Das Thema Biosprit ist an der Börse mehr oder weniger durch. Das lag vor allem an der heftigen Verschlechterung der Rahmenbedingungen für Biodiesel, die zu starken Überkapazitäten in der Branche geführt haben. Dann sorgte ein sinkender Ölpreis bei gleichzeitig steigenden Preisen für nachwachsende Rohstoffe dafür, dass Äthanol als Spritersatz plötzlich wieder weniger interessant erschien. Derzeit hat sich dieser zwar wieder deutlich erhöht, doch im Zuge der Kreditkrise sind Zukunftstechnologien derzeit weniger gefragt.
Diese Abläufe bekamen auch die Aktionäre von Crop Energies, der Biosprittochter des Südzucker-Konzerns, zu spüren.Mitte 2006 an der Börse gestartet, langte es nach volatilem Kursverlauf zwar Anfang 2007 noch für eine Allzeithoch von 8,44 Euro, doch dann begann die radikale Talfahrt, die die Notierung im Dezember unsanft bei einem Allzeittief von 3,76 Euro aufschlagen ließ.
Analysten üben sich in Pessimismus
Hintergrund ist, dass sich im Verlauf des Jahres zusehends zeigte, dass die die Geschäfte doch nicht so gut liefen, wie erhofft. Für das im Februar endende Geschäftsjahr 2006/2007 lieferte man im Mai noch recht gute Zahlen ab. Der Umsatz stieg um 142 Prozent auf 146,8 Millionen Euro, das operative Ergebnis verbesserte sich auf 21,0 Millionen Euro, nach einem Vorjahresverlust von 13,4 Millionen Euro.
Für das laufende Geschäftsjahr 2007/08 ging Crop Energies davon aus, Erzeugung und Absatz von Bioäthanol und dem Tierfutter Protigrain deutlich ausbauen und mithin Umsatz und operatives Ergebnis ebenso deutlich steigern zu können.
Doch schon im Sommer enttäuschte die Analysten der Geschäftsausblick und im Zuge der Vorlage der Halbjahreszahlen wurden die Schätzungen erneut drastisch reduziert. Die Citigroup senkte die Prognosen für den Gewinn je Aktie von 0,17 auf 0,14 Euro und die für 2008 von 0,32 auf 0,14 Euro. Zwar sei Crop Energies dank der guten Kostenstruktur eines der am besten positionierten Unternehmen im Bereich Biokraftstoffe sei, doch die weiterhin hohen Getreidepreise würden zumindest in den kommenden drei bis vier Quartalen ihren Tribut fordern und die Profitabilität belasten.
Sorge um Betriebsschließungen
Am Montag legte das Unternehmen nun Zahlen für das dritte Quartal vor. Große Überraschungen blieben dabei nach dem dafürhalten von Händlern aus. In den ersten neun Monaten stiegen Absatz, Umsatz und Ergebnis trotz höherer Getreidepreise weiter. Der Umsatz legte um 28 Prozent auf 125,7 Millionen Euro zu, das operative Ergebnis um 34 Prozent auf 17,4 Millionen Euro. Den Überschuss konnte Crop Energies um 160 Prozent auf 16,4 Millionen Euro steigern.
Die Preissteigerungen bei Getreide hätten in den ersten drei Quartalen weitgehend durch bereits abgeschlossene Getreidelieferverträge und die verstärkte Nutzung von Zuckersirupen kompensiert werden können, hieß es. Auch für den Rest des Geschäftsjahres seien die für die Bioäthanol-Produktion benötigten Getreidemengen bereits gesichert. Man erwarte deshalb ein positives Ergebnis im vierten Quartal und bestätigte die zum Halbjahr gesenkte Prognose für das Gesamtjahr, nach der das operative Ergebnis in etwa den Vorjahreswert von 21 Millionen Euro und der Umsatz mehr als 175 Millionen Euro erreichen soll.
Marktbeobachter hatten befürchtet, dass es sich für Crop Energies aufgrund des stark gestiegenen Weizenpreises nicht länger lohnen könnte, Äthanol zu produzieren. Analysten äußerten deshalb im Vorfeld der Quartalszahlen die Meinung, Crop Energies könnte eine zeitweilige Schließung ihrer Anlagen ankündigen. Dies blieb jedoch aus.
Im Spannungsfeld der Rohstoffpreise
Die Tatsache, dass das Schlimmste ausblieb, reichte indes nicht für größeren Kursauftrieb, ebenso wenig wie die Hochstufung durch Goldman Sachs von „Sell“ auf „Neutral“, auch wenn das Kursplus von rund zwei Prozent auf 4,13 Euro Hoffnungen weckt.
Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 7,5 für das kommende auf Basis der durchschnittlichen Analystenprognosen erscheint die Aktie derzeit recht preiswert. Andererseits trat Anfang des Jahres die nächste Stufe der Biokraftstoffbesteuerung in Kraft. Und wenn auch die Produktion Bioäthanol noch nicht unwirtschaftlich geworden zu sein scheint, erscheint Skepsis geboten, ob die vorausgesetzte Steigerung des Umsatzes um 40 und des Betriebsergebnisses um gar 140 Prozent möglich ist.
Charttechnisch hat die Erholung seit Mitte Dezember kaum etwas am Negativtrend geändert. Nachdem die vorgelegten Zahlen nur geringe Impulse geliefert haben, könnte ein solcher nur durch die Politik oder einen relativ stärkeren Anstieg des Ölpreises gegenüber dem Weizenpreis kommen. Beides ist momentan nicht in Sicht.
In einem positiven Börsenumfeld könnte indes eine kurzfristige Erholung bis zum Dezemberhoch bei 5,08 Euro möglich sein. Sollten sich die Preisrelationen von Weizen und Öl weiter verschlechtern, dürfte es allerdings zu neuerlichem Druck auf den Kurs kommen, da dann die Schließungsvermutungen erneut Nahrung erhalten dürften.