21.01.2003 · Dem deutschen Aktienmarkt steht eine weitere Abwärtswelle bevor. Da ist sich Christian Plenz als Charttechniker bei Equinet ganz sicher.
Dem deutschen Aktienmarkt droht schon in Kürze eine neue Abwärtswelle. Davon ist Christian Plenz fest überzeugt. Und Anleger tun gut daran, dem Leiter der technischen Analyse bei der auf mittlere und kleinere Nebenwerte spezialisierten Investmentbank Equinet, zuzuhören.
Denn beim Blick zurück auf seine Vorjahresprognosen zeigt sich schnell, dass Plenz treffsichere Prognosen abzugeben versteht. Damals hatte er am Jahresanfang bis in den Herbst hinein fallende Kurse vorhergesagt ( ). Eine Chance auf eine Kursstabilisierung sah er erst bei Dax-Notierungen unter 2.700 Punkten (). Wie wir wissen, ist es dann bei einem kurzen Kurstaucher bis auf 2.500 Punkte auch so gekommen.
2003 wird insgesamt ein schwieriges Börsenjahr
Wäre alles gut verlaufen, hätte der Dax ausgehend von diesem Niveau den Bärenmarkt hinter sich lassen können. Doch diese Hoffnung hat sich, wie Plenz eingesteht, leider nicht erfüllt. In den danach folgenden Kursgewinnen sieht er rückblickend nur eine starke technische Gegenreaktion. Doch diese sei in der ersten Januarhälfte abgeschlossen worden.
Nun würden die Karten bald neu gemischt und da dürften etliche Marktteilnehmer vermutlich auf dem falschen Fuß erwischt werden. „Der Bärenmarkt ist intakt und wird so schnell auch nicht beendet. Wir haben jetzt eine neue starke Abwärtsbewegung begonnen, die sich über das ganze Jahr hinwegziehen wird“, lautet seine These.
Viele kritische Faktoren
Was ihn grundsätzlich skeptisch stimmt, ist der ausgebliebene nachhaltige Ausverkauf und die angesichts der Lage noch immer viel zu gute Stimmung unter den Anlegern. „Am Ende eines Bärenmarktes ist auch die Stimmung im Keller. Das haben wir leider bisher nicht gesehen“, konstatiert Plenz. Hinzu komme die Tatsache, dass die Fonds während der Erholungsbewegung Liquidität ab- und nicht aufgebaut hätten. Auch sei es im Zuge der Erholungsbewegung nicht gelungen, mittelfristig signifikante Widerstände, wie die Marke von 3.600 Punkten, zu überwinden.
Unter fundamentalen Überlegungen wiesen viele Unternehmen zudem speziell in den USA inzwischen wieder Bewertungen auf, die nicht zu dem von Plenz erwarteten geringen Wirtschaftswachstum passten. Die Gewinnschätzungen für die Dax-Unternehmen seien ähnlich wie schon im Vorjahr weitaus zu hoch. Sollte der Markt jetzt fair bewertet sein, müssten bei entsprechenden Korrekturen der Gewinnschätzungen im Jahresverlauf auch die Kurse sinken.
Neue Abwärtswelle steht kurz bevor
Die im Vergleich zu US-Aktien günstigere Bewertung deutscher Aktien werde die Kursverluste nicht verhindern. Vielmehr sei es so, dass der Dax zuletzt noch viel stärker gefallen sei als der US-Markt. Dabei werde es bleiben, so Plenz: „Wenn der S&P 500 Index wie von mir erwartet bis auf das Oktobertief von 780 Zählern fällt, dann wird der Dax mindestens bis auf das Vorjahrestief von 2.500 Punkten sinken. Und mit dieser Prognose bin ich vermutlich noch zu optimistisch. Damit muss man mindestens rechnen.“
Zum Zeithorizont seiner Prognose führt Plenz aus, dass es beginnend zum Ende dieser Woche bereits in den kommenden Wochen einen stärkeren Rückschlag geben werde. Im Frühjahr könne es zu einer kleinen Erholung kommen, im Herbst dann zu erneuten kleineren Rückschläge und gegen Jahresende wieder zu einer leichten Erholung. Das ernüchternde Fazit von Plenz daraus lautet: „Die Jahreshöchstkurse haben wir in der zweiten Januarwoche vermutlich bereits gesehen.“ Eine Notwendigkeit zur Überprüfung seiner Vorhersage sieht der Equinet-Charttechniker derzeit erst bei einem Dax, der die Hürde von 3.100 Punkten überspringt, doch das sei derzeit nicht in Sicht.
Banken und Versicherungen dürften leiden
Den hauseigenen Kunden, zu denen hauptsächlich Aktienfonds vieler der großen Investmentbanken gehören, rät Plenz vor diesem düsteren Hintergrund, entweder sich mit Shortpositionen im Markt zu bewegen oder zumindest auf die potenziellen“Outperformer“ zu setzen. Eine überdurchschnittliche Wertentwicklung gemessen am Dax traut er Titeln wie Thyssen, MAN oder dem Pharmasektor zu.
Schlecht sei es dagegen um die Banken und Versicherungen bestellt. Die Aktien aus diesen Branchen dürften unter neuen Terroranschlägen im Zuge eines Irak-Kriegs leiden sowie über ihre Beteiligungen auch unter den allgemein fallenden Aktienkursen. Die Technologiebranche dürfte auch nicht besonders gut wegkommen. Anders als Siemens könnte aber die Deutsche Telekom dabei ganz gut abschneiden. Im Autosektor sieht vor allem der Chart von DaimlerChrysler katastrophal aus.
Aus der Analyse dieser Einzelaktien sieht sich Plenz in seiner skeptischen Grundhaltung bestärkt, wenn er abschließend zusammenfasst: „Wir befinden uns nach wie vor in einem klassischen Bärenmarkt. Viele haben das noch nicht kapiert. Sobald sie es verstehen, äußert sich das in der Regel in stark fallenden Kursen.“
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |