http://www.faz.net/-gv6-76480
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 28.01.2013, 22:38 Uhr

Amerikanische Aktienfonds Die Privatanleger kehren an die Wall Street zurück

Die Aktie wird wieder entdeckt: Amerikanische Aktienfonds verbuchen erstmals seit Jahren wieder Zuflüsse. Auch die Indizes nähern sich den Rekordständen von einst.

von , New York
© AFP Auf dem Weg zurück: Händler vor der New Yorker Börse

Amerikanische Privatanleger entdecken die Aktie wieder. Nachdem sich risikoscheue Kleinanleger in den Jahren nach der Finanzkrise überwiegend von Aktien abgewandt hatten, verbuchen amerikanische Aktienfonds in diesem Jahr erstmals seit mehreren Jahren wieder deutliche Nettozuflüsse. Nach Schätzungen des Fondsbranchenverbands ICI haben auf Aktien spezialisierte Investmentfonds in den ersten beiden Wochen des Jahres knapp 25 Milliarden Dollar eingenommen. So viel Geld hatten Privatanleger zuletzt im Februar 2007 in Aktienfonds investiert.

Norbert Kuls Folgen:

In Folge der Finanzkrise, die im Herbst des Jahres 2008 mit dem Kollaps der Investmentbank Lehman Brothers ihren Höhepunkt erreicht hatte, bevorzugten amerikanische Privatanleger eher festverzinsliche Papiere. Die Zuflüsse in Rentenfonds haben trotz der wieder zunehmenden Popularität der Aktienanlage aber noch nicht abgenommen.

Nur noch wenige Prozentpunkte bis zum Rekordhoch

Aktien werden wieder attraktiv, weil sich die Drohkulisse für die Börsen etwas aufgehellt hat. In den Vereinigten Staaten beginnt sich der Häusermarkt zu erholen, der im Zentrum der Finanzkrise gestanden hatte. Da Häuser ein wichtiger Vermögenswert für Amerikaner sind - rund zwei Drittel aller Haushalte besitzen eine Immobilie -, verbessert das die Stimmung der Anleger und Verbraucher. Überdies ging die Arbeitslosenquote des Landes in den vergangenen Monaten zurück, was ebenfalls bessere Aussichten für das Wirtschaftswachstum suggeriert. „Die Ansicht der Investoren hat sich grundlegend verändert“, beobachtet Andrew Wilkinson, Anlagestratege beim Wertpapierhaus Miller Tabak.

Infografik / Hohe Zuflüsse in amerikanische Aktienfonds © F.A.Z. Vergrößern Nettomittelzuflüsse in Aktienfonds sowie Verlauf von Dow Jones und S&P 500 seit 2007

Zum wachsenden Interesse der Privatanleger tragen auch die gestiegenen Aktienkurse selbst bei. Der breitgefasste Aktienindex S&P 500 war am Freitag erstmals seit fünf Jahren wieder auf mehr als 1500 Punkte gestiegen und notierte auch am Montag trotz leichter Verluste über dieser Marke. Das Marktbarometer ist nur noch wenige Prozentpunkte von seinem Rekordhoch von 1576 Punkten aus dem Oktober 2007 entfernt. Zunehmende Zuflüsse in Aktienfonds, die die Gelder investieren müssen, könnten die Hausse der amerikanischen Börsen weiter stützen. Das gilt auch für ausländische Börsen, da Amerikaner auch wieder Anteile von Fonds kaufen, die international investieren.

Der Trend bei Privatanlegern gilt an der Börse aber oft als Kontraindikator, da diese Anlegerklasse in der Regel erst sehr spät auf einen Trend reagiert. Das Verhalten der Kleinanleger nach der Krise unterstreicht dies, da sie die schon seit vier Jahren andauernde Hausse praktisch verpasst haben. Der S&P 500 ist seit seinem Tiefstand vom März 2009 um 120 Prozent gestiegen. Allein in diesem Jahr sind die großen Barometer der amerikanischen Aktienmärkte um 5 Prozent geklettert. Getrieben wurde die Hausse von wachsenden Unternehmensgewinnen und extrem niedrigen Zinsen.

