Stahlwerte erleben an den Börsen Auftrieb: Der Aktienkurs von ThyssenKrupp stieg am Mittwoch um mehr als 4 Prozent. Salzgitter gewannen 4,5 Prozent. ArcelorMittal stiegen um knapp vier Prozent. Auch BHP Billiton, der weltweit größte Minenkonzern, waren gefragt: die Titel gewannen sechs Prozent.
Hintergrund ist, dass der Minenkonzern BHP Billiton bestimmten großen Stahlkonzernen den Rohstoff Kohle künftig wesentlich günstiger verkauft. Ein Börsenhändler kommentierte: „Die haben einer 58-prozentigen Preissenkung zugestimmt, so eine Meldung stimuliert.“ Den Kursanstieg der BHP-Billiton-Aktie erklärten sich Börsianer auch damit, dass einige Analysten noch stärkere Rabatte befürchtet hatten.
Positive Branchen-Studie
Nicht nur die Preisenkung für Kohle war entscheidend für den Kusanstieg der Stahlwerte. Außerdem hatte ein Kursplus bei den Aktien der amerikanischen Anbieter United States Steel sowie AK Steel der Branche Auftrieb gegeben. Dies war darauf zurückzuführen, dass die Bank Morgan Stanley eine positive Studie zu Stahlwerten veröffentlicht hatte. Die Produktion werde steigen, die Nachfrage ziehe an, hieß es. So hatten die Morgan-Stanley-Analysten das Kursziel bezüglich des Wertes U.S. Steel auf 45 Dollar erhöht. Ebenfalls positiv sehen sie den Wert AK Steel.
Dabei waren die Werte der Stahlunternehmen in den vergangenen Monaten stark unter Druck geraten. Seit dem vergangenen Jahr leiden diese Unternehmen unter der Finanzkrise sowie dem starken wirtschaftlichen Rückgang rund um den Globus. Die Nachfrage nach Stahl ging zurück, denn nicht nur die krisengeplagte Automobilindustrie verbraucht weniger Stahl, sondern auch andere Industrien leiden - wie die Immobilienbau-Branche. Die Stahlpreise waren im vergangenen Sommer von vorher historischen Höchständen deutlich gesunken. Die Produktion ging so stark wie seit Jahrzehnten nicht mehr zurück. Die Auftragseingänge der Konzerne sanken um mehr als 50 Prozent.
Derweil tobt ein Streit in der Stahlbranche um die Verteilung der Erzreserven. Nachdem China mit dem Versuch gescheitert ist, sich Anteile an Minen der Rio Tinto Group zu sichern, wird China nach Ansicht von Branchenkennern nun nach kleineren australischen Eisenerz-Produzenten Ausschau halten. Die Volksrepublik ist der weltgrößte Konsument des Rohstoffs. Und Eisenerz ist ein wichtiges Vorprodukt für Stahl. Das Unternehmen Aluminum Corp. of China (Chinalco) hatte versucht, sich mit 19,5 Milliarden Dollar bei Rio Tinto einzukaufen. Dies vereitelten jedoch australische Politiker.
Anbieter erhöhen schon die Preise
Nachdem die Stahlbranche in den vergangnen Monaten so stark unter Druck stand, äußern sich nun die Morgan-Stanley-Analysten wieder positiver über die Industrie. Die Rahmenbedingungen hätten sich verbessert für die Branche. Die Nachfrage ziehe an, die Produktionsstätten würden mehr ausgelastet. So hatten sich amerikanische Stahlwerte schneller erholt als erwartet und den S&P-500-Index übertroffen, schreiben die Analysten.
Dazu passt auch, dass sich andeutet, dass deutsche Anbieter wie ThyssenKrupp und Salzgitter dazu übergehen, die Preise wieder zu erhöhen. Der weltgrößte Stahlhersteller ArcelorMittal hatte bereits Preiserhöhungen angekündigt. China Steel Corp., Taiwans größter Stahlanbieter kündigte am Mittwoch ebenfalls eine Preiserhöhung an - die erste für dieses Jahr. Staatliche Infrastrukturprogramme - vorallem in China - hätten die Stahlnachfrage angetrieben, teilte das Unternehmen mit.
Sollten es den Herstellern gelingen, Preisreiserhöhungen durchzusetzen, ist die Krise in der Branche jeodch noch längst nicht vorbei. Lediglich der rasante Abschwung in den vergangenen Monaten scheint gestoppt zu sein.
So warnen auch manche Analysten davor, von einer echten Erhoung der Stahlkonjunktur zu sprechen. Dafür sei es noch viel zu früh. In der Stahlindustrie gebe es immer noch Überkapazitäten. In der vergangenen Woche hatte sich auch der Deutsche Stahlverband zu dem Thema geäußert. Motto: Eine nachhaltige Trendwende sei noch nicht auszumachen.
Erst am vergangenen Montag hatte das Statistische Bundesamt mitgeteilt, dass die Rohstahl- und Roheisen-Produktion in Deutschland auch im Mai kräftig gesunken sind. Die
Rohstahl-Produktion sei um 47,8 Prozent eingebrochen. Die Roheisen-Produktion sackte im Jahresvergleich um 54,8 Prozent ab.
Die Experten der Bank UBS sind ebenfalls skeptisch, was den Stahltahlsektor angeht. Auch wenn die Nachfrage weiter anziehe, würden Stahlwerke zwar ihre Auslastung erhöhen, doch die Probleme der Überkapazität seien damit noch lange nicht gelöst. Auch die Liquiditätssituation vieler Stahlhersteller sei alles andere als gut, hieß es.