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Amerika Lucent, Bank of America und Revlon bei „Short-Sellern“ beliebt

05.12.2003 ·  Die Aktie von Bank of America, Lucent und Revlon sind derzeit bei Anlegern beliebt, die auf fallende Kurse setzen. Zwei dieser Aktie würde Börsianer John Dorfman aber halten. Hier verrät er, welche es sind.

Von John Dorfman, Bloomberg News
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Lucent Technologies, Bank of America und Revlon wird eine Auszeichnung zuteil, auf die sie wahrscheinlich lieber verzichtet hätten. Die drei gehören zu den von auf fallende Kurse setzenden Short Sellern bevorzugten Aktien. Das bedeutet, daß die Anleger bei diesen Aktien auf einen Kursrückgang spekulieren. Selbst wenn Sie noch nie eine Aktie leer verkauft haben, gibt es Gründe, weshalb Sie vielleicht die sogenannte „Short Interest“-Listen studieren möchten, die auf den Business-Seiten der wichtigsten Zeitungen und im Internet veröffentlicht werden.

Wenn Short Seller eine Aktie umschwärmen, die Sie halten, versuchen Sie, herauszufinden, warum sie dies tun. Falls Sie zu dem Schluß kommen, daß die Short Seller recht haben, verkaufen Sie oder reduzieren Sie Ihre Bestände. Sollten Sie herausfinden, daß die Short Seller völlig falsch liegen, möchten Sie ihre Position vielleicht erweitern. Paradoxerweise kann Short Selling der Anstoß dafür sein, daß der Kurs einer Aktie steigt. Und zwar aus folgendem Grund: Short Seller leihen sich Aktien und verkaufen sie in der Hoffnung auf einen Kursrückgang sofort. Am Ende müssen sie entsprechende Aktien kaufen, um die geliehenen zu ersetzen, es sei denn, das betreffende Unternehmen geht in Konkurs und der Aktienkurs fällt auf Null. Diesen Kauf von Ersatzaktien nennt man „Deckung“ der Leerverkaufsposition. Fällt der Kurs, bevor ein Short Seller die Position deckt, macht dieser einen Gewinn.

„Short Interest“-Listen als Anregung für Anleger

Wenn die Short Seller mit ihrer Annahme, daß ein Unternehmen in ernsten Schwierigkeiten steckt, falsch liegen, werden sie irgendwann ihre Positionen decken. Dadurch entsteht zusätzliche Nachfrage nach den entsprechenden Aktien, was wiederum den Kurs in die Höhe treibt. Natürlich liefern die „Short Interest“-Tabellen auch Anregungen für diejenigen Anleger (mich eingeschlossen), die zumindest einen Teil ihrer Portfolios für Leerverkäufe vorsehen. „Short Interest“ bezeichnet den Bestand an noch nicht gedeckten, offenen Leerpositionen.

Es gibt drei Varianten der entsprechenden Zahlen. Erstens der Gesamtbestand an leer verkauften Aktien. Zweitens der Anstieg bzw. Rückgang dieses Gesamtbestandes im Vergleich zum Vormonat. Sowohl die New York Stock Exchange als auch der Nasdaq Stock Market veröffentlichen monatlich gegen Mitte des Monats solche Zahlen. Drittens die „Short Interest Ratio“, die den Anteil leer verkaufter Aktien am durchschnittlichen Tageshandelsvolumen mißt. Wenn das Handelsvolumen von mehr als 20 Tagen auf Leerverkäufe entfällt, ist das Unternehmen eindeutig zum Ziel der Short Seller geworden.

Lucent Technologies

Bei Lucent Technologies waren zum 20. November 291 Millionen Aktien Gegenstand von Leerverkäufen, mehr als bei irgendeinem anderen Unternehmen. Zudem ist die Zahl der leer verkauften Aktien zwischen Mitte Oktober und Mitte November um etwa 35 Millionen gestiegen. Von 1929 bis 1996 war Lucent unter dem Namen Bell Labs bekannt und gehörte zu AT&T Corp. mit einer stolzen Tradition in der Herstellung von neuartigen Telekommunikationsprodukten. Nach der Abspaltung 1996 stieg der Kurs der Lucent-Aktie Ende 1999 auf ganze 63,22 Dollar; heute wird sie für 3,05 Dollar gehandelt.

