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Zertifikate und ETFs

Amerika Freddie Mac, die Fed und der Eigenheimsektor

Die Turbulenzen bei Freddie Mac haben Agenturen zur Finanzierung von Hypotheken ins Blickfeld gerückt. Anzeichen von Unregelmäßigkeiten könnten dem Aufschwung der amerikanischen Wirtschaft schaden, so Analyst Michael Wallace.

Das Management und die Regulierung der amerikanischen Hypothekenfinanzierungsagenturen Freddie Mac (Federal Home Loan Mortgage Association) und Fannie Mae (Federal National Mortgage Association) sind in dieser Woche schlagartig wieder in den Mittelpunkt des Geschehens gerückt. Die Nachricht vom Austausch der Führungsspitze auf Grund einer laufenden Untersuchung hinsichtlich der Bilanzierung von Derivatgeschäften bei Freddie Mac führte zu einer Volatilität der Credit Spreads des Baufinanzierers und verstärkte den panischen Verkauf von amerikanischen Staatsanleihen.

Viele Experten sind optimistisch, daß die Wogen bei der Baufinanzierungsagentur lediglich eine Frage des Managementstils hinsichtlich des Portfolios darstellten. Jegliche Anzeichen für Verschleierungstaktiken, Unregelmäßigkeiten oder Betrug könnten dennoch dem schwachen Aufschwung der amerikanischen Wirtschaft Schaden zufügen - und werden mit Sicherheit die gesamte Aufmerksamkeit der amerikanischen Notenbank (Fed) auf sich ziehen.

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Eigenheimsektor als wichtige Stütze der amerikanischen Wirtschaft

Eine stützende Säule für die amerikanische Wirtschaft ist die Stärke des Eigenheimsektors, die auf extrem niedrigen Hypothekenzinsraten und mehreren aufeinanderfolgenden Refinanzierungswellen basiert. Diese haben den Besitz von Eigenheimen zu wahren Goldgruben gemacht und die Bilanzen der Haushalte erheblich verbessert. Die Hypothekenfinanzierungsagenturen haben eine integrative und stillschweigende Rolle hinsichtlich der Unterstützung der amerikanischen Wirtschaft gespielt, da sie mehr als 40 Prozent des zwei Billionen Dollar umfassenden Hypothekenvolumens der letzten Jahren gesichert und somit auch den Konjunkturmotor geölt haben.

Kritiker meinen jedoch, daß diese von der Regierung gesponserten Agenturen (GSE) ihre vergleichsweise niedrigen Kreditlinien der Regierung auf eine unfaire Art und Weise einsetzten, um fast risikofrei Geld zu leihen, obwohl die zugrundeliegende Deckung durch den Staat minimal sei. Dies erlaube ihnen angeblich, dem Markt die Bedingungen zu diktieren und die Konkurrenz in die Knie zu zwingen - Handlungsmöglichkeiten, die über ihren eigentlichen öffentlichen Auftrag hinausgingen.

Forderungen nach einer schärferen Kontrolle

Zu einem gewissen Grad könnten die Agenturen Opfer ihres eigenen Erfolges geworden sein. Denn ihre beeindruckende Größe und ihre Dominanz rechtfertigen eine schärfere Kontrolle und höhere Anforderungen hinsichtlich der Offenlegungspflichten. Die drastische Maßnahme des Freddie-Mac-Aufsichtsrates, das eigene Spitzenmanagement zu entlassen, zeigt Mut und Entschlossenheit. Zudem wird erwartet, daß die Nachbesserung der Bilanz die Gewinne und den Kapitalüberschuß für die letzten drei Jahre „wesentlich steigern“ wird. Dies wird zu Lasten einer höheren Volatilität bei den Gewinnen und potenziell niedriger ausfallenden zukünftigen Gewinnen geschehen.

Rein technisch betrachtet scheint die Institution auf einem soliden Grund zu stehen. S&P hat zudem die Ratings bezüglich der Verschuldung bestätigt, obwohl das Unternehmen seiner Glaubwürdigkeit deutlich hinterherhinkt. Auch die unterfinanzierte Aufsichtsbehörde OFHEO (Office of Federal Housing Enterprise Oversight) erklärte, daß die Besorgnis über „das Management, die Praktiken und die Kontrolle" bei Freddie Mac bestehen bleibe, obwohl die „Qualität der Assets und die Kapitalpositionen stark bleiben."

Fed demonstriert Gelassenheit

Fed-Gouverneurin Bies hat sich kürzlich ebenfalls über den Fall Freddie Mac geäußert und die Ansicht vertreten, daß obwohl die Fed keine direkte Regulierungsautorität gegenüber den Agenturen habe, sie in diesem Fall aktiv mit Aufsichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft zusammenarbeite. In der Tat hat sich der Fed-Vorsitzende Alan Greenspan über die staatlichen Subventionen für die GSE kritisch geäußert und wäre nicht sehr erfreut darüber, wenn die Fed dafür verantwortlich gemacht würde, falls der unwahrscheinliche Fall einträte, daß eine dieser Institutionen zusammenbricht.

Bies sagte des weiteren, daß sie derzeit „keinen unmittelbaren Einfluss der Unruhen bei Freddie Mac auf die Wirtschaft“ erkennen könne und, daß „der Eigenheimsektor nach wie vor sehr stark ist.“ Die Fed habe es immer noch mit einer „schwachen Wirtschaft“ zu tun und kämpfe gegen Deflationsrisiken an. Daher nehme der Eigenheimsektor immer höchste Priorität ein.

Risiko der Schuldendeckung durch die Regierung

Der Fall Freddie Mac hat aber auch über die Grenzen von Amerika hinaus Bedeutung, da sich die Anleihen der Agenturen auch bei ausländischen Investoren höchster Beliebtheit erfreuen. Um im Handel die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, haben Japan und China hohe Dollarreserven angehäuft, mit dem Ziel, eine Aufwertung ihrer eigenen Währungen zu verhindern. Dies hat sich unterstützend auf die Verlangsamung einer breiteren Dollarabwertung ausgewirkt und zudem dazu beigetragen, daß die Zinsraten ein Rekordtief erreicht haben.

Die Custody-Daten der Fed zeigen eine Steigerung bei den ausländischen Zentralbankbeständen in Höhe von 933 Milliarden Dollar. Davon sind in den letzten Quartalen etwa 40 Prozent zu Schulden der Agentur recycelt worden. Jeder Abfluß dieser Bestände könnte den Dollar stark nach unten drücken und die Marktrenditen in die Höhe schnellen lassen. Außerdem würden die Verpflichtungen der Regierung, die Schulden der Agentur zu decken, auf den Prüfstand gestellt werden. Wie auch bei einer Deflation ist es sehr viel einfacher, dies von Beginn an zu verhindern, als hinterher die Scherben aufzusammeln.

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Veröffentlicht: 16.06.2003, 10:21 Uhr

Kein Grund zum Jubeln

Von Kerstin Papon

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