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Sonntag, 19. Februar 2012
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Amerikanische Aktienmärkte Im Bann des Auslands

15.02.2010 ·  Früher hieß es: Wenn Amerika niest, bekommt der Rest der Welt einen Schupfen. Heute kann jeder niesen und die ganze Welt anstecken. Und so können sich auch amerikanische Aktien dem zunehmendem Einfluss einer immer stärker vernetzten Weltwirtschaft nicht entziehen.

Von Ben Steverman
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Es ist bezeichnend für die heutige Globalisierung, dass die Schuldenkrise eines kleinen europäischen Landes wie Griechenland auf der Sorgenliste amerikanischer Aktienanleger und Portfoliomanager derzeit ganz oben steht, und das, obwohl die Hellenen gerade einmal 2,6 Prozent zur Wirtschaftsleistung der Eurozone beitragen.

„Wir befinden uns heute in einer sehr viel stärker globalisierten Welt“, sagt Wasif Latif, stellvertretender Leiter Aktienanlagen bei USA Investment Management. „Die Auswirkungen eines Einzelereignisses in einem Teil der Welt können sich wellenartig auf alle Märkte ausbreiten.“

Gute Nachrichten aus dem Inland werden verdrängt

Anleger von Aktien amerikanischer Unternehmen verfolgten nicht nur die Lage in Griechenland, sondern auch die von der chinesischen Regierung eingeleiteten Maßnahmen zur Abkühlung ihrer überhitzten Wirtschaft, sagt Richard Sparks, Aktienanalyst bei Schaeffer's Investment Research aus Cincinnati.

„Früher hieß es 'wenn Amerika niest, dann bekommt der Rest der Welt einen Schupfen'“, so Sparks. „Heute kann jeder niesen und damit die ganze Welt anstecken.“ Hinzu komme, dass schlechte Nachrichten aus dem Ausland die guten Nachrichten aus dem Inland verdrängten, sagt Latif.

Nachdem 349 der im S&P-500 enthaltenen 500 Unternehmen ihre Zahlen für das vierte Quartal 2009 vorgelegt haben, liegen die operativen Gewinne des Index' 46,8 Prozent über dem Niveau des Vorjahres und damit 11,6 Prozent über den Schätzungen der von Bloomberg befragten Analysten. Nach den am 29. Januar veröffentlichten vorläufigen Zahlen ist das amerikanische Bruttoinlandsprodukt im Schlussquartal 2009 um 5,7 Prozent gestiegen.

Amerikanische Aktien haben sich - wenngleich in geringerem Maße - dem Kursrutsch der restlichen Welt angeschlossen. Im bisherigen Jahresverlauf liegt der S&P-500 mit 3,26 Prozent im Minus. Der MSCI EAFE Index, der sich aus Aktien entwickelter Märkte in Europa, Australien und Hongkong zusammensetzt, hat seit Jahresbeginn 7,3 Prozent an Wert verloren, während der Schwellenländerindex MSCI Emerging Markets um 7,4 Prozent nachgegeben hat.

Im Ausland erwirtschaftete Gewinne

Vermögensverwaltern zufolge setzen Ereignisse im Ausland die Kurse amerikanischer Aktien aus fundamentalen und psychologischen Gründen unter Druck. Da ein großer Teil der Unternehmensgewinne im Ausland generiert wird, reagieren viele Konzerne mittlerweile sehr empfindlich auf Veränderungen der dortigen Wirtschaftsbedingungen oder auf starke Schwankungen der Devisenmärkte.

In einer von Standard & Poor's im Juli 2009 veröffentlichten Studie wurde der Anteil der ausländischen Umsatzbeiträge von S&P-500-Unternehmen untersucht: im Geschäftsjahr 2008 hatte dieser schon bei 47,9 Prozent gelegen, während er zwei Jahre zuvor noch 43,6 Prozent betragen hatte.

Die Schuldenkrise Griechenlands werde wahrscheinlich „keinen wesentlichen Auswirkungen auf die größeren wirtschaftlichen Zusammenhänge“ haben, sagt Michael Cuggino, Portfoliomanager des Permanent Portfolio Funds. Nach seiner Ansicht „muss man die Situation im Auge behalten“, da die Gefahr von „Ansteckungseffekten“ bestehe. Seit dem Ausbruch der Finanzkrise vor mehr als zwei Jahren seien die amerikanischen Märkte anfälliger für ein Übergreifen weltweiter Panik geworden, so Cuggino.

Zwar sei die Verschuldung Griechenlands außergewöhnlich hoch, doch die Regierungen der meisten Industriestaaten hätten in den letzten Jahren enorme Schuldenberge aufgehäuft, sagt Keith Goddard, Vorsitzender und Geschäftsführer von Capital Advisors.

