Home
http://www.faz.net/-gv7-rwk0
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Aktienstrategie Vorsicht vor großen Namen auf dem Wühltisch!

03.07.2008 ·  Auf dem „Alles unter 10 Dollar“-Wühltisch finden sich auch einige Aktien weltbekannter Unternehmen. Sie scheinen zwar optische attraktiv zu sein, Experten raten jedoch vom Kauf ab, solange die Gewinnsituation der Unternehmen unklar ist.

Von Karyn McCormack
Artikel Bilder (10) Lesermeinungen (0)

Willkommen im dritten Quartal 2008 und zum großen Sommerschlussverkauf an der Wall Street. Während der breite Aktienmarkt immer weiter abrutscht, tummeln sich auf dem „Alles unter 10 Dollar“-Wühltisch die Aktien einiger allseits bekannter Markenunternehmen wie Ford und Motorola.

Doch damit nicht genug. Beim Wühlen kommen noch weitere Papiere großer Namen zum Vorschein, die aktuell unter einem Kursniveau von 10 Dollar notieren: Sprint Nextel, Washington Mutual, Del Monte Foods sowie Fluggesellschaften wie Northwest Airlines, UAL, Delta und JetBlue.

Und ein weiterer illustrer Name steht kurz davor, in die Liste der Aktien mit einstelligen Kursen aufgenommen zu werden: Der Autobauer General Motors, der am 30. Juni mit 10,57 Dollar ein 53-Jahres-Tief touchierte.

Der Makel niedriger Aktienkurse

Warum so viel Aufhebens um niedrige Aktienkurse? Zunächst haftet einer Aktie mit einem Kurs unter 10 Dollar ein gewisser Makel an, da man daran ablesen kann, dass ein Unternehmen vor großen Problemen steht. Zu dem gekränkten Stolz des Unternehmens gesellt sich jedoch ein weitaus schwerwiegenderes Problem: Einige institutionelle Investoren meiden Aktien, die unter 10 Dollar notieren, was eine Kurserholung dieser Papiere erschwert.

Die meisten dieser Aktien haben eines gemeinsam: Das Gewinnwachstum der dahinter stehenden Unternehmen ist mager oder gleich Null. „Der Marktpreis einer Aktie wird letztlich von der langfristigen Gewinnentwicklung getrieben - und genau hier muss man ansetzen“, sagt Jim Huguet, Vorsitzender des Vermögensverwalters Great Companies in Tampa. „Die Unternehmen sind dort, wo sie sind, weil es am Gewinnwachstum hapert oder die Gewinne gesunken sind, was in einigen Fällen auf ihr Geschäft oder ihr Management zurückzuführen ist.“

Eine schwache Konjunktur, Probleme in einer bestimmten Branche oder innerhalb des Unternehmen können sich mitunter als schwer überwindbare Belastung erweisen, weshalb Aktien lange Zeit auf einstelligem Kursniveau vor sich hindümpeln. So kämpfen beispielsweise Fluggesellschaften mit hohen Fixkosten für Flugzeuge und Personal sowie mit dem Druck steigender Treibstoffpreise, so Huguet. In diesem rohstoffabhängigen Geschäft besitzen nur wenige Unternehmen einen Vorteil, den sie in eine Steigerung ihrer Umsätze und Gewinne ummünzen können.

Investition in eine einzige Kundenstrategie

Einige Unternehmen wie Ford und Motorola können darüber hinaus zu stark in eine einzige Kundenstrategie investiert haben, wodurch sie außerstande sind, auf eine veränderte Kundennachfrage und einen Bedürfniswandel zu reagieren, sagt Graham Hales, Chief Communications Officer beim Markenberatungsunternehmen Interbrand. Ford konzentrierte sich auf spritdurstige Geländewagen und Pickups in Zeiten steigender Benzinpreise und Umweltbedenken sowie in einem Umfeld zahlreicher günstigerer Fahrzeugalternativen ausländischer Hersteller, so Hales. Motorola setzte fünf Jahre lang sehr stark auf sein RAZR-Handy.

„Motorola und Ford haben es versäumt, ihre größten Absatzmärkte in Nordamerika und Europa mit neuen Produkten zu bedienen, während ihnen ihre Wettbewerber mit neuartigen Produkten und besserem Markenmanagement erfolgreich Marktanteile abgenommen haben“, so Hales.

Im jüngsten internationalen Markenranking von Interbrand zählen Ford und Motorola mit einem Rückgang von 19 bzw. 9 Prozent ihres jeweiligen Markenwerts sogar zu den größten Verlierern. Hales zufolge wird darin ersichtlich, dass Markenwerte mit Aktienkursen gekoppelt sind. Beide Unternehmen müssen nun Mittel und Wege finden, wie sie sich selbst neu erfinden, um zu überleben, sagt Michael Farr, Vorsitzender und leitender Aktienstratege des Vermögensverwalters Farr, Miller & Washington in Washington, D.C.

