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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Am Rande der Gamescom Computerspielaktien für Zocker

 ·  Die Hersteller von Computerspielen begeistern die Spieler bei der Messe Gamescom in Köln. An der Börse überwiegt dagegen die Skepsis.

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© REUTERS Hartgesottene Zocker sind von Spiele-Herstellern begeistert

Die Augen von Computerspielern richten sich momentan nach Köln. Dort findet die weltgrößte Computerspielemesse statt, die Gamescom. Viele Branchengrößen haben ihre Zelte aufgeschlagen, um Spieleneuheiten vorzustellen. Aber auch für Anleger kann sich ein Blick auf die Aktien der Unternehmen lohnen, zumindest, wenn man risikobereit ist. „Ein Spiel mit hohen Entwicklungskosten kann schnell das gesamte Ergebnis des Herstellers herunterziehen, wenn es sich nicht gut genug verkauft“ sagt Eric Handler, Analyst bei MKM Partners.

Andererseits könne es aber auch einen Überraschungshit geben. „Das kann deutliche Kursgewinne und Verluste zur Folge haben“, so ein anderer Analyst. Was die Anleger momentan aber vor allem interessiert, ist die Frage, wohin sich der Markt entwickelt.

Zugewinne im zweistelligen Prozentbereich erwartet

„Die Branche hat längst den Status als Nischenmarkt verloren“, sagt Niklas Wilke von Pricewaterhouse Coopers (PWC). Das zeigen auch Zahlen des Marktforschungsinstituts Gartner: 2011 setzten Computerspielehersteller etwa 74 Milliarden Dollar um. Zum Vergleich: An den Kinokassen wurde lediglich ein Umsatz von etwa 33 Milliarden Dollar verzeichnet. Auch für die nächsten Jahre werden bei den Computerspielen Zugewinne im zweistelligen Prozentbereich erwartet. Manche Spiele kosten allein in der Entwicklung über 300 Millionen Dollar und übertreffen damit längst die Produktionskosten von Filmen.

Dem entgegengesetzt gibt es einen anderen Trend, der den Spieleherstellern zu schaffen macht: Immer weniger Spieler wollen für anspruchsvolle Titel um die 50 Euro bezahlen. Dafür haben wenig aufwendige Gelegenheitsspiele Konjunktur, die man auf seinem Smartphone für nur einen Euro kaufen kann oder sogar kostenlos bezieht. „Damit sinken die Margen deutlich, und die Unternehmen müssen nach neuen Monetarisierungsmöglichkeiten Ausschau halten“, sagt Wilke.

Kaufempfehlung Activision

Am erfolgreichsten macht das momentan Activision Blizzard. Zwar hat die Aktie seit 2008 etwa 40 Prozent an Wert verloren, die Entwicklung zeigt aber wenigstens zaghaft nach oben. Aktuell notiert das Papier bei 11,50 Dollar. Im Portfolio von Activision Blizzard befinden sich Titel wie das Rollenspiel „Diablo 3“, das den erfolgreichsten Start eines Computerspiels hinlegte und von dem sich im zweiten Quartal mehr als zehn Millionen Kopien verkauften. Aber auch klassische Action-Spiele wie die der Call-of-Duty-Reihe. Im vergangenen Geschäftsquartal erwirtschaftete der Publisher einen Gewinn von 185 Millionen Dollar und verbuchte mehr als eine Milliarde Dollar Umsatz.

„Gerade wegen der hohen Rentabilität ist Activision eine Kaufempfehlung“, sagt Analyst Handler und sieht einen Zielkurs von 17 Dollar. Lange Zeit wurde ein Spiel nur einmal verkauft, und das Unternehmen verdiente so auch nur einmal. 2005 verschaffte Activision Blizzard mit World of Warcraft den Online-Rollenspielen einen Boom, noch immer spielen etwa 10 Millionen Menschen das Spiel Monat für Monat.

