29.12.2008 · Der Ausblick auf das Jahr 2009 ist ungewisser als in vielen Perioden zuvor. Von der Deflation bis zur Geopolitik: Marktfaktoren, die den Anlegern im kommenden Jahr einen Geldsegen bescheren oder aber ihnen schlaflose Nächte bereiten könnten.
Von David BogoslawDa die amerikanische Regierung entschlossen ist, quasi alles aus ihrer Trickkiste hervorzuholen, was diese gegen die Rezession zu bieten hat, in der Hoffnung, die wirtschaftlichen Schmerzen so gering wie möglich zu halten, dürfte es nahezu unmöglich sein, ein einziges Strategieelement herauszugreifen, das den Aufschwung ins Rollen bringt.
Tatsächlich gibt es derzeit so viele bewegliche Teile in der Volkswirtschaft - obgleich die Öffentlichkeit wohl eher das Gefühl hat, dass Bernanke, Paulson & Co. auf der Stelle treten, statt den Wagen anzuschieben -, dass die Anleger in Versuchung geraten, sich mit erhobenen Händen ein nettes, ruhiges Plätzchen zu suchen, in dem sie sich verkriechen können, bis der Aufschwung kommt.
Man könnte jedoch einige Gelegenheiten verpassen, sein Portfolio zu schützen oder ein wenig Geld zu verdienen. Und dazu muss man die Ohren spitzen. BusinessWeek bat Ökonomen und Investmentstrategen, fünf Trends zu benennen, die es 2009 zu beobachten gilt und die Hinweise darauf bieten könnten, wie man sein Investmentportfolio ausrichten sollte.
Deflation versus Inflation
Die Deflation hat für die absehbare Zukunft eindeutig die Oberhand über die Inflation gewonnen, und die Entscheidung der amerikanischen Notenbank Federal Reserve vom 16. Dezember, den Tagesgeldsatz auf ein Rekordtief von Null bis 0,25 Prozent abzusenken, zeigt deutlich, dass die Bekämpfung der Deflation derzeit die höchste Priorität der Zentralbank ist.
Was jedoch nur selten erwähnt wird, sind die potenziellen Vorteile einer Deflation für die amerikanischen Verbraucher, angefangen bei einem Einbruch der Energiekosten und einem spürbaren Nachgeben der Zinssätze. Das könnte jenen Leuten schaden, die von Kapitalerträgen profitieren, doch wahrscheinlich bringt es eher eine Erleichterung für Menschen, die noch einen Arbeitsplatz haben und Unternehmen, die sich für eine Kreditaufnahme interessieren, oder diejenigen, die ihre bestehenden Hypotheken oder sonstige Schulden refinanzieren möchten, meint Dan Peirce, Portfoliomanager in der Global Asset Allocation Group bei State Street Global Advisors in Boston.
Dies lässt darauf schließen, dass es einigen der gebeutelten Sektoren an den Aktienmärkten, wie beispielsweise Einzelhändlern, Restaurants und Bekleidungsketten gelingen könnte, die Markterwartungen 2009 zu übertreffen, sagt er. Wenn man daran glaubt, verweist Peirce auf sektororientierte börsengehandelte Fonds oder offene Investmentfonds, die sich auf Verbrauchsgüter- oder gar dauerhafte Konsumgüteraktien konzentrieren. Nach Ansicht von Peirce sollten sich die Anleger nicht von all den Titelschlagzeilen über die Autohersteller abhalten lassen, die zwar der Gruppe der dauerhaften Konsumgüter angehören, aber heute einen viel kleineren Sektoranteil als früher einnehmen. Selbst einige der diversifizierteren Medienunternehmen mit Schwerpunkt in der Werbung und dem Rundfunkbetrieb können angesichts der Schläge, die sie einstecken mussten, eine gute Partie sein, fügt er hinzu.
