsächlich erfüllen, dann wären ihre Aktien auf dem derzeitigen Kursniveau attraktiv bewertet. Nach Daten von Bloomberg beträgt das zukünftige KGV des S&P-500 aktuell 14,2, während der Mittelwert in den zurückliegenden 20 Jahren bei 20,4 Prozent liegt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.396,84 | +1,16% |
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| TecDAX | 764,51 | +1,13% |
| MDAX | 10.417,80 | +1,51% |
| SDAX | 4.878,62 | +1,30% |
| REX | 435,66 | +0,05% |
| Eurostoxx 50 | 2.160,31 | +0,58% |
| F.A.Z. EURO | 70,01 | +0,86% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| Nasdaq 100 | 2.558,97 | +1,26% |
| S&P500 | 1.332,42 | +1,11% |
| Nikkei225 | 8.657,08 | +0,74% |
| EUR/USD | 1,2479 | −0,08% |
| Rohöl Brent Crude | 106,85 $ | −0,38% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
| Bund Future | 144,03 € | −0,19% |