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Aktienmarkt Hongkong Hang-Seng legt seit Jahresanfang um 14 Prozent zu

 ·  Die Eurokrise und die schwächere Entwicklung in China haben Hongkong geschadet. Der sechstgrößte Finanzplatz der Welt hat seinen Spitzenplatz an London und New York verloren.

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© AFP Blick auf das morgendliche Hong Kong

Ob es Hongkong gutgeht, lässt sich an seinen Weinauktionen ablesen. Längst gehören die Chinesen zu den eifrigsten Käufern, vor allem der großen französischen Rotweinmarken. In guten Zeiten sind die Angebote ausverkauft und erzielen Rekordpreise. So gesehen, war die Versteigerung von Christie’s in der vergangenen Woche eine Enttäuschung. Nicht einmal drei Viertel der Lose fanden einen Käufer, viele Zuschläge blieben hinter den Erwartungen zurück.

Der vorsichtigere Umgang mit dem Geld ist Ausdruck einer Unsicherheit, die Hongkong und das Festland im Griff hält. Das Wirtschaftswachstum ist 2011 gesunken und dürfte weiter zurückgehen. In Hongkong werden im laufenden Jahr nur noch 1,0 bis 3,0 Prozent erwartet. „Wir hängen gleichermaßen vom Weltmarkt und vom Festland ab“, sagt Ka-Keung Ceaje Chan, Hongkongs Minister für Finanzdienstleistungen. „Die Euroschuldenkrise und die schwächere Entwicklung in China machen uns zuschaffen.“

Hongkong als Portal zum Wachstumsmarkt China

Hongkongs Banken und Finanzdienstleister, der zweite große Wirtschaftszweig neben dem Außenhandel, leiden unter den niedrigen Zinsen. Da die Währung an den Dollar gekoppelt ist, muss der Stadtstaat die Niedrigzinspolitik Washingtons mitmachen. Die geringere Profitabilität und der schärfere Wettbewerb setzen vor allem den kleinen privaten Geldhäusern zu. Die Banken Chong Hing, Dah Sing oder Wing Hang sind an den Börsen so niedrig bewertet wie lange nicht. Darin lägen für Investoren aber auch Chancen, um ins Bankengeschäft einzusteigen, raten Analysten. Denn weiterhin sei Hongkong das wichtigste Portal zum Wachstumsmarkt China, wovon mittel- und langfristig die Finanzwirtschaft wieder profitiere.

Wie eng Hongkong von den Aussichten auf dem Festland abhängt, zeigte sich in der vergangenen Woche. Trotz schwacher amerikanischer Wirtschaftsdaten und der Skepsis der G-20 über die Entwicklung in der EU verzeichneten die Hongkonger Kurse am Freitag den stärksten Wochenanstieg seit zwei Monaten. Der Grund dafür waren Anzeichen, dass die Notenbank in Peking die Geldpolitik lockern könnte, um die Binnennachfrage anzuregen. Überhaupt schlägt sich die Hongkonger Börse nicht schlecht. Der Leitindex Hang-Seng ist in diesem Jahr um etwa 14 Prozent gestiegen. Auf ein etwas dürftigeres Plus von 11 Prozent bringt es der HSCEI, der die in Hongkong notierten Festlandsunternehmen abbildet.

Wegen des erwarteten Binnenaufschwungs in China gelten für Anleger Konsumtitel und Nahrungsmittel als vielversprechend, etwa der Reiskeks-Hersteller Want Want. Auch solche Unternehmen rücken wieder ins Interesse, die wegen der Überkapazitäten, der Kreditgefährdungen und der Immobilienblase lange für wenig aussichtsreich gehalten wurden. Dazu gehören Banken wie die ICBC, der Immobilienentwickler China Overseas oder der Aluminiumproduzent Zhongwang. Einige Fachleute halten die Abkühlungspolitik der Regierung in der Bauwirtschaft und bei den Anlageninvestitionen für übertrieben und erwarten Lockerungen. Auch könnten die Mindestreserveanforderungen der Banken verringert werden, um Liquidität freizugeben.

Falls China und damit auch Hongkong wieder Tritt fassen, dann sollte man mit dem Aktienkauf nicht allzu lange warten, sagen Analysten. Tatsächlich hat sich das Kurs-Gewinn-Verhältnis im Hang-Seng dem in westlichen Indizes wie dem Dow-Jones schon angenähert; im HSCEI liegt es aber weiterhin deutlich darunter. Das Kurspotential illustrieren die Vorkrisenstände, von denen beide Indizes noch weit entfernt sind. Ende Oktober 2007 brachte der Hang-Seng mehr als 31 600 Punkte auf die Waage, der HSCEI 20 400. Jetzt sind es nur etwa 21 000 und 11 000 Punkte.

Wenn sich die Lage berappelt, dann dürften auch die Emissionen an der Hongkonger Börse wieder besser laufen. Zuletzt enttäuschte Chinas drittgrößtes Wertpapierhandelshaus Haitong Securities. Es sammelte vergangene Woche in einer Emission 13 Milliarden Hongkong-Dollar ein (1,27 Milliarden Euro). Dabei mussten die Aktien am unteren Ende der Preisspanne ausgegeben werden. Im vergangenen Jahr hat Hongkong - nach Börsenkapitalisierung der sechsgrößte Finanzplatz der Welt - seinen Spitzenplatz bei Neuemissionen verloren. In London gab es mehr Börsengänge, und in New York war das Volumen größer.

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