„Griechenland ist ein Symptom dieser weitaus größeren Problematik“, meint Goddard. Die weitere Entwicklung der griechischen Schuldenkrise sei daher „ein kurzfristiger Indikator“ für die Fähigkeit von Regierungen, ihre Haushaltslage in den Griff zu bekommen, ohne dabei Panik an den Märkten auszulösen, sagt er.

Wechselkurseffekte

Die wichtigste Fundamentalkennzahl des Aktienwerts ist der Unternehmensgewinn und „die Gewinne in den Vereinigten Staaten sind mittlerweile stark vom Wachstum der Weltwirtschaft abhängig“, sagt Brad Thompson, Fondsmanager bei Frost Investment.

So können etwa die Devisenmärkte großen Einfluss auf die Gewinne amerikanischer Unternehmen haben. Seit 25. November 2009 ist der Dollar-Index - der die Wertentwicklung des Greenback gegenüber einem Korb der wichtigsten Weltwährungen aufzeigt - um 7,7 Prozent gestiegen.

Wechselkursschwankungen sind bekanntermaßen schwierig vorherzusagen. Laut einer am 8. Februar veröffentlichten Prognose von Analysten der Bank of America Merrill Lynch könnte der Dollar seine Stärke gegenüber Währungen von Industriestaaten fortsetzen, sich jedoch gegenüber Währungen von Schwellenländern abschwächen.

Ein stärkerer Dollar kann spürbar negative Auswirkungen auf die Auslandsgewinne haben. Ein amerikanisches Unternehmen mit ausländischen Umsatz- und Gewinnbeiträgen von 50 Prozent würde bei einem Anstieg des Dollars um 10 Prozent einen um 5 Prozent geringeren Gewinn erzielen, merkt Thompson an. Zur Verringerung dieser Risiken hält Thompson Aktien internationaler Unternehmen, die eine Absicherung ihrer Währungsrisiken vornehmen, beispielsweise Google.

China bleibt im Fokus

Der Internationale Währungsfonds prognostiziert für 2010 ein Wachstum der Weltwirtschaft von 3,9 Prozent. Für Schwellen- und Entwicklungsländer wird ein Anstieg der Wirtschaftsleistung von 6 Prozent erwartet. Die Vereinigten Staaten werden nach der am 26. Januar aktualisierten Schätzung 2010 um 2,7 Prozent zulegen, während für die Eurozone mit einem Plus von einem Prozent gerechnet wird. „Die Volkswirtschaften der Schwellenländer dürften sich auch künftig besser schlagen“, sagt Goddard, weshalb er auf Unternehmen wie Procter & Gamble setzt, das im abgelaufenen Geschäftsjahr 61 Prozent seiner Umsätze im Ausland erwirtschaftete, während in Industriestaaten nur ein begrenztes Wachstum zu erwarten ist. „P&G erzielt höhere Zuwachsraten, weil die Produkte des Unternehmens in Schwellenländern auf eine wesentlich geringere Marktdurchdringung treffen“, sagt Goddard.

Schwellenländer sind für Unternehmen mit schwachen Umsatzzahlen in Amerika und Europa zum wichtigsten Wachstumsmotor geworden. Am 11. Februar berichtete PepsiCo für die EMEA-Region (Europa, Nahost, Afrika) einen Anstieg der Nettoumsatzerlöse von 12 Prozent. Die Umsätze der europäischen Geschäftsbereiche und der amerikanischen Lebensmittelsparte konnten um 5 Prozent zulegen, während die Erlöse der amerikanischen Getränkesparte um ein Prozent zurückgingen.

Aus diesem Grund richten sich die Blicke der Anleger weiter auf China, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. China ist „derzeit der einzige verbliebene große Wachstumsmotor der Weltwirtschaft“, sagt Les Sutlow, leitender Portfoliomanager bei Cabot Money Management. Wirtschaftsprobleme im Reich der Mitte könnten direkte negative Auswirkungen auf die Auslandsergebnisse amerikanischer Unternehmen haben, aber auch der psychologische Effekt sollte nicht unterschätzt werden.

China ist „für die Marktstimmung gegenüber Schwellenländern ein zentraler Faktor“, sagt Sutlow. Eine schwächere chinesische Volkswirtschaft könnte Anleger in Brasilien, Indien oder anderen Schwellenmärkten verschrecken. „Das Vertrauen steht nach wie vor auf tönernen Füßen“, sagt Latif.

Vor dem Hintergrund optimistischerer Märkte könnten Investoren die vorübergehenden wirtschaftlichen und fiskalischen Probleme Chinas und Griechenlands einfach abhaken - wären da nicht die Eindrücke der Finanzkrise und der Rezession der vergangenen drei Jahre im Hinterkopf.

Steverman ist Reporter für den Investing Channel der BusinessWeek.

Quelle: Business Week Online
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