28.01.2005 · Für Short-Seller dürfte es schwerer werden, auf fallende Kurse bei Aktien zu spekulieren. Nach einer neuen „SEC Regulation“ können so genannte „Threshold-Listen“ dazu führen, daß Aktien zurückgekauft werden müssen.
Für Short-Seller dürfte es schwerer werden, auf fallende Kurse bei Aktien zu spekulieren. Nach der neuen „Regulation SHO“ der SEC müssen die amerikanischen Börsen so genannte „Threshold-Listen“ von Aktien veröffentlichen, bei denen die Verkäufer ihren Lieferverpflichtungen gegenüber den Käufern nicht nachgekommen sind. Diese Aktien müssen nachgekauft werden, was die Kurse hochtreiben kann.
Seit dem siebten Januar haben die Börsen in New York und Chicago, die American Stock Exchange und Achipelago Stock Exchange derartige Listen erstellt. Die Gesamtliste umfaßt aktuell 379 Aktien, beispielsweise Cal-Maine Foods , Global Crossing und Travelzoo. „Ein Investor muß schon sehr vorsichtig sein, was er leer verkauft. Er muß sich sehr sicher sein,“ daß die Aktien auch zu haben sind, sagt Seth Tobias, Leiter der Hedge-Fonds-Gesellschaft Circle T Partners. Bei Cal-Maine Foods, dem größten Eieranbieter in Amerika, machten im Januar die Leerverkäufe 86,5 Prozent der frei handelbaren Aktien aus, zeigen Bloomberg-Daten.
Flexibilität und Risikofreudigkeit wird eingeschränkt
Die Broker müssen die Aktie kaufen, um offene Handelsgeschäfte zu erfüllen, die innerhalb von 13 Handelstagen abgewickelt sein müssen. Diese Frist lief am Donnerstag für die Aktien auf den ersten Listen aus. Damit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, daß ihr Kurs zulegt, wenn die Broker Deckungskäufe tätigen.
Die Frist für die Erfüllung offener Handelsgeschäfte wurde von bisher drei Tagen auf zwei Wochen ausgedehnt. Broker müssen außerdem Vorkehrungen haben, die Threshold-Papiere zu leihen, bevor der Leerverkauf abgeschlossen wird und dürfen nicht bis danach warten. Die Veränderung dürfte auch vom „naked“ Short- Selling abschrecken, wenn Leerverkäufe ohne eine entsprechende Aktienleihe stattfinden.
Die neue SHO-Verordnung ist seit dem dritten Januar in Kraft. Sie umfaßt ein im Mai beginnendes einjähriges Programm, bei dem 1.000 Aktien von der so genannten Uptick-Regel befreit sind, die Leerverkäufe bei fallenden Kurse verbietet. Aktien werden "Threshold-Wertpapiere", wenn die Verkäufer fünf Tage in Folge mindestens 10.000 Aktien nicht geliefert haben. Die Gesamtsumme muß mindestens 0,5 Prozent der im Umlauf befindlichen Aktien entsprechen.
Dynamik von Nachfrage und Angebot ändert sich
Die Veröffentlichung der "Threshold-Listen" verändert die Dynamik von Nachfrage und Angebot, erläutert Richards. "Das bedeutet, daß diese Aktien schwerer leer zu verkaufen sind." Zwölf der 25 Nasdaq-Aktien mit dem größten Anteil an Leerverkäufen im Vergleich zum Streubesitz sind auf der Liste, seit diese eingeführt wurde. Auf der Liste der New York Stock Exchange finden sich vier der fünf am meisten leerverkauften Werte: Salton , Winn, Dixie Stores, Krispy Kreme Doughnuts und Pre-Paid Legal Services
Auch Global Crossing, Betreiber von Glasfasernetzen, der vor einem Jahr ein Konkursverfahren abschloß, und Travelzoo, ein Online-Reiseanbieter, gehörten zu den Nasdaq-Aktien mit den meisten Leerverkäufen in diesem Monat. Bei Global Crossing machte Short-Selling 79,9 Prozent des Free Float aus. Travelzoo rangierte an siebter Stelle mit 45,6 Prozent.
Von der Vorschrift angeheizte Eindeckungskäufe könnten zu einem Engpaß bei den entsprechenden Aktien führen. Bei einer Kursrally wären Short-Seller gezwungen, die Aktie zu kaufen, um ihre Verluste zu begrenzen. "Die Einführung der Vorschrift dürfte anfangs zu einem gewissen Gerangel führen," erklärt Bill Fleckenstein, Präsident von Fleckenstein Capital in Issaquah, Washington.
Cal-Maine kletterte am Donnerstag 8,1 Prozent, der größte Tagesgewinn in diesem Jahr. Global Crossing legte 3,4 Prozent zu, der sechste Kursanstieg in Folge. Hingegen sackten Travelzoo elf Prozent ab.
Mögliche Kursschwankungen, die auf die Einführung der "Threshold-Liste" zurückzuführen sind, dürften kurzlebig sein, erwartet Andy Abrams, Hedge-Fondsmanager bei Abrams Investment Partners in New York. Derartige Veränderungen "erhöhen zunächst die Volatilität, aber das gibt sich dann wieder," erläutert er. Die angehängte Infographik führt die Aktien auf den Threshold-Listen der Nasdaq and Nyse auf, bei denen Bloomberg-Daten zufolge die Leerverkäufe in diesem Monat mehr als 25 Prozent vom Streubesitz ausmachten. Rankings sind Marktrankings.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.277,44 | −0,05% |
| FAZ-INDEX | 1.367,64 | −0,09% |
| TecDAX | 752,40 | +0,17% |
| MDAX | 10.192,20 | −0,16% |
| SDAX | 4.839,62 | +0,43% |
| REX | 437,51 | +0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.120,12 | +0,19% |
| F.A.Z. EURO | 68,75 | +0,07% |
| Dow Jones | 12.419,90 | −1,28% |
| Nasdaq 100 | 2.537,40 | −0,84% |
| S&P500 | 1.313,32 | −1,43% |
| Nikkei225 | 8.542,73 | −1,05% |
| EUR/USD | 1,2401 | +0,26% |
| Rohöl Brent Crude | 103,16 $ | −0,09% |
| Gold | 1.540,00 $ | 0,00% |
| Bund Future | 145,55 € | +0,05% |