10.12.2009 · Die allgemeine Erholung hat in den vergangenen Monaten viele Finanz- und Rohstoffmärkte unabhängig von den fundamentalen Fakten nach oben getragen, auch den spanischen. Nach einer Warnung der Ratingagentur S&P hat er Gegenwind.
Die allgemeine Erholung hatte in den vergangenen Monaten viele Finanz- und Rohstoffmärkte unabhängig von den fundamentalen Fakten in hoch korrelierter Form nach oben getragen. Nun scheint es allerdings zu einer Differenzierung zu kommen.
Das zeigt sich nicht nur an den Kursverlusten von 27 Prozent, die der Athens Stock Exchange General Index in den vergangenen zweieinhalb Wochen im Rahmen der immer intensiver werdenden Diskussion über die wirtschaftliche Lage und die Kreditwürdigkeit des Landes hinnehmen musste. Sondern nun wird auch über Spanien geredet.
Spaniens Volkswirtschaft steht strukturell schwach da
Kritischen Marktteilnehmern ist schon lange klar, dass Spanien wegen der riesigen Immobilienblase, der hohen Arbeitslosigkeit, der versteckten Verluste in den Bilanzen vieler Banken des Landes und der verschlechterten Wettbewerbsposition ein „Unfall“ ist, der nur darauf wartet, zu passieren.
Am Mittwoch reagiert der Ibex-Index - nach Kursgewinnen von bis zu 77 Prozent seit März - mit Kursabschlägen von bis zu 2,65 Prozent auf die Nachricht, die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) habe den Ausblick für die Bonitätsbewertung von spanischen Staatsanleihen auf „negativ“ von bislang „stabil“ gesenkt, was auf die Möglichkeit einer Ratingabstufung hindeutet. Die deutlichsten Kursverluste mussten die Aktien der Finanzwerte des Landes und stark verschuldeter Unternehmen hinnehmen. Die Papiere von Ferrovial verloren 4,7 Prozent (Schulden von 17 Milliarden Euro bei einer Marktkapitalisierung von 5,8 Milliarden Euro) und die Aktien von Sacyr Vallehermoso gaben um 4,5 Prozent nach (Schulden von 9,5 Milliarden Euro bei einer Marktkapitalisierung von 2,6 Milliarden Euro).
Sollte die Regierung innerhalb der nächsten zwei Jahre keine „aggressiveren Schritte“ unternehmen, um die fiskalpolitischen und außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte einzudämmen, dann drohe eine Abstufung der Bonität, warnte S&P am Mittwoch. Für die langfristigen Staatspapiere wurde das Rating „AA+“ indessen bestätigt, ebenso das Urteil „A-1+“ für die kürzer laufenden Anleihen. Spanien werde eine stärkere und längere Verschlechterung seiner öffentlichen Finanzen erleben als vergleichbare Staaten, insbesondere weil das Trendwachstum bei unter 1 Prozent bleiben dürfte, führte S&P aus. Für 2010 erwartet die Agentur einen Anstieg der spanischen Staatsschulden auf 67 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
Verschuldungsboom der vergangenen Jahre ist ausgereizt
Der spanische Staat verschuldet sich rasch und stark, nachdem die Unternehmen und Privathaushalte nach einem Verschuldungsboom in den vergangenen Jahren dazu nicht nur nicht mehr in der Lage sind, sondern wegen schwacher Wirtschaft, steigender Arbeitslosigkeit und fallender Hauspreise mit dem Rücken zur Wand stehen. Spanische Unternehmen außerhalb des Finanzsenktors hatten Schulden von bis zu 120 Prozent des Bruttoinlandsproduktes akkumuliert, während die Privathaushalte ihre Quote von etwa 30 Prozent im Jahr 1996 auf bis zu mehr als 80 Prozent ausgedehnt hatten. Sie wurden dazu aufgrund der Einführung des Euro animiert. Plötzlich waren die Zinsen für spanische Verhältnisse ungewohnt tief. Von 2002 bis 2006 waren sie real sogar negativ.
Längst dreht sich das Rad jedoch zurück. Das Wachstum von Krediten an Privathaushalte und Unternehmen ist in den vergangenen Monaten deutlich zurückgegangen und der Konsum stagniert. Die bereinigten, realen Einzelhandelsumsätze schrumpfen schon seit Ende des Jahres 2007. Im Februar betrug das Minus im Vergleich mit dem Vorjahr neun Prozent, im Oktober noch lag es bei minus 2,7 Prozent - obwohl die Basis des Vorjahres schon relativ gering war. Obwohl etwa eine Millionen Immobilien unverkäuflich auf Interessenten warten, scheint die Bauindustrie immer weitere zu produzieren. Gleichzeitig ist das Land jedoch auf die Finanzierung von außen angewiesen.
Mit Kurs-Gewinnerhältnissen von durchschnittlich knapp zwölf scheinen die im Ibex enthaltenen Aktien zwar im europäischen Vergleich noch günstig zu sein. Fragt sich nur, wie realistisch die Gewinnerwartungen angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes und wie hoch die Schulden der betreffenden Unternehmen sind.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |