14.02.2008 · Die Aktie der Solarworld hängt fest. Die Bilanz für 2007 war zwar gut, doch der Ausblick für 2008 bisher mager. Deshalb schaffte es die Aktie auch nicht, den Abwärtstrend der vergangenen Monate schnell wieder hinter sich zu lassen.
Ein Kursanstieg allein sagt noch nichts über den Zustand eines Unternehmens. Beispiel Solarworld: Die Aktien sind am Donnerstag nach besser als erwarteten Zahlen angesprungen. Doch vor 35 Euro verharrten sie zunächst.
Nicht ohne Grund, denn dies ist eine ganz wichtige Marke. Hier verläuft ein Widerstand und der kurzfristige Abwärtstrend. Für die weiteren Aussichten der Aktie wäre es wichtig, wenn der Kurs nachhaltig über dieses Niveau spränge. Doch das gelang nicht.
Magere Prognose für 2008
Der Grund: Der Ausblick des Gründers Frank Asbeck auf das laufende Jahr ist außerordentlich mager ausgefallen. Er will sich dafür noch ein wenig Zeit nehmen. Das ist verständlich, weil er dafür bekannt ist, eher zu unter- als zu übertreiben in seinen Vorhersagen. Doch es wirft gleichzeitig auch ein irritierendes Licht auf sein Unternehmen.
„Umsatz und Erlös werden 2008 voraussichtlich um rund 30 Prozent zulegen“, sagte Vorstandschef Frank Asbeck, aber nur in einem Interview mit der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. In seiner offiziellen Mitteilung war darüber kein Wort zu finden. Mit einer konkreteren Prognose hielt sich der Konzerngründer auch in dem Interview zurück. Dazu werde sich Solarworld zu einem späteren Zeitpunkt äußern.
Gute Zahlen für 2007
Das ist zu wenig, um der Aktie einen Schub nach oben zu geben. Denn 30 Prozent entspricht nur dem voraussichtlichen Wachstum des Marktes. Das ist eigentlich für einen der Branchenführer zu wenig.
Die Zahlen für das vergangene Jahr lassen Zweifel am Weg der Solarworld dagegen noch nicht zu. Die Umsätze seien viel besser als erwartet ausgefallen, sagte ein Analyst. Auch der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) habe ohne Sondereffekte die Analystenschätzungen übertroffen. Das Nettoergebnis habe die von ihm beobachteten Konsensschätzungen unterdessen genau getroffen.
Mit dem Zuwachs im vergangenen Jahr übertraf Solarworld die selbst gesteckten Ziele. Vorstandschef Asbeck hatte beim bereinigten operativen Gewinn ein Plus von mindestens 20 Prozent in Aussicht gestellt.
Sondereffekte verzerren das Zahlenwerk
Der Konzernumsatz legte jedoch tatsächlich gegenüber dem Vorjahr um mehr als 35 Prozent auf 699 (Vorjahr: 515) Millionen Euro zu. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) wuchs um 48 Prozent auf 175 (Vorjahr: 118) Millionen Euro. Dies reflektiere das Wachstum des Konzerns entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Der Jahresüberschuss erhöhte sich um 33 Prozent auf 97 (Vorjahr: 73) Millionen Euro.
Diese operativen Ergebnisse verstehen sich allerdings ohne Sondereffekte. Mit Sondereffekten erreichte der Konzern ein Ebit von 202 (Vorjahr: 181) Millionen Euro und einen Jahresüberschuss von 113 (Vorjahr: 131) Millionen Euro. Hintergrund: Das Unternehmen hatte im Jahr 2006 den Großteil der Solaraktivitäten von Shell übernommen und dabei hohe positive Sondererlöse erzielt, die in den Jahren 2006 und 2007 verbucht wurden. Bereinigt um diese Effekte erhöhte sich der operative Gewinn um 48 Prozent auf 175 Millionen Euro und der Überschuss um ein Drittel auf 97 Millionen Euro.