Mehr zum Thema

„Die vergangenen Wochen spiegeln den Glauben, dass es im Jahr 2013 keine existentiellen Bedrohungen für die globalen Volkswirtschaften geben wird“, sagte Nicholas Colas, Chef-Anlagestratege des Wertpapierhauses BNY Convergex, der „New York Times“. Nach einer Umfrage der American Association of Individual Investors, dem Verband der Kleinanleger, hat sich deren Optimismus seit Mitte November verdoppelt.

Aber selbst optimistische Analysten rechnen nach dem kräftigen Kursanstieg der vergangenen Wochen mit einer leichten Korrektur der Kurse. Eine Belastung für die amerikanische Konjunktur könnte der jüngst beschlossene Anstieg der Lohnsteuern werden. Das Wirtschaftswachstum der Vereinigten Staaten hängt stark vom privaten Verbrauch ab. Dazu machen sich Anleger immer noch Sorgen wegen eines potentiellen Wiederaufflammens der europäischen Schuldenkrise. Russ Koesterich, Chefanleger der großen Fondsgesellschaft Blackrock, hält diese Sorgen aber für vergleichsweise „banal“. „Wir sprechen nicht mehr über die ganz großen Krisen“, sagt Koesterich.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Rekordhochs Amerikas seltsamer Aktienboom

Amerikas Wirtschaft wächst gemächlich. Trotzdem erreichen die Börsen neue Rekorde. Wie passt das zusammen? Mehr Von Dennis Kremer

20.07.2016, 17:01 Uhr | Finanzen
Nach dem Brexit Finanzplatz Frankfurt wittert die große Chance

Noch 2015 war die City of London laut des Statistischen Bundesamts der bedeutendste Finanzplatz der Welt. Vor New York, Hongkong, Singapur. Das deutsche Finanzzentrum Frankfurt dagegen liegt auf Platz 14. Zweitklassig, ein bisschen provinziell wirkt Frankfurt am Main gegenüber den gigantischen Finanzmetropolen der Welt. Doch mit dem Brexit könnte sich das ändern. Mehr

06.07.2016, 17:07 Uhr | Finanzen
Defensive Taktik Europäische Schwergewichte springen an

Positiver Aufwind bei den europäischen Aktienmärkten. Nahrungsmittelkonzern Nestlé, die britische Großbank HSBC Holdings und der niederländisch-britische Öl-&-Gas-Riese Royal Dutch Shell starten durch. Alles eine Frage der richtigen Strategie. Mehr Von Achim Matzke

22.07.2016, 10:33 Uhr | Finanzen
Marktbericht Anleger machen Kasse

Verrückte Börse: An der Wall Street meldet der Dow Jones den neunten Tag in Folge Kursgewinne. In Europa aber machen Anleger Kasse, die Lufthansa-Aktie ist nach einer Prognosesenkung im Sinkflug, die türkische Börse wegen des Ausnahmezustands unter Druck. Mehr

21.07.2016, 12:26 Uhr | Finanzen
Pokémon-Gewinn Dem Nintendo-Chef wird der Aktienkurs unheimlich

Vor lauter Euphorie über das Handyspiel Pokémon Go hat sich Nintendos Aktienkurs zeitweise verdoppelt. Dem Management wird das zu viel – es schickt eine Warnung. Mit durchschlagendem Erfolg. Mehr

25.07.2016, 08:10 Uhr | Finanzen
Name Kurs %
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
NIKKEI -- --
HANG SENG -- --
F.A.Z. EURO -- --
E-STOXX 50® -- --
S&P 500 -- --
NASDAQ 100 -- --
MDAX ® -- --
TecDAX ® -- --
SDAX ® -- --