18.02.2010 · Der Handel mit Aktien kleiner Kapitalgesellschaften erholt sich nicht so rasch wie der von größeren Unternehmen. Dadurch könnten die Werte der Großen wieder die Führung am Aktienmarkt übernehmen.
Von Ben StevermanEin schwacher Ertragszeitraum und Sorgen über eine schleppende wirtschaftliche Erholung könnten das Ende der Herrschaft der kleinen Kapitalgesellschaften über ihre größeren Rivalen einläuten.
Die Aktien kleiner Kapitalgesellschaften haben die Werte großer Unternehmen in der letzten Dekade dominiert. Von 2000 bis 2009 legte der Standard & Poor's SmallCap 600-Index um 68,2 Prozent zu, während der auf Großunternehmen ausgerichtete Standard & Poor's 500 24,1 Prozent verlor.
Seit Anfang 2009 haben beide Indizes nachgegeben: der S&P 500 um 1,8 Prozent, und der S&P 600 um 1,1 Prozent. (Die Unternehmen im S&P 600 weisen jeweils eine Marktkapitalisierung von 200 Million Dollar bis 1 Milliarde Dollar auf, während die Marktwerte des S&P 500 jenseits der 3,5 Milliarden Dollar liegen.)
Fallen die Papiere kleinerer und mittlerer Unternehmen zurück?
Strategen und Portfolio-Manager warnen davor, dass kleine Kapitalgesellschaften in diesem Jahr zurückfallen könnten. Ein Stratege der Bank of America Merrill Lynch meint, die Sorgen würden durch die jüngsten Ertragsmeldungen verstärkt.
Inzwischen haben 70 Prozent der großen Kapitalgesellschaften ihre Ergebnisse aus dem vierten Quartal gemeldet und die Bloomberg-Daten zeigen, dass der Ertrag je Aktie der Unternehmen des S&P 500 im Vergleich zum Vorjahr um 47 Prozent gestiegen ist. Die Analysten hatten 11,6 Prozent weniger erwartet. Angesichts der schwachen Wirtschaft ist das Wachstum der Umsatzerlöse des S&P 500 von 7,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr vielleicht noch beeindruckender.
Aus dem S&P 600 hat bisher genau die Hälfte ihre Ertragsmeldungen abgegeben. Und die zeigen, dass die Werte der Kleinen ein hinter den Erwartungen zurückliegendes Ertragswachstum und bescheidene Umsatzerlöse verzeichnen. Die Erträge im S&P 600 sind gegenüber dem Vorjahr zwar um 30,4 Prozent gestiegen, aber das sind trotzdem 8,6 Prozent weniger, als die Analysten erwartet hatten. Mit Stand vom 16. Februar waren die Umsatzerlöse des vierten Quartals 0,3 Prozent niedriger.
„Wir meinen: Wenn die kleinen Kapitalgesellschaften die großen in diesem Jahr schlagen wollen, dann müssen ihre Eckdaten besser werden“, sagte Steven DeSanctis, Small-Cap-Stratege bei der Bank of America Merrill Lynch, am 11. Februar in einer Übersicht der bisher gemeldeten Erträge des vierten Quartals.
Kursnachteil nach starken Kursgewinnen der vergangenen Monate
Ein weiterer Nachteil für kleine Unternehmen ist, dass sie schon im letzten Jahr enorme Kursbewegungen erfahren haben. Seit dem Tiefpunkt vom 9. März 2009 hat der auf kleine Börsenunternehmen ausgerichtete S&P 600 um 80 Prozent zugelegt, während es der auf Großunternehmen angelegte S&P 500 nur auf 62 Prozent brachte.
Das sei typisch für die kleinen Werte in den Anfangsphasen einer Aktienmarkterholung, aber es sei selten von Dauer, erklärt William Delwiche, Anlagestratege bei Robert W. Baird. Jetzt, da der Bullenmarkt „in die Jahre kommt“, würden die Anleger beginnen, sich den größeren Namen zuzuwenden. Delwiche rät seinen Mandanten, schrittweise mittlere und große Werte ins Portfolio zu holen.
Die Aktien der Großen, so Delwiche, böten den Anlegern stabilere Geschäftsmodelle, eine geringere Verschuldung und „mehr Klarheit“ mit Blick auf die Zukunft. Dies mache die großen Kapitalgesellschaften für Anleger zu einem sicheren Hafen, wenn die Wellen des Marktes höher schlagen - speziell im Fall größerer Korrekturen, auf die man sich in diesem Jahr gefasst machen müsse. Die großen Kapitalgesellschaften seien zwar etwas behäbiger, wenn sich die Märkte verbesserten, „aber sie bieten mehr Schutz, wenn es talwärts geht“.