Einige Strategen behaupten, dass der Anleihenmarkt, solange das Deflationsrisiko das Potenzial für eine ernsthafte Inflation überwiegt, mehr attraktive Erträge bietet als der Aktienmarkt. Die realen (inflationsbereinigten) Renditen 10- und 20-jähriger Inflationsgeschützter Anleihen oder TIPS lassen gegenüber den nominalen Renditen regulärer Staatsanleihen mit vergleichbarer Laufzeit darauf schließen, dass die Inflation über die kommenden 10 bis 20 Jahre außerordentlich niedrig sein wird, meint Peirce. Während der TIPS-Markt die für die nächsten zwei Jahre erwartete stark negative Inflation bereits in den Preis einkalkuliert hat, erklärt Peirce, dass seine Gruppe an deren Schwere zweifelt.
Obgleich die Inflation wohl frühestens 2010 wieder eine glaubhafte Bedrohung darstellen dürfte, wird sie zu einem viel früheren Zeitpunkt in der nächsten Expansion zum Problem werden als dies in den vergangenen drei Expansionen jeweils der Fall war, prophezeite Dan Laufenberg, Chefökonom bei Ameriprise Financial in Minneapolis, in einem am 19. Dezember veröffentlichten Bericht. Kehrt die Inflation früher als erwartet zurück, so sind auf steigende Rohstoff- oder Anlagenpreise ausgerichtete Aktien, einschließlich Energiewerte und Stahlproduzenten, der beste Tipp, meint Hank Herrmann, Chief Executive bei Waddell & Reed. Eine Reduktion des Portfolioanteils auf festverzinsliche Wertpapiere wäre ebenfalls eine gute Idee, da die Inflation die Renditen in die Höhe treiben und die Anleihenpreise drücken würde, sagt er.
Staatlicher Stimulus - wie sieht er konkret aus?
Ein weiterer Trend, den man im Auge behalten sollte, ist die Form, die das staatliche Stimuluspaket annehmen wird, und das Tempo, mit dem es seine Spuren in der Wirtschaft hinterlässt. Ein Stimulus in Höhe von einer Billion Dollar ist im Gespräch, doch am allerwichtigsten wird es sein, das Geld so einzusetzen, dass es den bestmöglichen Nutzen erbringt.
Die besten Ergebnisse erhält man aus „allem, was die Privatwirtschaft in die Lage versetzt, effizienter und produktiver zu sein“, glaubt Laufenberg bei Ameriprise. Das würde eine großangelegte Digitalisierung medizinischer Aufzeichnungen sowie Internetzugänge für Schulen und Bibliotheken beinhalten. Und wenn die Regierung Obama Arbeitsplätze erhalten möchte, sollte sie dies nicht mit der Rettung von in Schieflage geratenen Unternehmen versuchen, da ein Teil des Pakets künftig wohl einen Personalabbau und einen Wegfall von Arbeitsplätzen erfordern würde, erklärt er.
Investitionen in öffentliche Infrastrukturprojekte, die sich laut einigen Staaten bereits in der Planungsphase befinden, hätten schnellere Ergebnisse zur Folge als Steuersenkungen und dürften langfristig eher zu einer Erhöhung der Steuereinnahmen führen, als dies durch eine Senkung der Steuern möglich wäre, meint Laufenberg.
Andere, wie Herrmann von Waddell & Reed, behaupten, dass Steuersenkungen die Wirtschaft schneller ankurbeln, sofern sie dauerhafter und nicht vorübergehender Natur sind. Seiner Ansicht nach werden zunächt die Lohnsteuern gesenkt und folglich steigen die Verbraucherausgaben, wovon Discount-Einzelhändler wie Wal-Mart stärker profitieren als die teureren Anbieter. Eine Senkung der Unternehmenssteuer, die die Abschreibungen auf Sachanlagen beschleunigt, könnte die Investitionen in Technologie und Industriemaschinen vorantreiben, sagt er.
