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Aktienmarkt Die Aktienhausse zeigt sich stabil

Eine Korrektur wird am Aktienmarkt wahrscheinlicher. Das Ende der Hausse wäre dies aber wohl nicht.

© dpa Vergrößern Die Aktienhausse scheint stabil zu sein - sagen Analysten.

Vielleicht haben sich die Optimisten an der Wall Street zu früh gefreut, als vermeldet wurde, dass der S&P 500 am Gründonnerstag auf dem Rekordniveau von 1569,19 Punkten geschlossen hat. Das sind eher die Erbsenzähler, die darauf hinweisen, dass der Höchststand aus dem Handelsverlauf des 11. Oktober 2007 von 1576,09 Zählern noch nicht erreicht worden sei.

Die Psyche der Anleger

Dabei handelt es sich um das seinerzeit verzeichnete Tageshoch, das nach herrschender Auffassung weniger gilt als der jeweiliges Tagesschlussstand. Vielmehr bemängeln technisch orientierte Analysten, dass es noch an einem überzeugenden Ausbruch des Index auf neue Rekordhöhen fehlt. Als Faustregel gilt, dass dies erst der Fall ist, wenn ein alter Höchststand um rund drei Prozent überboten wird. Bleibe ein Index bei steigender oder bei fallender Tendenz in diesem Rahmen, handele es sich aller Erfahrung nach über ein nichtssagendes Überschießen, das mit markttechnischen Prozessen erklärt werden könne, heißt es. So gesehen, lässt sich in den Augen der Techniker aus dem Rekordhoch vom Gründonnerstag noch nicht viel ableiten. Vielmehr konkretisieren sich nach ihren Erkenntnissen die Anzeichen für eine ausgedehntere Korrektur, die aber wohl noch nicht das Ende des inzwischen vier Jahre alten Haussezyklus bedeuten würde.

Jeffrey Saut, ein stets auch technisch argumentierender Stratege von Raymond James, befasst sich eingehend mit der Psyche der Anleger in den einzelnen Phasen von Hausse- und Baissebewegungen. Unter Abwägung der sich damit aus der gegenwärtigen Lage ergebenden Wahrscheinlichkeiten erklärt er, es bestehe eine veritable Möglichkeit, dass sich der amerikanische Aktienmarkt in einer neuen, ein Jahrzehnt dauernden Haussephase befindet und dass noch niemand daran glaubt.

Schwächephase zum Kauf nutzen

Wenn dies zuträfe, befände sich der Markt jetzt in der zweiten Phase einer solchen Aufwärtsbewegung, die im Zeichen eines gedämpften Optimismus stehe. Sie sei nach außen hin geprägt von hochgradig nervösen Ausrufen wie „Dies ist nur eine Zwischenerholung im Rahmen einer fortbestehenden Baisse“. Mit Blick auf die unmittelbare Zukunft stellt Saut fest, die laufende Phase der Ende vergangenen Jahres entstandenen Aufwärtsbewegung dauere inzwischen 61 Tage. In mehr als fünfzig Jahren an der Wall Street habe er nie eine solche Serie ohne nennenswerte Korrektur beobachtet. Folglich stehe ein Rückschlag unweigerlich bevor. Der Stratege bleibt aber bei seiner Aussage, dass jede Schwächephase zum Kauf genutzt werden sollte.

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Richard Bernstein, früher Stratege bei Merrill Lynch und seit einigen Jahren unabhängiger Kapitalverwalter, ist seit geraumer Zeit davon überzeugt, dass sich der Markt in einem noch recht frühen Stadium einer neuen säkularen Hausse befindet. Nach seinen Erkenntnissen verläuft diese Hausse sehr typisch. Wie bei allen ihren Vorgängerinnen herrsche unter den Anlegern die Furcht vor, dass sich die konjunkturellen und die monetären Bedingungen verschlechterten. Daher mieden sie in der Mehrheit Aktien. Wenn diese Hausse auch weiterhin ihrem historisch vorgezeichneten Muster folge, werde die Masse der Anleger zunehmend versuchen, den nach oben hin davonziehenden Kursen zu folgen und diese Hausse damit mehr und mehr zu nähren. Eine Hausse ende üblicherweise mit einer extrem hohen Bewertung der Aktien, einer restriktiveren Geldpolitik der Notenbank in Washington (Fed) und exzessivem Optimismus der Anleger in die künftige Kursentwicklung. Von allem sei gegenwärtig aber nichts zu erkennen, erklärt Bernstein.

Anleger überzogen optimistisch?

John Hussman, Gründer von Investmentfonds gleichen Namens, bietet das krasse Kontrastprogramm zu den Aussagen von Saut und Bernstein an. Er wiederholt fast Woche für Woche stoisch seine Überzeugung, dass der amerikanische Aktienmarkt überbewertet und überkauft sei. Zudem seien die Anleger überzogen optimistisch.

Die Überbewertung des Marktes legt er mit Hilfe des von Shiller definierten Kurs-Gewinn-Verhältnisses dar - S&P 500 dividiert durch den zehnjährigen Durchschnitt der inflationsbereinigten Unternehmensgewinne. Derzeit ergebe sich ein Wert von 23. Zudem befinde sich der Index um mehr als 60 Prozent über seinem vor vier Jahren verzeichneten Tief und um zehn Prozent über seinem Durchschnitt der vergangenen 52 Wochen. Nicht zuletzt liege der Anteil der Baissiers unter den Beratungsdiensten inzwischen seit mindestens zwei Wochen bei weniger als 20 Prozent. In zwei ähnlichen Situationen, nämlich 2010 und 2011, hätten sich Korrekturen von nahezu 20 Prozent eingestellt. Hussman erklärt, selbst wenn man die historisch belegten Hinweise auf eine mögliche Baisse in den kommenden Jahre ignoriere, müssten Anleger doch erkennen, dass die gegenwärtigen Bedingungen an der Wall Street trotz der jüngsten Kurssteigerungen gefährlich seien.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 03.04.2013, 13:15 Uhr


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