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Aktienmarkt Gebremster Optimismus für das Aktienjahr 2008

26.12.2007 ·  Aktienstrategen zeigen sich in ihren Marktprognosen für das kommende Jahr vorsichtig. Sorgen bereiten ihnen vor allem die Kreditkrise und die niedrigere Erwartung an die Konjunktur. Einige Banken rechnen an den Börsen sogar mit deutlichen Verlusten.

Von Kerstin Papon
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Bankstrategen sind für das kommende Aktienjahr nur verhalten optimistisch gestimmt. Gründe hierfür sind die seit Monaten schwelende Finanzkrise sowie die sich vor allem in den Vereinigten Staaten eintrübenden Konjunkturaussichten. Besonders für das erste Halbjahr sind die Vorhersagen gedämpft, anschließend sollten sich nach Ansicht der meisten Aktienexperten die Märkte wieder stärker erholen können. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage dieser Zeitung unter verschiedenen Banken und Fondsgesellschaften.

Für den Deutschen Aktienindex Dax rechnen die befragten Institute zur Jahresmitte im Durchschnitt mit einem Niveau von gut 8080 Punkten und damit aus heutiger Sicht mit einem Anstieg um ein Prozent. Zum Jahresende sehen die Aktienexperten den Dax 6 Prozent höher als derzeit. Dabei haben die Standardwerte in den vergangenen viereinhalb Jahren besonders deutlich zugelegt. Seit dem Tief des Dax im März 2003 steht ein Kursplus von 266 Prozent zu Buche - davon allein in diesem Jahr ein Anstieg um bislang 23 Prozent.

Mehrzahl der Banken zeigt sich optimistisch

Für die erste Jahreshälfte besonders pessimistisch zeigt sich M.M. Warburg. Die Analysten gehen davon aus, dass der Dax bis zur Jahresmitte um 9 Prozent fällt. Ihrer Ansicht nach nehmen die konjunkturellen Abwärtsrisiken für einige Volkswirtschaften zu. Viele Frühindikatoren deuteten darauf hin, dass sich die Wachstumsdynamik in den Industrieländern im kommenden Jahr deutlich abschwächen könnte. Besonders schlecht sei die Aussicht für Japan, aber auch für die Vereinigten Staaten lasse sich eine Rezession im Jahr 2008 nicht mehr ausschließen.

Die realwirtschaftlichen Effekte der Finanzmarktkrise dürften erst im nächsten Jahr sichtbar werden. Hans-Günter Redeker von BNP Paribas begründet seine niedrige Dax-Prognose zum Jahresende unter anderem mit einem schwächeren Wirtschaftswachstum und der länger andauernden Kreditkrise.

Doch die Mehrzahl der Banken zeigt sich optimistischer. Nach Ansicht der Strategen der Commerzbank dürften sich die Perspektiven schon im Verlauf des ersten Quartals aufhellen, die Finanzmarktkrise allmählich abklingen und die amerikanische Wirtschaft an einer Rezession vorbeischrammen. Zudem sollte sich der Höhenflug des Euro nicht weiter fortsetzen - das glauben auf Jahressicht die meisten der an der Umfrage beteiligten Banken - und der Ölpreis allmählich fallen. „Angesichts der weiterhin günstigen Bewertungen dürfte der Dax bei abnehmendem Pessimismus bereits im ersten Halbjahr wieder deutlich zulegen“, sagen die Fachleute von der Commerzbank.

Deutsches Barometer: Schon im ersten Halbjahr neue Rekorde?

Besonders zuversichtlich äußern sich die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Ihrer Ansicht nach könnte der Dax bis zur Jahresmitte um rund 9 Prozent auf dann 8700 Punkte steigen. Damit würde das deutsche Barometer auch schon im ersten Halbjahr neue Rekorde aufstellen, andere Institute glauben daran erst in der zweiten Jahreshälfte. Seinen bisherigen Höchststand von 8152 Punkten hatte der Dax im Juli 2007 erreicht.

In ihrer Jahresendprognose für den Dax liegen die HSBC-Analysten mit 9200 Punkten und damit einem Anstieg um 15 Prozent ebenfalls an der Spitze. „Die Aktien sind weiterhin attraktiv bewertet, zumal die Unternehmen sehr rentabel sind“, begründet Patrik Schöwitz, Aktienstratege von HSBC in London, diesen Optimismus. Insgesamt seien die Unternehmen sehr gut aufgestellt. Daher dürfte die Kreditkrise zwar die Finanzinstitute belasten, aber nur begrenzt auf andere Branchen durchschlagen. Zudem sei die Verschuldung der Unternehmen in den Vereinigten Staaten und in Europa in den vergangenen fünf Jahren immer weiter gefallen.

Einen Grund zur Hoffnung liefert die Statistik

Aber auch bei HSBC gibt es Wermutstropfen: „Kurzfristig dürften die Märkte sehr volatil bleiben und seitwärts tendieren; deswegen ist Vorsicht ratsam“, sagt Schöwitz. Klarheit über das Ausmaß der Finanzkrise dürfte erst die Vorlage der Jahresabschlüsse der Aktiengesellschaften im Februar und März 2008 bringen. Gründe für dann deutlicher steigende Aktienkurse gebe es aber genügend, wie eine sich bessernde Wirtschaftslage in Amerika oder aus europäischer Sicht ein wieder schwächerer Euro.

Der Umfrage zufolge sind die Erwartungen der Banken für den Euro-Raum zuversichtlicher als für die deutschen Standardwerte. Für den Euro-Stoxx 50 liegen die Prognosen zur Jahresmitte im Durchschnitt 3 Prozent über dem aktuellen Niveau und zum Jahresende 8 Prozent höher. In den Vereinigten Staaten dürfte der Standardwerte-Index Dow Jones nach Meinung der befragten Banken in der ersten Jahreshälfte um ein Prozent zulegen und dann zum Jahresende 7 Prozent höher liegen.

Einen Grund zur Hoffnung auf ein gutes Aktienjahr liefert jedenfalls die Statistik: Die Analysten der Commerzbank haben festgestellt, dass in einem Jahr nach einer Krise eine träge Entwicklung an den Aktienmärkten historisch gesehen relativ unwahrscheinlich ist. Ihre Aktienprognose liegt denn auch leicht über dem Durchschnitt der Umfrage.

Quelle: F.A.Z., 27.12.2007, Nr. 300 / Seite 19
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Jahrgang 1967, Redakteurin in der Wirtschaft.

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