Wenn das Stimuluspaket der Wirtschaft hilft, sich schneller zu erholen als die Leute gegenwärtig glauben, würde dies zu einer Erholung der Energiepreise und -aktien führen, was dafür spricht, verstärkt auf Energie- und Rohstoff-Investmentfonds zu setzen, sagt Herrmann.
Laufenberg zufolge hängt ein nachhaltiger Aufschwung nicht nur von einem staatlichen Stimulus ab, sondern auch von einer Anpassung der Preise. Niedrigere Zinssätze und engere Kreditspreads sind Teil dieses Prozesses. Obgleich der Markt einen Aufschwung generell rund sechs Monate vorhersieht, wird die Wirtschaft weiterhin einer starken Volatilität unterworfen sein, zumal uns noch ein deutlicher Rückgang des Bruttoinlandsprodukts im vierten Quartal und ein Anstieg der Arbeitslosigkeit bevorstehen, gibt er zu bedenken.
Es wird auf lange Sicht reichlich Gelegenheit geben, mit den Sektoren zu spielen, doch in der Zwischenzeit empfiehlt Laufenberg einen Indexfonds, der den breiteren Markt verfolgt, wie ihn der Aktienindex S&P 500 abbildet. „Ich weiß nicht, ob Sie in der nächsten Woche oder im nächsten Monat mit diesem Handel Geld verdienen können, doch ich kann Ihnen sagen, dass sie in den nächsten zwei bis drei Jahren mit diesem Handel Geld verdienen können“, meint er.
Anhaltende Flucht in die Sicherheit
Der innere Konflikt der Anleger, deren Köpfe ihnen sagen, dass es an der Zeit ist, von den niedrigen Bewertungen zu profitieren und mit dem Aktienkauf zu beginnen, doch die sich gefühlsmäßig gegen jede Art von Risiko stemmen, wird 2009 wahrscheinlich weiterhin bestehen, glaubt John Marshall, Mitgründungspartner der Resource Group, einem Vermögensverwalter in Glendale, Kalifornien.
Für diese Anleger könnten Rentenpapiere die beste Möglichkeit bieten, die vor uns liegenden volatilen Zeiten zu überstehen, sagt er. Renten erlauben es, in Unterkonten im Rahmen eines breiten Spektrums offener Investmentfonds Risiken einzugehen, während das Grundkapital gegen eine Gebühr durch eine Versicherungsgesellschaft garantiert ist. „Ich vergleiche das mit einem Auto, bei dem man für den Einbau von Sicherheitsextras einen kleinen Aufschlag zahlen muss“, meint Marshall. „Rentenpapiere sind so etwas wie Airbags in Ihrem Portfolio. Selbst wenn Sie einen Unfall mit Blechschaden haben, brauchen Sie den Airbag vermutlich nicht, doch seine Kosten können sich durchaus lohnen, falls es später zu einer größeren Kollision kommt.“
Man könnte behaupten, dass dies der schlechteste Zeitpunkt ist, in Renten zu investieren, da der Markt seine Talfahrt bereits größtenteils durchschritten hat. Wenn Sie jedoch ein Kleinanleger sind, der gelähmt durch den Zwiespalt seiner logischen und emotionalen Neigungen am Spielfeldrand sitzt, kann eine Rente gegen eine Zusatzgebühr für Seelenfrieden sorgen, ohne dass Sie höhere Erträge aus risikoreicheren Wetten opfern müssen, meint er.
Vielen Versicherungsunternehmen, die diese Strukturen anbieten, wird zunehmend bewusst, dass sie angesichts der Verluste, die sie im gegenwärtigen Marktumfeld einfahren, höhere Preise verlangen sollten. Marshall bezweifelt, dass die Versicherungsunternehmen Rentenpapiere so unerschwinglich machen werden, dass die Nachfrage nach ihnen schwindet, doch sie können einige der riskanteren Investmentfonds-Optionen eliminieren und von den Anlegern verlangen, in ausgeglichene Portfolios zu investieren, fügt er hinzu.
Schwellenmärkte - manche stehen solide da
Die meisten Volkswirtschaftler gehen davon aus, dass die Rezession für die Vereinigten Staaten weniger schlimm sein wird als für die meisten anderen Industieländer, insbesondere jene in Europa. Die stark rückläufigen Bewertungen von Anlagen in den Schwellenmärkten im Jahre 2008 hat viele Investoren abgeschreckt, doch Peirce von State Street betrachtet den Rückgang eher als Korrektur der überdimensionalen Gewinne, die 2007 erzielt wurden. „In Wirklichkeit haben sie gegenüber früheren Episoden gar nicht so schlecht abgeschnitten. Es zeigt sich, dass sie eine lange Entwicklung durchlaufen haben. Sie haben es gelernt, effektiver mit ihren Finanzen umzugehen“, erklärt er.
Die entwickelten internationalen Märkte stehen möglicherweise grundlegenden Herausforderungen gegenüber, die beängstigender sind als jene, die den Schwellenmärkten in den kommenden Jahren bevorstehen, warnt er. Nicht nur das Bevölkerungswachstum und die steigende Verbrauchernachfrage in den Schwellenmärkten gilt es zu beobachten. Viele dieser Volkswirtschaften haben darüber hinaus den Vorteil, dass sie viel weniger verschuldet sind als die meisten Industrieländer, meint Peirce.
China ist nach wie vor sehr exportorientiert. Mithilfe der gewaltigen steuerlichen und finanziellen Stimulusprogramme, die das Land angekündigt hat, dürfte seine Volkswirtschaft auch künftig in der Lage sein, in einem angemessenen Tempo zu wachsen. Der Übergang Chinas von einer auf Ersparnissen beruhenden zu einer konsumorientierteren Kultur ist ein langer Weg, doch der Prozess ist im Gange, meint er. Was den übrigen asiatischen Raum anbelangt, verhinderte die einschneidende Finanzkrise, die diese Länder vor einem Jahrzehnt erlebten, „dass sie sich den gleichen Exzessen hingaben, mit denen wir in den vergangenen zehn Jahren unsere Zeit verbrachten“, sagt er. Für die breiteste Ausrichtung sind ETFs, die den MSCI Emerging Markets Index verfolgen, erwägenswert.
Geopolitische Risiken
Man würde sich wünschen, dass eine globale Rezession von enormem Ausmaß das einzige Problem des kommenden Jahres wäre, doch leider schwelen nach wie vor einige geopolitische Risiken. Von den Spannungen zwischen Pakistan und Indien bis zu einer sich abzeichnenden atomaren Bedrohung durch den Iran und weiteren Gefahrenherden - der künftigen Regierung Obama wird nicht viel Spielraum für Fehler verbleiben, warnt Bob Andres, President von Andres Capital Management in der Nähe von Philadelphia.
Die Erwartungen, dass es dem designierten Präsidenten Barack Obama gelingen wird, die amerikanische Wirtschaft aus ihrer gegenwärtigen finanziellen Schieflage zu befreien, sind so hoch gesteckt, dass, falls ihm dies nicht gelingt, sein internationaler Einfluss bei der Erarbeitung geopolitischer Lösungen geschmälert wird, sagt Andres. Er zitiert die jüngste Aussage des designierten Vizepräsidenten Joe Biden, dass der neue Präsident sicherlich an der diplomatischen Front geprüft werde.
Alles, was Obamas Fähigkeit im Umgang mit ausländischen Bedrohungen beeinträchtigt, wird das Vertrauen mindern und hätte negative Auswirkungen auf den Aktienmarkt, warnt Andres. Es scheint, dass die Anleger im Jahre 2009 den internationalen Teil der Zeitung ebenso sorgfältig lesen müssen wie den Wirtschaftsteil.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.999,18 | +0,58% |
| EUR/USD | 1,3258 | +0,15% |
| Rohöl Brent Crude | 118,34 $ | +0,37% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 137,97 € | −0,47% |