Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hat ihre Schwerpunktbereiche für die Hauptversammlungs-Saison 2002 vorgestellt. So wollen die Aktionärsschützer weiterhin die Management-Fehler einzelner Unternehmen auf den jeweiligen Hauptversammlungen anprangern. Besonderes Augenmerk legen sie dieses Jahr aber auf den Bereich „Corporate Governance“ und die neue Squeeze Out-Regel.
Ein wichtiger Aktionsbereich bleibt weiterhin „Opposition.“ Unter dieser Bezeichung versteht die DSW Kritik an solchen Unternehmen, die mit ihren Fehlern das Vermögen der Anleger dezimieren. Unter anderem wollen die Aktionärsschützer in diesem Jahr auf der Hauptversammlung von DaimlerChrysler gegen die Entlastung des Vorstandes stimmen. Dieser hätte mit einem verfehlten Sanierungsprogramm und einer völlig unzureichenden Informationspolitik in großem Stile Wert vernichtet und Anleger verunsichert.
Des weiteren wird in diesem Zusammenhang Bayer genannt, wo es in Zusammmenhang mit dem Lipobay-Skandal erhebliche Defizite in der Informationspolitik gegeben habe. Auch der Deutsche Telekom AG will die DSW auf der Hauptversammlung die Entlastung verweigern.
DSW pocht auf Einhaltung des Corporate Governance Kodex
Der neue Corporate Governance Kodex umfasst allgemeine Verhaltensregeln für Unternehmen und könnte ab 1. August auch gesetzlich verankert werden. Aus Sicht der DSW gebe es damit endlich eine einheitliche und verbindliche Richtlinie zur Unternehmensführung. Als wichtigster Punkt des Kodex wird die Unabhängigkeit der Vorstände, Aufsichtsräte und Wirtschaftsprüfer genannt. Der Kodex käme den Aktionären auch direkt zugute, da Investoren Unternehmen mit klarem Verhaltenskodex bevorzugten.
Deswegen wollen die Aktionärsschützer verstärkt darauf achten, ob und wann die Unternehmen die Richtlinien des Kodex umsetzen. Zudem verlangen sie aus Transparenzgründen die Offenlegung von Höhe und Zusammensetzung der Vorstandsvergütungen. Dadurch sollen mögliche Interessenkonflikte und Abhängigkeiten bei Vorstandsmitgliedern aufgedeckt werden. Auch die Unabhängigkeit der Wirtschaftsprüfer wird im Zuge des Enron-Skandals vermehrt auf den Prüfstand gestellt.
Squeeze Out-Regel kann Kleinanleger benachteiligen
Schließlich wollen die DSW-Sprecher noch die zu Jahresbeginn in Kraft getretene Squeeze Out-Regelung unter die Lupe nehmen. Hiernach kann ein Großaktionär die verbliebenen Kleinanleger auch gegen ihren Willen aus dem Unternehmen hinausbefördern. Für die so übernommenen Anteile muss der Großaktionär eine Barabfindung zahlen, deren Höhe sich aus dem Unternehmenswert und dem Aktienkurs bemisst. Laut DSW-Geschäftsführer Carsten Heise könnte der Squeeze Out dieses Jahr zu einer „Modeerscheinung“ werden. Als mögliche Schauplätze sieht er unter anderem die Dresdner Bank und die BHF-Bank.
Obwohl die neue Regelung rechtlich nicht zu beanstanden sei, sehe man sie als problematisch an. „Die Regelung hat ihre Berechtigung, wo Aktionäre einfach nicht mehr greifbar sind“, sagt Carsten Heise. „Häufig werden die freien Aktionäre aber durch das Squeeze Out zum Ausstieg auf der Basis niedriger Börsenniveaus gezwungen.“ Aus diesem Grund werde man jetzt verstärkt auf rechtswidrige Gestaltungen der Regelung achten und gegebenenfalls dagegen vorgehen.