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Amerika Die gute Börsenstimmung hat drei Aktien übersehen

17.10.2003 ·  Beim jüngsten Kursspurt der S&P 500-Index sind Aktien auf der Strecken geblieben. Drei davon verdienen Beachtung, wie John Dorfman von Bloomberg meint. Das sind Winn-Dixie Stores, Verizon und Hilb, Rogal & Hamilton.

Von John Dorfman, Bloomberg News
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Der Kursspurt, der den Standard & Poor's 500-Index in den ersten beiden Wochen im Oktober um 5,45 Prozent nach oben trieb, riß die meisten Aktienkurse mit. Neun der zehn Branchen im S&P 500 sind in diesem Monat bis zum vergangenen Dienstag gestiegen. Die einzige Ausnahme waren Aktien aus dem Bereich Telekommunikation.

Von den 500 Aktien des S&P sind 448 gestiegen. Aber die steigende Flut hat nicht alle Boote in die Höhe gehoben. Sieben Aktien mit einem Kurswert von 250 Millionen Dollar oder mehr haben in den letzten Tagen neue Tiefstände erreicht. Diese Aktien sind nicht notwendigerweise hoffnungslose Nachzügler oder ewige Verlierer. Unter ihnen sind drei Aktien, die meines Erachtens Beachtung verdienen.

Winn-Dixie erzielt jährlich einen Gewinn

Winn-Dixie Stores, eine Supermarktkette mit Sitz in Jacksonville, Florida, erreichte am Dienstag ein 52-Wochentief von 8,39 Dollar. Dieses Unternehmen mag vielleicht nicht gerade das beste der Welt sein, aber bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von acht ist das auch gar nicht nötig. Da negative Nachrichten bereits ihren Niederschlag im Kurs gefunden haben, bleibt nun viel Spielraum für angenehme Überraschungen. Die Winn-Dixie-Aktie fiel in diesem Monat stark ab, als das Unternehmen bekannt gab, daß die Umsätze und der Gewinn im ersten Quartal niedriger ausfallen würden, und seine Gewinnrichtlinie für das im Juni nächsten Jahres endende Geschäftsjahr zurückzog. Das waren düstere Aussichten. Die Umsätze für das erste, am 30. September endende Quartal des Geschäftsjahres sind um 5,8 Prozent auf 2,67 Milliarden Dollar zurückgegangen. Der Gewinn fiel von 34,8 Millionen Dollar oder 25 Cents pro Aktie im entsprechenden Quartal des Vorjahres um 97 Prozent auf 1,2 Millionen Dollar oder einen Cent pro Aktie.

Die Tatsache, daß die Umsätze in Geschäften, die seit mindestens einem Jahr bestehen, um 6,6 Prozent gefallen sind, streut noch zusätzlich Salz in die Wunde. Unter den Analysten der Brokerfirmen hat die Winn-Dixie-Aktie keine Freunde mehr. Von sieben Analysten, die im vergangenen Jahr eine Beurteilung der Aktie veröffentlicht haben, fiel eine neutral und sechs negativ aus. Ein Analyst, der den Verkauf der Aktie empfohlen hat, ist Mark Husson von Merrill Lynch. In einem Bericht von vergangener Woche meinte Husson, daß Winn-Dixies Maßnahmen zum Umbau und zur Reinigung seiner Geschäfte eine Menge Geld gekostet hätten ohne bisher Wirkung gezeigt zu haben. Diese Fülle übereinstimmend negativer Beurteilungen weckt meine nonkonformistischen Instinkte. Ich habe festgestellt, daß sehr unbeliebte Aktien manchmal eingehen, manchmal aber auch ihren Kurs verdoppeln oder sogar mehr als das.

Wenn der Kurs der Winn-Dixie-Aktie sich verdoppeln würde, läge er bei 16,78 Dollar, was noch immer weit unter dem Höchststand der Aktie von 1998 in Höhe von 59,25 Dollar liegt. Nicht alles ist schlecht bei der Supermarktkette. Das Unternehmen hat in neun von zehn der vergangenen Geschäftsjahre einen Gewinn erzielt und dies wird aller Erwartung nach auch in diesem Jahr der Fall sein, obgleich dieser Gewinn niedrig ausfallen wird. Im Geschäftsjahr 2003 erzielte das Unternehmen eine sehr solide Eigenkapitalrendite von 26 Prozent. Und die Verbindlichkeiten belaufen sich auf nur 33 Prozent des Eigenkapitals. Die Dividende der Winn-Dixie-Aktie beträgt 2,4 Prozent und die Aktie hat ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von 0,1 und ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von 1,2 (Eigenkapital pro Aktie), was beides sehr niedrig ist.

