31.08.2009 · Chinesen fürchten eine Verknappung der Kredite und verkaufen vorsorglich ihre Aktien. Obendrein kommen durch Börsengänge neue Aktien auf den Markt. Seit Monatsbeginn hat der Shanghai Composite Index nun ein gutes Fünftel seines Wertes eingebüßt.
Der chinesische Aktienmarkt gerät ins Trudeln. Am Montag verlor der Index in der chinesischen Wirtschaftsmetropole Schanghai weitere 6,7 Prozent seines Wertes. Der Shanghai Composite Index schloss mit 2667,745 Punkten.
Seit Monatsbeginn hat er nun ein gutes Fünftel seines Wertes eingebüßt. Zwar ist der chinesische Markt weitgehend abgekoppelt von den internationalen Aktienmärkten. Doch treibt Anleger die Sorge, ob die Volksrepublik wirklich in der Lage ist, ihr Wachstum zu stabilisieren. Am Montag wählten sie die sicherer erscheinende Variante und investierten nach dem Erdrutschsieg der Demokraten um Yukio Hatoyama in Japan in den Yen, der gegenüber Dollar und Euro deutlich aufwertete.
Energieverbrauch zeigt das wahre Wachstum in China
Die Angst geht um in Schanghai, Shenzhen und Hongkong. Seit Jahresbeginn hat der Shanghai Composite Index nun 60 Prozent seines Wertes verloren. Im August lag das Minus mit 21 Prozent so hoch wie bislang nur einmal in den vergangenen 15 Jahren. Nachdem der Index am Montag die Durchschnittslinie der vergangenen 125 Tage nach unten durchbrochen hatte, bewegt er sich aus chinesischer Sicht nun im Terrain der Bären. Die nächste - eher psychologisch als technisch wichtige - Hürde, liegt nun bei 2500 Punkten. Der Hang Seng Index in der Sonderverwaltungsregion Hongkong, der sich nur bedingt von der Entwicklung in Festlandchina lösen kann, liegt bei einem Minus von 37 Prozent seit Jahresbeginn. Am Montag büßte er weitere 1,9 Prozent ein und rutschte unter 20.000 Punkte.
„Der scharfe Fall der chinesischen Aktien besorgt die Investoren und zwingt sie, die Risiken in China zu überdenken. Sie hinterfragen die Wachstumsrate und den Energieverbrauch“, sagte Daniel Liu, Analyst bei MG Global in Singapur. Der Energieverbrauch gilt in China als der verlässlichere Hinweis auf das wahre Wachstum der Wirtschaftsleistung als die von der Regierung manipulierten, öffentlich vorgelegten Wachstumswerte.
Analysten halten die Flucht aus Aktien für überzogen
Chinesische Börsenspekulanten machen nun eine einfache Rechnung auf: Die Regierung greift kräftig in die Kreditvergabe ein. Das schlägt direkt auf das Wachstum durch, auf die Unternehmensgewinne, aber wohl auch auf die verfügbaren Spekulationssummen an der Börse. Noch wird die Sorge vor allem von Gerüchten angeheizt. So berichten Banker in Hongkong, die chinesische Bankenüberwachung habe die Finanzinstitutionen angewiesen, keinesfalls zum Monatsende hin wie üblich die Ausleihungen noch einmal zu erhöhen. Diese Anweisung sei mündlich ergangen, um die Ängste auf dem Markt nicht noch weiter zu steigern.
Bislang haben chinesische Institute im August rund 200 Milliarden Yuan (20,51 Milliarden Euro) ausgeliehen. Die vier Staatsbanken standen dabei für die Hälfte des Gesamtbetrages. Dieser Wert ist hoch, bleibt aber hinter den 360 Milliarden Yuan zurück, die im Juli vergeben worden waren. Noch schlimmer: Sie sind nur noch ein Bruchteil des Monatsdurchschnitts für die erste Jahreshälfte, der bei mehr als 1000 Milliarden Yuan gelegen hatte. Schlicht gesagt, werde damit der Wirtschaft der Hahn zugedreht. Viele Analysten aber halten die Flucht aus Aktien für überzogen. So ist bei JP Morgan von „überbordenden Ängsten vor einem politischen Straffen der Kreditpolitik“ die Rede.
Maßnahmen zur Stützung der Kurse
Die Folgen zeigten sich am Montag, auch in Hongkong. Baosteel, als größtes Stahlunternehmen und Partner von Thyssen-Krupp von Bau- und Infrastrukturaufträgen abhängig, büßte im Handel 7 Prozent ein. Werden die Kredite knapp, kommt es zu geringeren Investitionen, fürchten die Anleger. Die Aktie der China Petroleum & Chemical verlor im Handel bis zum Tageslimit von 10 Prozent. Die Anleger fürchten, der Staat könne die Benzinpreise nicht weiter steigen lassen, obwohl der Preis für Rohöl anzieht, wodurch die Margen der Ölkonzerne schmelzen würden. So erklärte der Ölkonzern Sinopec am Montag, er sei „besorgt“, ob Peking bei seinem Preisprogramm zugunsten der Ölriesen Wort halten werde.
Der neuerliche Rückgang der Kurse belastet die geplanten Börsengänge. Wie schwierig das wird, zeigt der zweitgrößte Immobilienkonzern der Volksrepublik, China Vanke: Als er Ende vergangener Woche erklärte, neue Aktien im Gesamtwert von 1,6 Milliarden Dollar plazieren zu wollen, gab der Kurs schlagartig um gut 5 Prozent nach - dabei wächst Chinas Immobilienmarkt immer noch. Im nächsten Jahr sollten sogar ausländische Unternehmen erstmals an der Börse in Schanghai notiert werden dürfen. Allein in Hongkong versuchen noch im September sieben Unternehmen insgesamt gut 2,5 Milliarden Dollar auf dem Parkett zu erlösen. Ob das in dieser Stimmung noch möglich ist, wird immer fraglicher.
Bislang hatten Anleger darauf gesetzt, dass Peking vor dem 60. Jahrestag der Volksrepublik im Oktober alles daransetzen werde, den Markt zu stützen. Das aber glauben nun immer weniger. So konnte am gestrigen Montag denn auch der Bericht in einem staatlichen Magazin, die Regierung werde nun dem Kursverfall gegensteuern, dem Markt keinen Auftrieb mehr verleihen. Die China Economic Weekly hatte spekuliert, dass Peking an einem Bündel von Maßnahmen zur Stützung der Kurse arbeite.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |