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Montag, 13. Februar 2012
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Amerikanische Aktienmärkte Ja, es ist eine Rezession

03.12.2008 ·  Die Aussichten für die Wall Street sind trübe: Neueste Daten weisen auf Dezember 2007 als Beginn des Abschwungs hin, der sich in bedrohlicher Schärfe zeigt. Der Markt hat diese Nachricht geschluckt - und ist zusammengebrochen.

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Nun ist es offiziell. Am 1. Dezember hat das Business Cycle Dating Committee des National Bureau of Economic Research — die weithin anerkannte Instanz zur Beurteilung, wann die amerikanischen Wirtschaft in eine Phase des Konjunkturabschwungs eintritt und diese wieder verlässt - für den Beginn der Rezession Dezember 2007 ausgemacht.

Und wie um diesen Ansatz zu bestätigen, betrachteten die Anleger die am 1. Dezember über den Produktionssektor und den Bausektor erschienenen Berichte mit Argwohn, die Aktivitäten in diesen Schlüsselbranchen der amerikanischen Wirtschaft, einschließlich der negativsten Lesart des ISM Manufacturing Index des Institute for Supply Management, zeigen.

Den Anlegern gefiel nicht, was sie da sahen, und die bedrückenden Daten - wie auch die anhaltende Unsicherheit bezüglich der Weihnachtsumsätze im amerikanischen Einzelhandel und eine beiläufige Anmerkung der Oppenheimer-Analystin Meredith Whitney zum amerikanischen Verbraucherkredit - trugen schließlich dazu bei, einen dramatischen Ausverkauf an den Aktienmärkten zu entfesseln.

Die Mitarbeiter von Business Week und S&P Market Scope haben folgende Einblicke von Ökonomen und Analysten an der Wall Street zusammengestellt:

National Bureau of Economic Research

Das Business Cycle Dating Committee des National Bureau of Economic Research traf sich am Freitag, den 28. November zu einer Telefonkonferenz. Der Ausschuss führt Buch über den Anfang und das Ende (Monat und Quartal) von Rezessionen in den Vereinigten Staaten. Es legte den Dezember 2007 als einen Höhepunkt in der amerikanischen Konjunktur fest. Der Höhepunkt markiert das Ende des seit November 2001 zu verzeichnenden Konjunkturwachstums und den Beginn einer Rezession. Die Wachstumsphase hielt 73 Monate an. Der letzte Aufschwung in den neunziger Jahren hielt 120 Monaten an.

Als Rezession bezeichnet man einen deutlichen Rückgang der gesamten Konjunktur eines Landes über einen längeren Zeitraum, der sich üblicherweise in der Produktion, der Beschäftigung, den realen Einkommen und weiteren Faktoren zeigt. Ein Rückgang der Wachstumsraten über mehrere Monate ist noch nicht als Rezession zu bezeichnen. Von einer Rezession spricht man ab dem Zeitpunkt, an dem die Wirtschaftsaktivität einen Höhepunkt erreicht hat. Das Ende der Rezession wird durch ihren Tiefstand markiert. Die Phase zwischen Tiefstand und Höhepunkt nennt man Wachstum oder Expansion.

Da sich der Abschwung während einer Rezession in allen Sektoren eines Landes vollzieht, stellt der Ausschuss Messgrößen zur Bewertung der gesamten Wirtschaft des Landes heraus. Dabei vertritt der Ausschuss die Auffassung, dass Inlandsproduktion und Beschäftigung die wichtigsten Gradmesser für die Konjunkturentwicklung eines Landes sind.

So sieht der Ausschuss die Gehaltskosten für unselbständige Beschäftigungsverhältnisse, die bei den Unternehmen erhoben werden, als verlässlichste und umfassendste Schätzung der Beschäftigung. Die Entwicklung dieser Zahlen erreichte im Dezember 2007 ihren Höhepunkt und flaute seither jeden Monat ab.

David Greenlaw und Ted Wieseman, Morgan Stanley

Der Produktionssektor ist derzeit in den Fängen einer schweren Rezession gefangen - ein Ende der Talfahrt und eine Erholung der Wirtschaft sind noch lange nicht in Sicht. Der ISM-Index entwickelte sich in etwa erwartungsgemäß, jedoch schwächer als nach einhelliger Meinung vorhergesagt wurde. Der ISM Manufacturing Composite fiel im November um weitere 2,7 Punkte auf 36,2, einen erneuten Tiefstand seit 1982. Die Talfahrt der Gradmesser Kernaufträge (von 32,2 auf 27,9), Produktion (31,5 gegenüber 34,1) und Beschäftigung (34,2 gegenüber 34,6) ging auch nach den jüngsten Einbrüchen unaufhaltsam weiter und führte die Zahlen tief in Rezessionsgebiet. Besonders ausgeprägt die schwache Auftragslage, deren Tiefstand im November nur in zwei früheren Monaten, beide im Jahr 1980, unterboten wurde.