Ein großes Markenunternehmen, das Anlass zur Hoffnung gibt, ist dagegen Sprint Nextel. In der vergangenen Woche stieg der Aktienkurs des Mobilfunkanbieters trotz starkem Verkaufsdruck an den Märkten um 13 Prozent. Am 30. Juni kletterte der Kurs des Papiers, das noch im März auf einem Tief von 5,48 Dollar notierte, um weitere sechs Prozent auf 9,50 Dollar.

Beispiel BlackBerry

Seit dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 konnten sich einige große Marken des Technologiesektors von ihrem Rückgang in den einstelligen Aktienkursbereich erholen und auf den Weg des Erfolgs zurückkehren. So befand sich etwa der Kurs der Apple-Aktie im Sommer 2003 unter 10 Dollar; aktuell wird das Papier mit 171 Dollar gehandelt. Zwischen 2001 und 2003 schwankte das Papier des BlackBerry-Herstellers Research in Motion (RIM) unterhalb von 10 Dollar auf und ab; der derzeitige Kurs beträgt 118 Dollar.

„BlackBerry ist ein perfektes Beispiel für eine Marke, die sich der Tatsache annahm, dass Mitarbeiter in der modernen Geschäftswelt immer stärker über verschiedene digitale Plattformen hinweg in ständiger Verbindung bleiben müssen“, so Hales von Interbrand. „Sie schufen das perfekte Gerät; einfach und effizient, sodass sich Führungskräfte des Produkts annahmen, wodurch wiederum dessen Prestige als öffentliches Statussymbol für einen breiteren Markt gestärkt wurde.“

Hales merkt an, dass die RIM-Aktie auf Basis der Gewinne im zurückliegenden Zwölfmonatszeitraum ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 50 aufweist. Nach seiner Überzeugung müsse RIM daher in Kapazitäten und Anlagevermögen zur Deckung der Kundenbedürfnisse investieren, um diesem Wachstumsniveau auch gerecht zu werden. „Die Herausforderung besteht darin, hierbei eine Situation zu verhindern, in der man zu stark in das aktuelle Paradigma investiert, wie es Motorola and Ford getan haben“, so Hales.

Geduld zahlt sich nicht unbedingt aus

Wenn es mit dem guten alten Gewinnwachstum nicht klappen möchte, wenden einige Unternehmen andere Methoden an, um nicht auf dem Wühltisch der Aktien mit einem Kursniveau unter 10 Dollar zu landen. So nahm der Computerkonzern Sun Microsystems im vergangenen November bei einem Kurs von rund fünf Dollar eine Aktienzusammenlegung im Verhältnis eins zu vier vor, vermutlich um seiner schwächelnden Aktie wieder auf die Beine zu helfen und die Aufmerksamkeit institutioneller Investoren auf sich zu ziehen. Mittlerweile flirtet die Sun-Aktie jedoch erneut mit der Marke von 10 Dollar.

Einige dieser Aktien sind tatsächlich so günstig, dass man als Anleger meinen könnte, ein Schnäppchen zu machen, indem man darauf spekuliert, dass sich die einstigen Überflieger letztlich wieder erholen. Huguet ist jedoch der Ansicht, dass Aktien von Unternehmen mit einem jährlichen Gewinnwachstum von weniger als acht bis neun Prozent hinter der Wertentwicklung sowohl des S&P-500 als auch von festverzinslichen Wertpapieren zurückbleiben werden. „Üben Sie sich nicht in Geduld, wenn die Gewinne nicht steigen“, so Huguet. „Diese Geduld zahlt sich für Sie nicht aus.“

Vermögensverwalter Farr bläst ins gleiche Horn: „Angesichts der aktuellen Wirtschaftslage ist der Markt bereits riskant genug, weshalb es wenig sinnvoll sein dürfte, nach diesen gefallenen Engeln zu greifen in der Hoffnung auf deren Rückkehr in lichte Höhen.“ Man sollte sich vor Augen halten, dass Aktien nicht grundlos einstellig notieren.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
25.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.339,94 +0,38%
 OK
25.05.2012
Name Kurs Prozent
DAX 6.339,94 +0,38%
FAZ-INDEX 1.377,69 −0,11%
TecDAX 752,47 +0,08%
MDAX 10.196,40 −0,34%
SDAX 4.817,28 +0,29%
REX 434,70 −0,15%
Eurostoxx 50 2.161,87 +0,25%
F.A.Z. EURO 69,61 +0,13%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
Nasdaq 100 2.527,05 −0,17%
S&P500 1.317,82 −0,22%
Nikkei225 8.580,39 +0,20%
EUR/USD 1,2515 −0,14%
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14%
Gold 1.569,50 $ +0,06%
Bund Future 144,35 € +0,25%