Abo-Spiele sind rentabler

Neben den Kosten für den Erwerb des Spiels von etwa 40 Euro müssen die Spieler auch eine monatliche Gebühr von etwa zehn Euro zahlen. „In einem Jahr verdient Activision Blizzard etwa 100 Dollar mehr an einem Abo-Spiel als an einem „Nicht-Abo-Spiel“, sagt Handler. Außerdem suche das Unternehmen nach neuen Erlösquellen. Bei „Diablo 3“ haben die Spieler die Möglichkeit, mit Echtgeld bessere Ausrüstung für ihren Charakter zu kaufen. Activision Blizzard verdient an jeder Transaktion etwa 15 Prozent.

„Dadurch diversifiziert das Unternehmen seine Einnahmequellen“, sagt Handler. 20 beim Finanzdienstleister Bloomberg registrierte Analysten empfehlen die Aktie zu kaufen, weitere 4, sie zumindest zu halten. Sie sehen einen 12-Monats-Zielkurs von etwa 15,50 Euro. Allerdings waren die Analysten in den letzten fünf Jahren schon immer zu optimistisch - der Zielkurs wurde nie erreicht.

Zu spät bei Online-Spielen

Dagegen hat Konkurrent Electronic Arts mit den sich ändernden Bedingungen zu kämpfen. Seit 2008 verlor das Papier knapp 90 Prozent an Wert, und allein seit November halbierte sich die Marktkapitalisierung. Aktuell steht die Aktie bei 12,80 Dollar. Das Unternehmen ist vor allem für seine Sportspiel-Serien bekannt, berühmtester Vertreter dürfte die „FIFA“-Reihe sein. „Zu lange verschlief man den Trend mit Online-Rollenspielen“, sagt Analyst Handler. Erst dieses Jahr sprang man mit „Star Wars: The Old Republic“ auf den Zug auf, mit 300 Millionen Dollar das teuerste jemals entwickelte Spiel. Doch es war ein Flop - nur etwa eine Million Menschen wollen den Titel aktuell spielen, wenig verglichen mit dem sieben Jahre alten Konkurrenten World of Warcraft mit 10 Millionen Spielern.

Man probiert nun, die Abo-Gebühren abzuschaffen und die Spieler durch Zusatzinhalte zum Zahlen zu bewegen. „Wohin sich der Aktienkurs entwickelt ist völlig unklar, daher empfehlen wir auch, die Aktie erstmal zu halten und abzuwarten“, so Handler, der einen Zielkurs von 13 Euro sieht. Der Misserfolg spiegelt sich auch in den Zahlen: Lediglich ein Umsatz von 491 Millionen Dollar wurde verzeichnet und ein Quartalsverlust von 130 Millionen Dollar. Von 26 Analysten empfehlen 12, die Aktie zu kaufen, 13, sie zu halten, und es gibt eine Empfehlung für einen Verkauf. Sie sehen einen 12-Monats-Zielkurs von 16,77 Dollar.

Facebook-Spiele als Einnahmequelle

Noch ganz ohne Bezahl-Onlinetitel - egal ob als Abo-Modell oder durch teure Zusatzinhalte - kommt der französische Hersteller Ubisoft aus. Er ist mit einem erwartenden Jahresumsatz von etwa 1,2 Milliarden Euro deutlich kleiner als seine Konkurrenten. Bei den Franzosen versucht man mehr auf die Spiele in sozialen Netzwerken zu setzen. „Unsere Facebook-Aktivitäten werden schwarze Zahlen schreiben“, zeigt sich Ives Guillemot, der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, überzeugt. Die Analysten sehen das Unternehmen auch kritisch: Von 15 Analysten raten neun, abzuwarten und die Aktie zu halten, und nur sechs, sie zu kaufen. Sie sehen einen 12-Monats-Zielkurs von 6,72 Euro bei einem Kurs von etwa 5,60 Euro.

Wo die Entwicklung hingeht, ist für Branchenexperte Wilke klar: „Jeder Mensch spielt gern. Und umso einfacher ein Spiel ist, umso besser. Also wird jenen Erfolg beschieden sein, die Spiele anbieten, die die Zielgruppe erwartet. “ Damit werden sich auch die Aktien der Unternehmen am besten entwickeln, die die Zielgruppe schnell vergrößern können.

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