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Aktienmarkt Zypern jagt Anlegern nur kurzen Schrecken ein

 ·  Dass sich andere Märkte von Zypern anstecken lassen, wird befürchtet. Doch es muss nicht so kommen. Am Montag beruhigen sich die Anleger schnell.

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© mauritius images Vergrößern Zypern erschreckt Anleger nicht

Die Zwangsenteignung zyprischer Sparer hat viele europäische Bankvolkswirte aufschreien lassen. Ihre Studien waren am Montag überschrieben mit „Tabubruch“, „Spielt der Euroraum mit dem Feuer?“ oder „Big Swinging Day“. Die Volkswirte befürchten einen Vertrauensverlust von Großanlegern in den Euroraum. Das Verhalten der Anleger, die in der vergangenen Woche den deutschen Aktienmarkt noch mit „Risikofreude“ fast auf Rekord getrieben haben, drehte denn auch am Montag auf „risk off“ („Risikoscheu“). Doch die ohnehin moderaten Kursausschläge am Devisen-, Anleihe- und Aktienmarkt gingen im Tagesverlauf zurück. Der Deutsche Aktienindex Dax startete mit einem Minus von 1,7 Prozent und 7906 Punkten in den Montag - zum Handelsschluss betrug sein Abschlag aber bei 8010 Punkten nur noch 0,4 Prozent.

Gleichwohl ist die Sorge groß, dass die umstrittene Rettung Zyperns auch in anderen angeschlagenen Euroländern wie Spanien, Italien und Portugal einen Teufelskreis in Gang setzt: Die Sparer könnten Geld aus den Banken abziehen und Bankenrettungen auf Kosten der Staaten nötig erscheinen lassen. Bei Aktien südeuropäischer Banken wie Frankreichs Société Générale und Italiens Unicredit war denn auch am Montag die Kursreaktion am deutlichsten. Anfangs verloren die Kurse mehr als 6 Prozent, bis Handelsende ging das Minus auf weniger als 4 Prozent zurück. Auch die Kurse der russischen Banken VTB und Sberbank, deren Kunden in Zypern viel Geld zu verlieren haben, gaben derart deutlich nach.

Kein Rückzug aus Euroraum

Doch tatsächlich könnte die „Ansteckungsgefahr“ außerhalb Zyperns eher gering sein. Denn belastet werden 70 Milliarden Euro nicht handelbarer Spareinlagen in Zypern, nicht aber die 1,6 Milliarden Euro, die in erstrangigen zyprischen Bankanleihen stecken. „Bisher ist am Markt noch kein eindeutiges Umschalten auf „risk off“ zu verzeichnen“, berichtet Volker Hastrich, Leiter Renten International der Fondsgesellschaft Deka. Die Handelsumsätze seien nach den Zypern-Beschlüssen vom Wochenende eher verhalten. „Wir können uns aber vorstellen, dass Risikomärkte in nächster Zeit tendenziell noch unter Druck stehen werden, wobei die Bewegung vermutlich mehr in Wellenform verlaufen dürfte“, sagte Hastrich.

Aus der Investmentbank Goldman Sachs ist zu hören, amerikanische Anleger zögen sich derzeit nicht aus ihren Anlagen im Euroraum zurück, die sie seit Sommer 2012 „wegen Nachholbedarfs“ aufgebaut hätten. Auch Mislav Matejka, der europäische Aktienstratege der amerikanischen Bank JP Morgan, beruhigte seine Kunden. Als Zeichen höherer Wettbewerbsfähigkeit hätten sich die Leistungsbilanzen Italiens und Spaniens nicht nur durch eine Verringerung der Importe, sondern auch durch eine Steigerung der Exporte erheblich verbessert. „Wir denken, die Euro-Peripherie hat im vergangenen Jahr die Kurve gekriegt“, sagt Matejka. Europäische Bankaktien sollten sich in diesem Jahr überdurchschnittlich entwickeln. „Dabei bleiben wir“, sagte Matejka am Montag und rechnet in den kommenden Tagen mit guten Kaufgelegenheiten.

Oliver Eichmann, der für die Fondsgesellschaft DWS im Euroraum anlegende Anleihefonds leitet, will der Marktberuhigung erst trauen, wenn das zyprische Parlament das Rettungspaket tatsächlich verabschiedet hat und die Sparer in Spanien nach dem Feiertag am Montag im Wochenverlauf besonnen reagieren. „Je länger die Verabschiedung durch das Parlament dauert und je länger die Banken in Zypern geschlossen bleiben desto nervöser könnten die Märkte noch werden“, sagt Eichmann.

Auf dem Devisenmarkt verlor der Euro am Montag gegenüber fast allen wichtigen Währungen an Wert, aber nicht einmal die „größte Krisenwährung“ Gold konnte seit fünf Tagen mehr als 2,2 Prozent zum Euro zulegen. Gleichwohl kostete eine Unze (31,1 Gramm) Feingold am Montag erstmals seit Ende Februar wieder mehr als 1600 Dollar. Der Schweizer Franken dagegen näherte sich mit Kursen von 1,22 Franken je Euro nicht nennenswert der Schwelle von 1,20, die von der Schweizer Notenbank mit Euro-Stützungskäufen verteidigt wird. Spürbar ist aber, dass am Anleihemarkt die Renditen zwischen den als gut und den als unsicher geltenden Schuldnern im Euroraum wieder stärker auseinander klaffen. Bundesanleihen mit zwei Jahren Laufzeit waren derart gesucht, dass Anleger Prämien in Form negativer Zinsen zahlten. Auch Frankreich, das von Kritikern eher zum bonitätsschwachen „Club Mediterranée“ gerechnet wird, konnte sich am Montag über einen Renditerückgang freuen.

Dagegen zeigten spanische, italienische und portugiesische Anleihen den zu erwartenden Renditeanstieg. Italienische und spanische Renditen für in zwei Jahren fällige Staatsanleihen stiegen leicht auf etwa 1,7 und 2,3 Prozent, sind damit aber von ihren Renditehochs noch weit entfernt. Das Bankhaus Metzler empfiehlt seinen Kunden, spanische und italienische Staatsanleihen zu verkaufen und stattdessen Bundesanleihen mit dreißig Jahren Laufzeit zu kaufen. Sie garantierten mit einer Rendite von derzeit 2,3 Prozent bei einer gegenwärtigen Inflationsrate von 1,5 Prozent wenigstens den Erhalt der Kaufkraft.

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