Die Analysten rechnen damit, daß Lucent in diesem Jahr im dritten Jahr in Folge einen Verlust ausweisen wird, obgleich sie davon ausgehen, daß dieser Verlust im Vergleich zu 2002 von 2,95 Dollar pro Aktie auf 28 Cents schrumpfen wird. Der Konsens besagt, daß Lucent im nächsten Jahr die Gewinnzone erreichen wird. Der Buchwert von Lucent (Eigenkapital pro Aktie) beträgt negative 1,02 Dollar. Der Erlös, der im Geschäftsjahr 1999 noch 30,6 Milliarden Dollar betrug, liegt 2003 bei 8,5 Milliarden Dollar. Nur sechs von 36 Analysten, die sich mit dem Unternehmen beschäftigen, empfehlen die Aktie.

Bank of America

Viele halten Lucent für einen potentiellen Konkurskandidaten - eine Möglichkeit, die meiner Meinung nach durchaus besteht. Mit einem Kurs von 3,14 Dollar ist die Aktie eine ganz schön risikoreiche Spekulation. In der Tat hat Lucent 5,5 Milliarden Dollar Schulden, von denen allerdings der größte Teil erst 2023 bis 2026 fällig wird. Wenn ich Lucent kaufen wollte, würde ich höchstens ein Prozent meines Kapitals investieren und würde mir vornehmen, mindestens die Hälfte der Position zu verkaufen, wenn der Aktienkurs sich auf 6,28 Dollar verdoppelt.

Neben Lucent war die Aktie der Bank of America im vergangenen Monat diejenige mit dem größten Zuwachs an Leerverkäufen. Die Anleger verkauften 21,3 Millionen Aktien leer, wodurch der Gesamtbestand an Leerverkäufen auf 37,7 Millionen stieg. Der Appetit der Short Seller wurde durch die Entscheidung der Bank of America angeregt, FleetBoston Financial zu kaufen. Große Akquisitionen erweisen sich häufig als schwer verdaulich und kritische Stimmen sagten, die Bank of America habe zu viel bezahlt. Ich für meinen Teil stehe der Bank of America recht positiv gegenüber. Ihr Management Team hat in der Vergangenheit mehrere große Banken geschluckt. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis der Aktie liegt bei nur elf und die Dividende beträgt 4,2 Prozent.

Revlon

Revlon, ein Kosmetikunternehmen mit Sitz in New York, das im letzten Jahr 1,1 Milliarden Dollar Umsatz gemacht hat, ist was seine Bilanz angeht eine Katastrophe. Trotz einer Reihe sehr bekannter Marken (Revlon, Charlie, Ultima II etc.) beträgt die Fremdkapitalquote von Revlon 209 Prozent. Das Unternehmen hatte zum 30. September einen negativen Buchwert von 25,65 Dollar pro Aktie. Und im Gegensatz zu den Verbindlichkeiten von Lucent werden die 1,59 Milliarden Dollar Schulden von Revlon relativ bald fällig. Die Hälfte davon wird bis spätestens 2006 fällig, der Rest 2008.

Natürlich könnte Revlon umschulden. Da die Rating-Agenturen seine Verschuldung mit CC oder CCC beurteilen, würde das Unternehmen keine besonders guten Konditionen bekommen. Ich würde keine Revlon-Aktien kaufen und ich würde sie auch nicht leer verkaufen. Der Aktienkurs ist bereits von einem Hoch von 53,72 Dollar 1998 auf den aktuellen Stand von 2,39 Dollar gefallen. Leerverkäufe von Aktien mit niedrigen Kursen kann teuer werden und es besteht immer noch die Möglichkeit, daß ein Mitbewerber Revlon wegen seiner Marken kauft.

Fazit: Bei zwei der drei hier aufgelisteten Unternehmen würde ich die Aktien eher im Bestand halten als leer verkaufen. Schließen Sie daraus aber nicht, daß ich die Argumente der Short Seller nicht ernst nehme. Viele von ihnen recherchieren sehr sorgfältig, bevor sie aktiv werden, und häufig liegen sie richtig.

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