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Aktienmarkt Neue Front im Kampf gegen Insiderhandel an Wall Street

Die New Yorker Staatsanwaltschaft nimmt zeitlich gut gewählte Aktiengeschäfte von Spitzenmanagern ins Visier. Vorstandsvorsitzende von sieben börsennotierten Unternehmen stehen im Verdacht, Insiderhandel betrieben zu haben.

© dapd Vergrößern Big Lots-Vorstandschef Steven Fishman steht im Verdacht, Insiderhandel betrieben zu haben

In den Vereinigten Staaten zeichnet sich ein neuer Insiderskandal ab. Staatsanwaltschaft und Börsenaufsicht ermitteln gegen die Vorstandsvorsitzenden von sieben börsennotierten Unternehmen wegen profitabler Aktiengeschäfte kurz vor der Veröffentlichung kursbewegender Nachrichten. Im Zentrum der Ermittlungen steht der ehemalige Vorstandschef des Discount-Einzelhändlers Big Lots, Steven Fishman. Fishman hatte Ende März dieses Jahres Aktienoptionen ausgeübt und Big-Lots-Aktien im Wert von mehr als 10 Millionen Dollar verkauft. Nur einen Monat später, kurz vor dem Ende des ersten Quartals, warnte Big Lots Anleger an der Wall Street, dass der Umsatz nachgelassen hatte - eine Entwicklung die Ende März begonnen habe.

Norbert Kuls Folgen:  

Die Folge der für Anleger überraschenden Warnung: Der Aktienkurs des Unternehmens sackte um 24 Prozent ab. Big Lots ist in Deutschland weniger bekannt, gehört mit einem Börsenwert von derzeit noch 1,6 Milliarden Dollar aber zu den großen, im amerikanischen Standardwerteindex S&P 500 abgebildeten Aktiengesellschaften. Das Unternehmen betreibt mehr als 1500 Filialen in den Vereinigten Staaten und Kanada. Fishman trat Anfang Dezember als Vorstandschef zurück, nachdem das „Wall Street Journal“ über die Aktiengeschäfte berichtet und die Bundesstaatsanwaltschaft in New York für den Fall relevante Dokumente angefordert hatte. Das Unternehmen begründete den Rücktritt damit, dass der 61 Jahre alte Fishman mehr Zeit mit seiner Familie verbringen wolle.

Rund 70 Personen bekannten sich schuldig

Die Ermittlungen gegen Fishman und andere Spitzenmanager gelten als neue Front im Kampf gegen Insiderhandel an der Wall Street, also illegale Aktiengeschäfte aufgrund vertraulicher und nicht öffentlicher Informationen. Die New Yorker Staatsanwaltschaft, die sich seit drei Jahren auf diese Fälle konzentriert, hatte ihr Augenmerk bisher vor allem auf Investoren gelegt, die aufgrund erworbener Unternehmensgeheimnisse mit Aktiengeschäften entweder illegale Gewinne machten oder Verluste vermieden. Rund 70 Personen haben sich bei zahlreichen Strafverfahren seither entweder schuldig bekannt oder sind von einem Gericht verurteilt worden.

Neben Fishman ist jetzt auch der Vorstandsvorsitzende des Technologieunternehmens Verifone Systems, Douglas Bergeron, ins Visier der Aufsichtsbehörden geraten. Bergeron verkaufte Ende März 2011 Verifone-Aktien im Wert von 14 Millionen Dollar zum Kurs von 55 Dollar bis 57 Dollar je Anteilschein. Anfang April begann der Aktienkurs zu sinken. Mitte Mai klagte das Justizministerium in seiner Funktion als Kartellbehörde gegen eine von Verifone geplante Akquisition, was den Aktienkurs bis August auf 30 Dollar drückte.

Bergeron verteidigt sich wie die meisten anderen betroffenen Spitzenmanager damit, dass die Verkäufe im Rahmen von besonderen vorher getroffenen Vereinbarungen stattgefunden haben. Innerhalb von 10b5-1-Plänen, benannt nach einer Richtlinie der Börsenaufsicht SEC, können Spitzenmanager Aktien zu einem vorher festgelegten Zeitpunkt und Preis in regelmäßigen Intervallen kaufen oder verkaufen. Mit Unternehmensgeheimnissen vertraute Personen nutzen das häufig, um Vorwürfen des Insiderhandels vorzubeugen. Allerdings müssen diese Verkaufspläne eingerichtet werden, bevor sie die relevanten Insiderinformationen kennen. Diese Frage dürfte im Zentrum der Ermittlungen gegen die Manager stehen, die sich auf die 10b5-1-Pläne berufen.

Kontrolle trotz Pläne schwer

Das System hat Mängel. Die Pläne müssen nicht bei den Behörden angemeldet werden, was die Kontrolle darüber erschwert. Selbst wenn die Pläne gemeldet werden, können sie verändert oder aufgehoben werden, ohne dass diese Informationen öffentlich werden. Und selbst wenn Manager einen Plan mit strikten Vorgaben haben, können sie auch außerordentliche Aktiengeschäfte tätigen - was allerdings völlig legitime Gründe haben kann.

Im Visier der Staatsanwaltschaft stehen auch die Aktiengeschäfte von Jerrold Rosenbaum, dem Gründer des Einzelhändlers Body Central, und seiner Tochter Beth Angelo, die den Vertrieb des Unternehmens verantwortet. Die beiden verkauften vom 1. Mai bis 3. Mai dieses Jahres Aktien der Gesellschaft im Wert von knapp 3 Millionen Dollar. Am 3. Mai nach Börsenschluss reduzierte das Unternehmen seine Gewinnprognosen für 2012. Der Aktienkurs sackte am nächsten Handelstag um fast 50 Prozent ab. Vertreter des Unternehmens verteidigen den verdächtigen Zeitpunkt des Aktienverkaufs mit 10b5-1-Plänen, in deren Rahmen die Transaktionen stattfanden. Zwar hatte Angelo erst im März einen neuen Aktienplan für ihren Vater eingerichtet. Der Trend, der zu den drastischen Kursverlusten führte, sei ihr damals aber nicht bewusst gewesen. Bei den anderen Unternehmen, deren Manager wegen günstiger Aktiengeschäfte im Visier der Behörden stehen, handelt es sich um den Geldautomatenbetreiber Cardtronics, den Halbleiterhersteller Micrel, den Bodenbelagshersteller Mohawk Industries und das Energieunternehmen Cobalt International.

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Quelle: F.A.Z.

 
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