Und wieder war die Flaute branchenweit zu beobachten. Die Bekleidungsindustrie und die Papierindustrie vermeldeten im November als einzige Branchen Zuwächse. Der Index für gezahlte Preise fiel ungebremst auf 25,5 Punkte - den niedrigsten Wert seit 1949. Noch im Juni lag der Preisindex bei 91,5 Punkten - dem höchsten Stand seit 1979. Nie zuvor war in einem so kurzen Zeitraum ein solch massiver Zusammenbruch zu beobachten. Die Inlandsaktivitäten befinden sich derzeit in einem gefährlichen Abschwung, und infolge der weltweiten Auswirkungen der amerikanischen Rezession beginnen auch die Exporte allenthalben einzubrechen. Auch Lagerbestandsüberschüsse beginnen sich deutlicher abzuzeichnen.

Michael Englund, Action Economics

Der Bericht über Investitionen im amerikanischen Bausektor offenbarte den allenthalben erwarteten Abfall um 1,2 Prozent im Oktober, obgleich sich die Zahlen im Bausektor für gewerbliche Räume aufgrund beträchtlicher Korrekturen nach oben und massiver Korrekturen nach oben bei den Annahmen im Bereich „Wohnraumverbesserung“ im dritten Quartal, die die Kurve im Bausektor im Oktober stark ansteigen ließen, noch im Juli überraschend fest erwiesen.

Zum Silberstreif am Horizont für die Tagesdaten wurde eine Runde umfangreicher Korrekturen nach oben an den früheren Zahlen im Bausektor für gewerbliche Räume und Wohnraumverbesserungen, die der scheinbar unverwundbaren Baubranche für gewerbliche Räume ihre bemerkenswerte Widerstandskraft wiedergegeben haben. Aufgrund vereinzelter Anzeichen für eine Verschlechterung, gehen wir im vierten Quartal im Bausektor für gewerbliche Räume nach wie vor von einem Rückgang aus. Das Risiko, dass sich der Sektor bis zum Jahresende durchkämpfen wird, bevor er im ersten Quartal erneut fällt, ist jedoch sehr hoch.

Meredith Whitney, Joseph Mack und Kaimon Chung, Oppenheimer

Geringere Liquidität wird sich weiterhin in niedrigeren Wohnraumpreisen niederschlagen. Der Rückgang der Liquidität hat seit dem Höchststand der Kurve zu einem Rückgang der Wohnraumpreise um über 23Prozent geführt. Angesichts der sich derzeit abzeichnenden Liquiditätstrends rechnen wir mit einem Preiseinbruch um weitere 20Prozent gegenüber dem aktuellen Stand.

Die Kreditkartenbranche wird infolge von Risikoaversion und Finanzierungsschwierigkeiten, aber auch regulierungsbehördlicher und bilanztechnischer Herausforderungen in den kommenden 18 Monaten mit der Rücknahme von Kreditlinien in Höhe von über $2 Billionen reagieren. Die Folgen, die dies haben wird, sind nicht zu unterschätzen. Während knapp über 70 Prozent der amerikanischen Haushalte über Kreditkarten verfügen, erneuern über 90 Prozent dieser Haushalte im Jahresverlauf ihren Kredit, das heißt, sie nutzen ihre Kreditkartenrahmen als Mittel zur kurzfristigen Liquiditätssteuerung.

Beachtenswert ist hierbei, dass etwa die Hälfte der Kreditkartennutzer ihren Kredit jeden Monat erneuert. Wir sehen die Kreditkarte nach dem Arbeitsplatz als zweite wichtige Verbraucherliquiditätsquelle. Die Rücknahme von Kreditrahmen zu einem Zeitpunkt, an dem über 50 Prozent der Arbeitsplätze im Jahresvergleich in den Schlüsselstaaten vernichtet werden, ist nach unserer Einschätzung eine gefährliche und nie da gewesene Kombination.

Lorraine Maikis, Merrill Lynch

Für die Einzelhandelsfachgeschäfte prognostizieren wir einen Umsatzrückgang von 11,9 Prozent gegenüber einem Rückgang von 2,1 Prozent im Vorjahr. Bei den Kaufhausketten rechnen wir mit einem Rückgang von 13,8 Prozent gegenüber einem Anstieg von 12,1 Prozent im Vorjahr. Hierbei ist zu beachten, dass die Gruppe der Kaufhausketten von der Einzelhandels-Kalenderverschiebung im vergangenen Jahr profitiert hat, während die meisten Einzelhandelsfachgeschäfte gemischte Zahlen meldeten, die die Verschiebung wieder ausglichen.

Wir glauben, dass die Verbraucher im vergangenen Monat durch die Marktturbulenzen verunsichert wurden und vor dem Kauf von Konsumgütern zurückschreckten. Wir rechnen in diesem Jahr mit dem schlechtesten Weihnachtsgeschäft seit Beginn der Messungen. Im November fielen unser Einzelhandelsfachgeschäft-Index um 23 Prozent und unser Kaufhausketten-Index um 26 Prozent. Das entspricht einem derzeitigen Rückgang der Indizes um 47 Prozent beziehungsweise 50 Prozent seit Jahresbeginn und einem Rückgang von 57 Prozent beziehungsweise 68 Prozent gegenüber ihren jeweiligen Höchstständen im April 2007. Hinsichtlich der Fundamentalwerte der Gruppe sind wir nach wie vor zurückhaltend.

Von Standard & Poor's Equity Research

Quelle: Business Week Online
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