Verizon Communications bietet Dividende

Verizon Communications, die regionale Telefongesellschaft mit Sitz in New York City, erreichte am Dienstag ein 52-Wochentief von 31,50 Dollar. Der Kurs der Aktie erscheint mir attraktiv und günstig, aber ich würde empfehlen, es langsam anzugehen, weil noch negative Nachrichten ausstehen, die Wirkung zeigen könnten. Ich gehe davon aus, daß die neuen Sperrlisten für Anrufe zu Vertriebszwecken, die von den einzelnen Staaten und (eventuell) der amerikanischen Regierung herausgegeben werden, für Verizon negative Auswirkungen haben werden. Die Anleger wissen, daß ein großer Teil der Anrufe aus dem Vertriebsbereich stammt, und das ist einer der Gründe, weshalb die Verizon-Aktie von einem Hoch bei 41,88 Dollar vor elf Monaten auf 31,50 Dollar abgestürzt ist.

Solche Sperrlisten sind aber nur ein Problem bei Verizon. Die Aufsichtsbehörden beschneiden das Unternehmen in seinen Möglichkeiten, anderen Anbietern die Nutzung seiner Leitungen in Rechnung zu stellen. Der Preiswettbewerb der Telefonanbieter ist hart und Analysten erwarten in diesem Jahr bei Verizon einen Gewinnrückgang um 15 Prozent. Und ich bin nicht gerade begeistert von der Höhe der Verbindlichkeiten des Unternehmens, die 143 Prozent des Eigenkapitals betragen. Es gibt jedoch auch einige positive Punkte. Verizon hat in neun der zehn vergangenen Jahre einen Gewinn erzielt. Seine Aktie hat eine Dividende von 4,9 Prozent und ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von elf.

Hilb stimmt weiter hoffnungsvoll

Hilb, Rogal & Hamilton Co. ist die Muttergesellschaft einiger Versicherungsagenturen. Im August gehörte diese Aktie zu meinem „Sane Portfolio“ für 2003/2004. Das hat Hilb nicht davon abgehalten, am 10. Oktober ein 52-Wochentief von 27,16 Dollar zu erreichen. Seitdem ist der Kurs wieder auf 29 gestiegen. Ich glaube noch immer, das sich diese Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14 durchaus lohnt. Das Unternehmen hat in den vergangenen zehn Jahren immer einen Gewinn erwirtschaftet und hatte in neun dieser zehn Jahre einen Gewinnanstieg zu verzeichnen.

Andere Aktien, die vor kurzem auf die New-Lows-Liste gekommen sind, sind Biovail, Canadas größter börsennotierter Arzneimittelhersteller, O'Charley's, eine Kette mit einfachen Restaurants mit Sitz in Nashville (Tennessee), sowie Pinnacle Systems, ansässig in Mountain View in Kalifornien, ein Unternehmen, das Produkte zur Nachbearbeitung von Videos herstellt.

Weight Watchers hochverschuldet und teuer

Und schließlich zählt Weight Watchers International aus Westbury in New York, ein Anbieter von Programmen zur Gewichtskontrolle, zu den Verlieren der vergangenen Wochen. Ich habe zu den ersten drei aufgezählten Verlierer-Aktien keine Beurteilung abzugeben. Ich habe Weight-Watchers-Aktien für einige meiner Kunden aber leer verkauft, weil ich auf einen Kursrückgang spekuliere.

Die Verbindlichkeiten bei Weight Watchers belaufen sich auf 331 Prozent des Eigenkapitals und die Bewertungen der Aktie sind hoch. Sie hat ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 27, ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von 4,7 und ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von 27. Das Wachstum des Unternehmens ist ohne Frage bewundernswert. In den letzten drei Jahren ist der Gewinn um 44 Prozent gestiegen, der Umsatz um 30 Prozent. Analysten erwarten für Weight Watchers in den nächsten fünf Jahren ein jährliches Gewinnwachstum von 21 Prozent. Ich bezweifle das, zum Teil weil die Markteintrittsbarrieren mir nicht sehr hoch erscheinen. Einige Unternehmen konkurrieren bereits mit Weight Watchers und einige Kliniken und Fitneßclubs bieten ebenfalls Programme zur Gewichtsreduktion an.

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