Commerzbank setzt als Kursziel 50 Euro
Der Zuwachs hängt mit der unverändert hohen Nachfrage nach Solarmodulen und -zellen zusammen, die vor allem vom Ausland getrieben wird. Von dem Gewinnsprung im vergangenen Jahr sollen auch die Aktionäre profitieren. Denkbar sei eine Anhebung gemäß der Geschäftsentwicklung, sagte Asbeck. Für das Jahr 2006 hatten die Aktionäre 20 Cent pro Anteil erhalten.
Commerzbank-Analyst Erkan Aycicek bestätigte die Titel unterdessen mit „Buy“ und einem Kursziel von 50 Euro. Er verwies auf Umsatz und Ebit. Beide Kennziffern hätten klar über seinen Schätzungen gelegen.
Die Solarbranche 2007
2007 war für die deutsche Photovoltaikbranche ein Jahr der Rekorde. Die Anzahl der vornehmlich auf deutschen Dächern montierten Solarstromanlagen vergrößerte sich nach Angaben des Bundesverbandes Solarwirtschaft um rund 130.000 auf insgesamt 430.000 Anlagen. Mit rund 1.100 Megawattpeak (MWp) zugebauter Solarstromleistung gingen im vergangenen Jahr so viele Solarstromanlagen in Deutschland ans Netz wie nie zuvor.
Davon profitierten heimische Hersteller, Zulieferer und Handwerker. Der Umsatz deutscher Photovoltaikhersteller stieg im letzten Jahr um 23 Prozent auf rund 5,5 Milliarden Euro. Deutsche Solarunternehmen haben 2007 10.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Die Gesamtbeschäftigtenzahl der Solarbranche stieg damit auf insgesamt 40.000.
Auch für 2008 rechnet der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) mit einem Marktwachstum im zweistelligen Prozentbereich. BSW-Solar Geschäftsführer Carsten Körnig ist zuversichtlich: „Die Wachstumsindikatoren stehen auf grün. Neue Produktionsstätten, Fortschritte bei der Massenfertigung und Produktinnovationen führen zu sinkenden Preisen bei weiter steigender Qualität. Bleiben auch die politischen Anreize zur Markteinführung verlässlich, werden wir unsere Technologieführerschaft weiter ausbauen und Deutschland zum stärksten Exporteur und Profiteur des weltweiten Solarbooms machen.“
Die Marktöffnung in weiten Teilen Südeuropas und Nordamerikas trug dazu bei, dass die Exportquote um rund vier Prozent auf 38 Prozent anwuchs. Carsten Körnig: „Langfristig strebt unsere Industrie einen Exportanteil von 70 Prozent an, wie er heute bei Windanlagen- und Maschinenbau üblich ist. Wir rechnen mit einem jährlichen globalen Marktwachstum von 20 bis 30 Prozent in den nächsten Jahren.“
Den Herstellerumsätzen standen 2007 Investitionsausgaben von 1,5 Milliarden Euro am Standort Deutschland gegenüber. Niemals zuvor brachten die Unternehmen mehr Geld für den Auf- und Ausbau der Produktion und für Forschung und Entwicklung auf. Fünfzehn neue Solarfabriken sind derzeit am Standort Deutschland in Bau oder Planung. Der Großteil davon sind Dünnschicht-Fabriken. Die junge Technologie auf der Basis von Silizium und anderen Halbleitermaterialien konnte bereits 2007 große Fortschritte verbuchen und wird auch 2008 ihre Kapazitäten weiter deutlich erweitern.
In Deutschland sind nach Angaben des BSW-Solar inzwischen Solarstromanlagen mit einer Gesamtleistung von rund 3,8 Gigawattpeak installiert. Die produzierte Strommenge von 3.000 Gigawattstunden reicht rechnerisch aus, um ganz Hamburg mit Haushaltstrom zu versorgen. Nach einem Zubau von jeweils 850 MWp in den Vorjahren 2005 und 2006 wurden 2007 rund 1.100 Gigawatt Photovoltaikleistung in Deutschland installiert.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.496,18 | +0,07% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.999,18 | +0,58% |
| EUR/USD | 1,3260 | +0,17% |
| Rohöl Brent Crude | 118,26 $ | +0,31% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,10 € | −0,38% |