04.04.2003 · „Her mit den billigen Aktien, die weit unter ihrem Höchstkurs gehandelt werden“ - so John Dorfman. Nach diesem Motto hat er Titel ausgewählt, denen er deutliche Kursgewinne zutraut, darunter das Tabak-Papier R.J. Reynolds.
Von John Dorfman, Präsident von Dorfman Investments BostonMan soll zugreifen, solange eine Aktie noch unter Wert zu haben ist. So lautet das Credo vieler Anleger. Nichts wie her also mit den erschöpften und schlechten, den billigen Aktien, die weit unter ihrem Höchstkurs gehandelt werden.
In Sinne dieses Credo veröffentliche ich in jedem Quartal eine Empfehlungsliste. Sie enthält einige Aktien, die im letzten Quartal stark verloren haben und von denen ich glaube, dass man sie kaufen sollte. Ihre Vorgänger haben den Standard & Poor's 500-Index vom Tag ihrer Veröffentlichung an bis heute im Durchschnitt um 23 Prozentpunkte übertroffen. Zehn der elf vorangegangenen Listen lagen mit ihrer Performance über dem S&P 500. Sechs der elf waren gewinnbringend, obwohl der Markt in den vergangenen drei Jahren ziemlich stetig gefallen ist. Hier ist also meine neue Empfehlungsliste.
Kursverlust bei Thor Industries nicht nachvollziehbar
Ich habe mich nach Aktien umgesehen, die im ersten Quartal Verluste von 20 Prozent und mehr hinnehmen mussten. Der Markt an sich hat, gemessen am S&P 500, um 3,2 Prozent nachgegeben. Um bei mir Beachtung zu finden, mussten die Aktien eines Unternehmens einen Marktwert von 500 Million Dollar und darüber haben. Sie mussten zu einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 15 oder darunter gehandelt werden und das entsprechende Unternehmen musste weniger Verbindlichkeiten als Eigenkapital haben. Etwa 45 Aktien erfüllten diese Kriterien. Aus diesen habe ich vier als empfehlenswert ausgewählt.
Die erste von ihnen ist Thor Industries. Das Unternehmen ist der weltweit größte Hersteller von Wohnmobilen und Wohnwagen. Seine Aktien fielen im ersten Quartal um 27 Prozent - aus Gründen, die ich nicht ganz nachvollziehen kann. Ich glaube, die Anleger befürchten, dass die derzeit niedrigen Zinsen, die für steigende Umsätze im Bereich Freizeitfahrzeuge gesorgt haben, verschwinden. Sie fürchten auch, dass der Krieg im Irak sich negativ auf das Anlegervertrauen auswirken wird und die hohen Benzinpreise zu einem Rückgang der Umsätze dieser Fahrzeuge mit ihrem hohen Benzinverbrauch führen werden.
Ich sehe dafür keine Anzeichen. Die Zinsen werden eines Tages wieder steigen, aber ich bezweifle, dass dies bald der Fall sein wird. Die amerikanische Zentralbank Federal Reserve versucht nach wie vor, die schwache konjunkturelle Erholung zu schützen. Der Krieg im Irak mag vielleicht das Verbrauchervertrauen schwächen. Aber Thor hält sich bisher gut: Die Umsätze sind im Februar um 17 Prozent und im März um 15 Prozent gestiegen. Was die Benzinpreise betrifft, hat es bereits einen deutlichen Anstieg gegeben. Im Moment fallen die Energiepreise statt zu steigen. Thor ist schuldenfrei, was ich bewundernswert finde. Seine Aktien werden zu einem KGV von zehn, zu einem KBV (Kurs-Buchwert-Verhältnis bzw. Eigenkapital pro Aktie) von zwei und zu einem KUV (Kurs-Umsatz-Verhältnis) von 0,5 gehandelt.
