Home
http://www.faz.net/-gv7-6kn2e
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Aktienmarkt Strategen strotzen vor Zuversicht

10.09.2010 ·  Die Analysten wichtiger Banken wie JP Morgan und Goldman Sachs warnen davor, einen Aktienkursanstieg zu verpassen. Viele Sorgen im Markt seien übertrieben und verzerrten das Bild.

Von Bettina Schulz, London
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (3)

Die zermürbende Seitwärtsbewegung, mit der die globalen Aktienmärkte an die rasante Rally des vergangenen Jahres anschließen, könnte bald in einen neuen Kursanstieg münden. Analysten mehrerer großer Banken wie etwa JP Morgan und Goldman Sachs sehen die Märkte jedenfalls ausgesprochen positiv.

Sie lassen sich wenig von den häufig geäußerten Sorgen um Inflation, Deflation oder eine abermalige Rezession erschüttern. Nach einer Finanzkrise und schweren Rezession, argumentieren sie, sei es durchaus normal, dass die Dynamik des zunächst hohen Wirtschaftswachstums wieder etwas nachlasse und die Märkte eine Zeit nervös reagierten, bis sich nachweisen ließe, dass die Erholung nachhaltig gegriffen hat.

Extrem hohe Gewinne sollen weiter steigen

Mehrere Indikatoren deuten im Vergleich mit früheren Rezessionen darauf hin, dass es um die Finanzmärkte nicht so schlecht bestellt ist, wie gemeinhin angenommen. Die Marktbeobachter von JP Morgan halten sogar einen Aktienkursanstieg auf breiter Front in Höhe von 25 Prozent für möglich. Die Unternehmensgewinne seien gerade extrem hoch und die gemeldeten Quartalsergebnisse gut.

Üblicherweise dauere es mindestens anderthalb Jahre, bis nach solchen Gewinnen eine abermalige Rezession einsetzt. Der für Europa zuständige Anlagestratege von Goldman Sachs, Peter Oppenheimer, erwartet, dass die Margen der europäischen Unternehmen wenigstens noch im kommenden Jahr weiter steigen werden.

Hätten die Anleger Aktien gekauft, wären die Kurse höher

Auch die deutlich gestiegenen Anleihemärkte, die oft als Warnung vor einer weiteren Krise gedeutet werden, widersprächen einem optimistischen Szenario nicht. Die Analysten von JP Morgan betonen, dass massive Zuflüsse an den Anleihemarkt das Bild verzerren. Wenn auch nur die Hälfte des Vermögens, das an den Anleihemärkten investiert wurde, an die Aktienmärkte geflossen wäre, gäbe es dort ein viel höheres Kursniveau.

Oppenheimer von Goldman Sachs betont, dass die zehn größten Versicherer, die zusammen 2,3 Billionen Dollar anlegen müssen, momentan nur die Hälfte der Mittel an den Aktienmärkten angelegt haben, die sie in den vergangenen zehn Jahren durchschnittlich dort investierten.

Diesmal ist es anders

Normalerweise signalisieren die Kreditmärkte einen bevorstehenden Abschwung, bevor die Aktienmärkte nachgeben. Dies war sowohl im Jahr 2000 als auch im Jahr 2007 so. Jetzt sei das nicht so, im Gegenteil: Die Kreditmärkte haben sich erholt, die Renditen an den Märkten für Unternehmensanleihen sind niedrig und Emissionen extrem stark.

Außerdem stütze die gestiegene Zahl von Unternehmensübernahmen die Aktienkurse und damit die Börsenbewertungen vieler notierter Unternehmen. Und auch die Gefahr einer extremen Inflation oder Deflation - beides wäre schlecht für die Aktienmärkte - bestehe nicht.

Vielmehr ist nach Ansicht von JP Morgan eine Phase niedriger und stabiler Inflationsraten zu erwarten, was positiv für Aktien sei. Wer Deflation erwarte, müsse Anleihen kaufen, europäische Aktien untergewichten, den britischen Aktienmarkt bevorzugen, in Unternehmen investieren, die viel Dividende bezahlen, und in Schwellenländern anlegen. „Das ist mit Ausnahme der Schwellenländer genau das Gegenteil dessen, was wir tun“, heißt es von JP Morgan.

Arbeitslosigkeit in Amerika ist kein großes Problem

Die Analysten der amerikanischen Bank betonen, dass auch die Notenbanken in den Vereinigten Staaten, Großbritannien, China und Japan eher einen expansiveren geldpolitischen Kurs wählten und dass Aktien - gemessen an Kennzahlen wie dem Kurs-Gewinn-Verhältnis - momentan im Schnitt zwischen 20 und 30 Prozent günstiger seien als im Vergleich mit vergangenen Werten.

Die Analysten der Deutschen Bank weisen darauf hin, dass auch die für Trübsal sorgenden Nachrichten vom amerikanischen Arbeitsmarkt deutlich besser seien als mit bloßem Blick auf die Statistiken ersichtlich: Schaue man auf die Steuereinnahmen, dann zeige sich dasselbe Bild wie nach vergangenen Rezessionen. „Die Gefahr einer Doppelrezession ist gering. Die Situation der Verbraucher ist besser, als man allgemein annimmt. Die Verbrauchernachfrage wird daher in den kommenden Monaten besser ausfallen“, heißt es von der Deutschen Bank.

„Wenn aber alle Welt erst von der Situation am Arbeitsmarkt überzeugt ist, werden die Kurse an den Aktienmärkten deutlich gestiegen sein“, warnen die Analysten von JP Morgan: „Soll man darauf setzen? Wir denken: Ja.“ Im Falle einer abermaligen Rezession können die Aktienkurse ihrer Ansicht nach möglicherweise um 15 Prozent fallen - wenn sich aber die Konjunktur nachhaltig erhole, könnten sie um bis zu 25 Prozent zulegen.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Wirtschaftskorrespondentin in London.

Jüngste Beiträge

01.06.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.050,29 −3,42%
 OK
01.06.2012
Name Kurs Prozent
DAX 6.050,29 −3,42%
FAZ-INDEX 1.319,85 −3,26%
TecDAX 730,90 −2,68%
MDAX 9.870,46 −2,73%
SDAX 4.717,40 −2,20%
REX 439,15 +0,37%
Eurostoxx 50 2.068,66 −2,37%
F.A.Z. EURO 67,11 −2,09%
Dow Jones 12.118,60 −2,22%
Nasdaq 100 2.458,83 −2,62%
S&P500 1.278,04 −2,46%
Nikkei225 8.440,25 −1,20%
EUR/USD 1,2433 +0,58%
Rohöl Brent Crude 98,82 $ −2,76%
Gold 1.606,00 $ +3,08%
Bund Future 146,44 € +0,36%