Das wirtschaftliche Umfeld könne den großen Unternehmen in diesem Jahr einen Vorteil verschaffen, mutmaßt Thomas Nyheim, Portfoliomanager bei Christiana Bank & Trust Co. Im Fall eines raschen Wirtschaftsaufschwungs würden kleine oder mittlere Werte, die oft empfindlicher auf die amerikanische Wirtschaft reagierten, „einen regelrechten Sprung“ machen. Aber bei einer langsamen Erholung - und eine solche erwartet Nyheim - schlagen sich „die höherwertigen großen Namen“ besser. „Der Aufschwung kommt langsamer. Der Arbeitsmarkt zieht ihn nach unten“, erklärt er.
Kurs-Gewinn-Verhältnis höher als üblich
Nach der herausragenden Kurs-Performance des letzten Jahres sind die Bewertungen für die Aktien kleiner Unternehmen niedriger. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für den S&P 600 liegt bei 31,5 im Vergleich zu einem Durchschnitt von 21,2 über die vergangenen zehn Jahre. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für den Standard & Poor's MidCap 400-Index beträgt 20,6 (verglichen mit einem Zehn-Jahres-Durchschnitt von 20); und das Kurs-Gewinn-Verhältnis für den S&P 500 beträgt 18,8, was unter dem Zehn-Jahres-Durchschnitt dieses Index' von 19,2 liegt.
Höhere Kurs-Gewinn-Verhältnisse seien oft durch Erwartungen eines stärkeren künftigen Wachstums gerechtfertigt. Hier zumindest hätten kleinere Unternehmen einen Vorteil. „Bei einem kleinen Unternehmen lässt sich Wachstum viel einfacher realisieren als bei einem großen“, erklärt der unabhängige Marktstratege Doug Peta.
Kleine Kapitalgesellschaften haben noch einen weiteren Vorteil: Sie sind weniger verbreitet. Pensionsfonds haben fast immer die eine oder andere Zusammenstellung von S&P 500-Werten in ihrem Bestand, während die Werte kleiner Kapitalgesellschaften kaum vertreten sind. „Und weil fast jeder sie schon hat, können sie keine solche Kursentwicklung vorweisen wie die weniger begehrten Teile des Marktes“, meint Peta.
Alan Gayle, leitender Anlagestratege und Direktor für Portfoliostrukturierung bei RidgeWorth Investments, glaubt, dass der Pessimismus, der in Bezug auf kleinere Unternehmen herrscht, eine Chance für die Anleger sein könnte. Aufgrund der wirtschaftlichen Erholung „sind die Aussichten für kleine Kapitalgesellschaften gut“, so Gayle. Aber nach dem jüngsten Höhenflug der Aktien kleiner Kapitalgesellschaften und vor dem Hintergrund der enormen Ungewissheit über den Fortgang der wirtschaftlichen Entwicklung, „mache ich mir auf kurze Sicht doch etwas mehr Sorgen“. Wenn die Werte der Kleinen in den kommenden Monaten an Boden verlieren, so könnte das eine Gelegenheit sein, sich die Aktien auf längere Sicht zuzulegen, urteilt Gayle.
Der Dollar-Faktor kann sich zu Gunsten kleiner Unternehmen auswirken
Ein Schlüsselfaktor für die Aktien der großen Kapitalgesellschaften könnte die Richtung des Dollars sein. Die großen Unternehmen, aus denen der S&P 500 besteht, sind auf der ganzen Welt aktiv, während viele kleine Kapitalgesellschaften im heimischen Umfeld bleiben.
Ein stärkerer Dollar lässt im Ausland erzielte Gewinne und Umsätze kleiner aussehen, wenn sie in Dollar ausgedrückt werden. Am 5. Februar erreichte der Dollar-Index, der den Greenback einem internationalen Währungskorb gegenüberstellt, seinen höchsten Stand seit Juli 2009. Der Dollar hat seit dem 25. November um 8,3 Prozent zugelegt.
„Wenn der Dollar weiter an Stärke gewinnt, dann wirkt sich das zum Vorteil der kleinen Kapitalgesellschaften aus“, erklärt Delwiche. „Wenn er schwächer wird, dann profitieren die großen Kapitalgesellschaften verstärkt davon.“
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |