08.11.2007 · Die Hausse am russischen Aktienmarkt setzt sich ungebremst fort. Seit Sommer sind die Kurse um gut 25 Prozent gestiegen. Der Zustrom frischen Geldes aus dem Ausland hält an.
An der Börse in Moskau führen die Haussiers unverdrossen Regie. Der Aktienindex RTS erklimmt seit etwa zwei Wochen fast täglich neue Rekorde. Am Mittwoch stieg er auf einen Schlussstand von 2.280 Punkten. Als die treibenden Kräfte gelten der ebenfalls auf Rekordhöhen stehende Preis für Rohöl und die noch etwas nachhinkenden Preissteigerungen bei Erdgas.
Die derzeitige Hausse weist aus der Sicht technisch orientierter Analysten kaum Mängel auf. Einzig sein "überkaufter" Status und das damit entstandene Risiko eines heftigen Rückschlags gelten als Gefahrenmoment. Unter fundamentalen Aspekten gilt der russische Aktienmarkt inzwischen als angemessen, wenn nicht sogar als zu hoch bewertet. Doch auch dies wird weithin nicht als Hindernis für weiter steigende Kurse betrachtet, solange der Zustrom heimischen und ausländischen Kapitals anhält.
Die Hausse startete schon 1998
Der RTS-Index hat seine laufende Haussephase Mitte August nach dem allgemeinen, Ende Juli entstandenen scharfen Einbruch bei einem Stand von gut 1.800 Punkten begonnen und seitdem um rund 25 Prozent zugelegt. Der Ursprung der langjährigen, ungebrochenen Hausse liegt jedoch im Frühjahr 2003, als sich der Index bei knapp 340 Punkten befand. Geht man noch weiter zurück, lässt sich der Anfang der Hausse auf den Herbst 1998 datieren.
Kurz vor dem Ende der damaligen Finanz- und Währungskrise in dem Land setzte der RTS von rund 40 Zählern aus zum Aufschwung an, der bis in den Herbst 2001 hinein vergleichsweise verhalten ablief, um dann zunehmend an Dynamik zu gewinnen. Die Börse in Moskau zählt bei einer derart langfristigen Betrachtung im Hinblick auf die Dynamik zu den Spitzenreitern im Kreis der Schwellenbörsen.
Öl - Schmierstoff für russische Wirtschaft
Spätestens 2004 ist der Ölpreis zur herausragenden Kraft geworden, die der russischen Wirtschaft einen beispiellosen Rückenwind verliehen hat. Die steil gestiegenen Einnahmen aus dem Export von Erdöl wie auch von Erdgas haben die Staatskasse über alle Erwartungen hinaus gefüllt.
Die noch aus Sowjetzeiten stammende hohe Auslandsverschuldung war seinerzeit schon auf gutem Weg, auf ein erträgliches Maß abgebaut zu werden. Seit die Einnahmen aus dem Ölexport in die Höhe zu schießen begannen, ist diese Verschuldung an den Finanzmärkten überhaupt kein Thema mehr. Die Rating-Agenturen haben denn auch die Bonität Russlands als Schuldner in den zurückliegenden Jahren mehrfach hochgestuft. Heute zählt es zu jenen Ländern, die ihre ohnehin sehr hohen Devisenreserven beständig ausbauen und diese auch gezielt dazu einsetzen, sich an ausländischen Unternehmen zu beteiligen.
Rohstoff- und Energieaktien gelten als ausgereizt
Die sprudelnden Steuer- und Zolleinnahmen aus der Produktion und der Ausfuhr von Energie, aber auch von anderen Rohstoffen wie Aluminium oder Palladium, haben bewirkt, dass der Staat Gelder in ursprünglich nicht vorstellbarem Umfang in den Aufbau der Wirtschaft, in die Infrastruktur und in soziale Programme investieren kann. Als besonders erfreulich bezeichnen Anlagestrategen, dass sich der Binnenkonsum im Zuge der allgemeinen Expansion mit der Zeit zu einer stärker werdenden Stütze der gesamten Wirtschaft entwickeln konnte.
Unter Aspekten der Kapitalanlage äußern sich Strategen zusehends zurückhaltend über die Aussichten der Aktien russischer Rohstoffproduzenten. Die Energiewerte seien als Gruppe selbst angesichts steigender Ölpreise angemessen bewertet, heißt es weithin. Auch Aktien von Unternehmen, die am Aufbau beziehungsweise beim Ausbau der russischen Infrastruktur beteiligt sind, gelten als im Wesentlichen ausgereizt.
Kurschancen bei Agraraktien
Dieses Thema sei in den zurückliegenden zwölf bis 18 Monaten in Russland wie auch in den anderen Bric-Ländern - das Kunstwort setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der besonders dynamisch aufstrebenden Schwellenmärkte Brasilien, Indien und China zusammen - derart hochgespielt worden, dass die einschlägigen Aktien heute als wenig attraktiv eingestuft werden müssten, heißt es im Lager der Skeptiker.
An die Stelle der Infrastrukturbranche ist in den zurückliegenden Monaten wegen der steil gestiegenen Preise für Getreide und Ölsaaten die Agrarwirtschaft getreten. Russland ist eines des wenigen Länder, die noch über große ausbaufähige Landreserven für die Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte verfügen. Trotz der in weiten Teilen klimatisch schwierigen Bedingungen eignen sich in Russland große Landstriche für den Anbau von Raps, Lein, Rüben oder Rizin, aber auch von Sonnenblumen.
Die hohen und wohl tendenziell weiter steigenden Preise für landwirtschaftliche Güter hier dürften einen starken Anreiz bieten, diese Reserven zu nutzen. In dem Maße, wie dies geschieht, steigen auch die Kurschancen für Aktien der Zulieferer der Agrarwirtschaft, von landwirtschaftlichem Gerät über Saatgut und Dünger bis hin zu Pflanzenschutzmitteln.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |