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Aktienmarkt Der Kleinanleger als Gegenindikator

Amerikanische Privatanleger werden optimistischer. Das ist ein erstes Warnsignal für den Aktienmarkt. Kleinanleger sind emotionale Lemminge.

© dpa Vergrößern Noch brüllen die Börsenbullen

Amerikanische Privatanleger werden zunehmend optimistischer. Für den Aktienmarkt ist das ein erstes Warnsignal. Denn das Verhalten dieser Anlegergruppe ist oft ein Gegenindikator für einen aktuellen Trend. Der Grund: Kleinanleger sind emotionale Lemminge. Wenn die Aktienkurse klettern, verbessert sich die Stimmung dieser Anlegergruppe regelmäßig. Fallen die Kurse, schlägt ihnen das umgehend aufs Gemüt. Entsprechend kaufen die Privatanleger oft Aktien oder Aktienfonds, wenn die Kurse steigen. Wenn sie fallen, verkaufen sie wieder.

Das ist natürlich eine völlig falsche Reaktion, wenn man an der Börse Geld verdienen will - darauf weist gerne der mit günstigen Wertpapierkäufen reich gewordene Investor Warren Buffett hin, den viele Privatanleger verehren. Buffett empfahl den Kauf amerikanischer Aktien im Oktober 2008, als sich die Kurse wegen der Finanzkrise auf ihren Tiefpunkt zubewegten. Die meisten Menschen handeln dennoch anders, wobei es keine Unterschiede zwischen amerikanischen und deutschen Kleinanlegern geben dürfte.

Stimmung deutlich aufgehellt

Sogar die Fachleute beim Verband der amerikanischen Privatanleger, dem AAII, räumen ein, dass Privatanleger dem Markttrend häufig blind folgen und daher eher als Gegenindikator für die zukünftige Kursentwicklung taugen. „Die Geschichte zeigt uns, dass sich der Markt öfter gegen die Mehrheit der Anleger bewegt als andersherum“, schreibt Wayne Thorp, Finanzanalyst des AAII. Dabei sind die Mitglieder des AAII keineswegs unerfahren oder ungebildet. Das typische Mitglied des Verbandes ist ein Mann Ende 50 mit einem höheren Universitätsabschluss. Die Hälfte der Verbandsmitglieder besitzt zudem ein Wertpapierdepot von mehr als 500.000 Dollar, gehört also zu einer gutsituierten Schicht.

Der AAII macht seit mehreren Jahrzehnten eine wöchentliche Umfrage unter seinen Mitgliedern, um die allgemeine Stimmung der Privatanleger zu erfassen. Die hat sich seit Anfang des Jahres deutlich aufgehellt. Im Durchschnitt rechneten in den vergangenen fünf Wochen mehr als 45 Prozent der Befragten mit weiteren Kursaufschlägen für die kommenden sechs Monate. Sie gehören also zu den Bullen an der Börse. Nur rund 20 Prozent zählen sich zu den Bären und erwarten entsprechend fallende Kurse. Beide Werte liegen deutlich über dem langfristigen Durchschnitt. Nach Angaben des AAII sind in der Regel 39 Prozent der Anleger Bullen und 30 Prozent Bären. Der Rest erwartet einen neutrale Trend.

Noch kein extremes Niveau

Beflügelt wurde die aktuelle Stimmung vom kräftigen Jahresauftakt an den amerikanischen Aktienmärkten. Das Standardwertebarometer S&P500 ist in diesem Jahr bereits um 7 Prozent geklettert. Der in den Umfragen geäußerte Optimismus beginnt sich auch im Kaufverhalten der Privatanleger niederzuschlagen. In zwei der vergangenen drei Wochen verbuchten Aktienfonds nach Angaben des Fondsverbandes ICI Nettozuflüsse. Seit vergangenem Mai hatten Anleger sich angesichts der hohen Unsicherheit an der Börse aber überwiegend von Aktienfondsanteilen getrennt.

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Obgleich die deutlich besser gewordene Stimmung der Privatanleger als Warnsignal gilt, befinden sich die Umfragedaten aber noch nicht auf einem extremen Niveau. Erst das Erkennen von extremen Ausschlägen gibt nach Ansicht von AAII-Analyst Thorp „nützliche Einsichten“ für eine bevorstehende Trendwende. Statistisch betrachtet wäre das eine mindestens doppelte Standardabweichung vom Mittelwert, meint Thorp.

Das wäre gegeben, wenn mehr als 60 Prozent der Anleger eine optimistische oder mehr als 50 Prozent eine pessimistische Einstellung hätten. Als Buffett kurz nach dem Kollaps der Investmentbank Lehman Brothers eine Lanze für amerikanische Aktien brach, war der Extremfall eingetreten. Mehr als 60 Prozent der Privatanleger fürchteten damals weitere Kurseinbrüche. Für gewiefte Anleger wie Buffett war es eine Zeit für Schnäppchen.

Quelle: F.A.Z.

 
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