Einfluss von Tochter Gulfstream bei General Dynamics gering
Als zweites Unternehmen habe ich General Dynamics ausgewählt, den fünftgrößten US-Auftragnehmer in der Verteidigungsbranche. Ich habe diese Aktie in der Vergangenheit mehrfach empfohlen und vermute, dass die meisten Leser, die meiner Empfehlung gefolgt sind, Verluste hinnehmen mussten. Trotzdem stehe ich General Dynamics mit einem Kurs von 56 Dollar sehr positiv gegenüber. Ich halte Aktien des Unternehmens, sowohl für mich selbst als auch im Auftrag einiger meiner Klienten.
Die Aktien von General Dynamics sind im ersten Quartal um 30 Prozent gefallen, da die Anleger wegen schlechter Ergebnisse beim Gulfstream-Jet in Panik gerieten. Die Probleme beim Gulfstream sind offensichtlich. Man erwartet dort, in diesem Jahr, statt wie im letzten Jahr 85, nur 77 Jets zu verkaufen, und das auch noch zu einem niedrigeren Preis. Das Unternehmen steht an dritter Stelle im Bereich Jets, hinter Textron mit seiner Cessna und Bombardier mit dem Learjet. Aber hier wedelt der Schwanz mit dem Hund. General Dynamics verkauft vor allem Panzer und U-Boote an das Militär. Das Geschäft mit Gulfstream macht nur etwa ein Viertel der Umsätze aus.
Die Aktien von General Dynamics werden zu einem KGV von elf, zu einem KBV von 2,2 und zu einem KUV von 0,8 gehandelt. Sie bringen 2,3 Prozent Dividende ein und haben noch eine Menge Spielraum für eine Dividendenerhöhung. Die Bilanz sieht mit Verbindlichkeiten in Höhe von 28 Prozent des Eigenkapitals sehr gut aus.
Überreaktion bei La-Z-Boy
Als drittes Unternehmen habe ich La-Z-Boy gewählt, einen Möbelhersteller, der für seine Ruhesessel bekannt ist. Die Aktien des Unternehmens sind im ersten Quartal um 27 Prozent gefallen, hauptsächlich weil das Unternehmen angekündigt hatte, seine Gewinne im vierten Geschäftsquartal (das am 26. April endet) würden etwas niedriger ausfallen.
Ich glaube, dass die Anleger hier übertrieben auf ein kurzfristiges Ereignis reagiert haben. Auf Grund des Krieges haben viele Hersteller von Konsumgütern ein schwächeres Quartalsergebnis angekündigt. La-Z-Boy hat seine Dividende bisher jedes Jahr erhöht und verfügt noch über einen großen Spielraum für weitere Erhöhungen.
R.J. Reynolds Tobacco hat die Regierung hinter sich
Zuletzt habe ich ein Unternehmen ausgewählt, dessen Aktien mit einem hohen Risiko verbunden sind, R.J. Reynolds Tobacco Holdings, den zweitgrößten Zigarettenhersteller Amerikas. Die Aktie ist im ersten Quartal um 21 Prozent gefallen. Die Tabakhersteller haben mit Prozessen und für sie ungünstiger Rechtssprechung auf einzelstaatlicher und auf Bundesebene zu kämpfen. Aber die Branche hat überlebt, und man hat heute auf allen Regierungsebenen ein geradezu perverses Interesse an ihrem Überleben, da die Zigarettenhersteller für enorme Steuereinnahmen sorgen. Wenn man sich die Zahlen von R.J. Reynolds ansieht, ist man erstaunt.
Die Aktien werden zu einem KGV von fünf, zu einem KBV von 0,4 und zu einem KUV von 0,4 gehandelt. Die Dividende liegt derzeit bei etwa zwölf Prozent. Ich selbst halte keine Aktien von Tabakherstellern in meinem Portfolio. Ich bin davon überzeugt, dass Zigaretten viel Tod und Leid gebracht haben. Aber jeder muss seine eigenen moralischen Entscheidungen treffen. Unter Finanzaspekten halte ich Aktien von R.J. Reynolds für sehr empfehlenswert.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |