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Dienstag, 07. Februar 2012
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Aktienmarkt Der Dax vor neuen Rekorden

03.06.2007 ·  8136 Punkte - mehr hat der Dax noch nie geschafft. Bisher zumindest. Denn bald wird er diese Marke hinter sich lassen. Anders als im März 2000, als der Dax zuletzt diese Marke erreichte, fehlt diesmal allerdings jede Begeisterung. Warum?

Von Thomas Schmitt
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Wo ist der Sekt? Wo sind die Torten? Wo bleibt die Begeisterung? Eine merkwürdige Aktienhausse ist das, bei der keinem so richtig zum Feiern zumute ist. Griesgrame beherrschen die Börse, Miesepeter sitzen in den Banken. Kein Taxifahrer redet über Aktien.

Kaum ein Anleger traut dem, was am Freitag gegen 16 Uhr von den Computerbildschirmen blinkte: 8001,63 Punkte im Dax! Die 30 wichtigsten deutschen Aktien sind wieder auf ihrem Gipfel. Beim letzten Mal, als es am 7. März 2000 sogar bis 8136,16 Punkte ging, animierte das eine ganze Nation.

Die Bürde des kollektiven Gedächtnisses

Und heute? „Das war es dann wohl.“ So winken viele ab, verbunden mit der Frage: „Hatten wir das nicht alles schon einmal?“ Zuerst stiegen die Aktienkurse ein paar Jahre, aber als alle - sogar mit dem Segen der „Bild“-Zeitung - mitmischten, da ging es abwärts.

Wäre es nur das gewesen, hört man manchen leise stöhnen. Aktien brachen in unvorstellbarem Maß ein, drei Jahre lang, bis am Ende so gut wie keiner mehr was von der Börse wissen wollte. Das war Anfang 2003. Erst vier Jahre liegt dies zurück. Im kollektiven Gedächtnis einer ganzen Anlegergeneration hat sich diese Erfahrung tief eingegraben. „Aktien sind Teufelszeug.“ Wer garantiert denn, dass es diesmal nicht wieder so kommt?

Konjunktur auf vollen Touren

Natürlich niemand, lautet die ehrliche Antwort. Doch das sollte keinen vor Aktien abschrecken. Es gibt gute Gründe, warum es - zumindest vorläufig - noch anders laufen dürfte als 2000 (siehe Kasten). Das bedeutet: Anleger sollten sich neue Ziele setzen. 10.000 Punkte zum Beispiel. Das klingt nach viel. 25 Prozent sind jedoch schnell geschafft. Das war seit 1980 in den Dax-Jahren mit Gewinnen im Schnitt immer drin.

Dass Aktien auch 2008 eine bessere Geldanlage als Anleihen sein werden, dafür spricht viel. Die Konjunktur in Europa, vor allem in Deutschland, läuft auf vollen Touren. Die Gewinne der Unternehmen steigen kräftig, viele Dax-Konzerne hätten in ihren Zwischenberichten überrascht, merkt Henning Gebhardt, Aktienstratege der Fondsgesellschaft DWS, an. Wenn sie auch nächstes Jahr zweistellig wachsen, steht einem weiteren Dax-Anstieg wenig im Wege. Denn - und das ist wichtig - noch immer sind die großen Dax-Aktien relativ günstig zu haben. Das gilt sowohl im historischen Vergleich als auch im Vergleich zu Anleihen.

50 Prozent Aufwärtspotential

Die Anleger hören dies wohl, allein es fehlt der Glaube. Kaum ein Gespräch, in dem nicht eine „längst überfällige Korrektur“ beschworen wird. Schließlich sind alle Prognosen der großen Banken für dieses Jahr schon nach fünf Monaten übertroffen. Die berufsmäßigen Wahrsager laufen nun mit neuen Jahreszielen dem Dax hinterher.

Es könnte sogar noch „besser“ werden, wenn die Theorie von Thomas Grüner aufgeht. Der Vermögensverwalter aus Rodenbach bei Kaiserslautern vergleicht 2007 nicht mit 2000, sondern mit 1997. Damals gab es Mitte des Jahres zwei kleine Korrekturen, aber ansonsten einen Sturmlauf des Dax. „Wenn es so kommt wie 1997, geht der Dax in diesem Jahr auf 9000 Punkte“, sagt Grüner.

Die Bewertung des Marktes gebe sogar noch 50 Prozent Aufwärtspotential her. Also 12.000 Punkte? „Warum nicht?“, antwortet Grüner. „Die Märkte neigen dazu, sich auszutoben, wenn sie in einen neuen Bereich vorstoßen.“ Jenseits von 8136, die wohl bald erreicht werden, gibt es keine Wegmarken mehr, an denen Gipfelstürmer rasten könnten. Deshalb orientieren sich die Akteure künftig wohl an den runden Zahlen.

Luft für den dreifachen Punktestand

Vermögensverwalter Grüner geht sogar noch weiter. Schon vor zwei Jahren provozierte er mit der Frage: „Dax auf 28000 Punkte?“ Seine verrückt klingende Rechnung geht so: Im März 2000 hatte der Dax ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 35. Das war mehr als doppelt so viel wie jenes zehnjähriger Anleihen (Faktor 2,21). Auf heute übertragen, rechtfertigt dieser Vergleich ein Dax-KGV von etwa 45. Aktuell sind es nur 14 bis 15. Gemessen am extremen Jahr 2000, hätte der Dax also Luft für den dreifachen Punktestand.

„Das Rechenbeispiel ist sicher grob vereinfacht“, gibt Grüner zu. Doch seine Botschaft gelte unverändert: „2000 waren die Märkte sicher sehr teuer. Heute sind sie extrem günstig. Trotzdem sind die meisten Anleger - nach wie vor - sehr skeptisch und vorsichtig.“

„Wir brauchen eine Korrektur“

An mehr als 20.000 Punkte denken Banker nicht einmal. Selbst 10.000 Punkte im Dax öffentlich in den Mund zu nehmen, gilt momentan noch als Tabu. Dabei verhehlen auch Banken-Volkswirte nicht, dass es fundamental sehr solide aussieht. Die Unternehmensbilanzen seien in Ordnung, die Schulden niedrig. Selbst die Wachstumsabschwächung in Amerika irritiert den Chefvolkswirt der Commerzbank nicht. „In Amerika haben die Unternehmen aus Gewinnen und Abschreibungen mehr Geld, als sie für Investitionen brauchen“, sagt Jörg Krämer. „Die schwimmen im Geld.“ Das sei eine ganz andere Situation als 2000: „Deshalb ist mir das aktuelle Kursniveau auch nicht unheimlich.“

Viele deutsche Anleger sind da skeptischer, wie auch der Verhaltensforscher Joachim Goldberg immer wieder feststellt. „Ich habe selten eine Hausse gesehen, in der so lange dagegengehalten worden ist“, sagt er. Goldberg vermutet, dass viel langfristiges Kapital aus dem Ausland zufließt. Das seien Investoren, die nicht bei nächster Gelegenheit verkauften. Auch er ist wie die meisten Strategen kurzfristig jedoch vorsichtig eingestellt: „Wir brauchen eine Korrektur“, sagt er. Schon deshalb, damit alle jene noch kaufen können, die bisher staunend zugeschaut haben.

Aktienhausse 2007: Was ist anders als früher?

Die Unternehmen: Sie verdienen heute viel besser, haben weniger Schulden, investieren weniger und bezahlen Übernahmen meist bar statt in Aktien. 2000 stieg das Aktienangebot durch Fusionen, heute sinkt es eher. Das ist positiv.

Die Kurse: Standardwerte sind noch immer günstig bewertet - im Verhältnis zu den Gewinnen. Das war 2000 anders. Heute tragen viele Aktien den Aufschwung, damals fast nur Technologie-, Telekom- und Medienaktien. Konzerne wie Eon kaufen Papiere in Milliardenhöhe zurück. Das ist gut für die Kurse.

Die Zinsen: 2000 rentierten zehnjährige Anleihen über sechs Prozent. Heute sind es gut vier Prozent. Dax-Aktien versprechen jedoch sieben Prozent Gewinnrendite, mehr als Anleihen. 2000 brachten Aktien drei Prozent, das Verhältnis war umgekehrt.

Die Investoren: Sie sind - aus Erfahrung - viel vorsichtiger als 2000, viele schauen lieber noch zu. Große Versicherungen mussten in der Baisse ihre Aktienbestände verramschen und kaufen heute erst langsam wieder. Da ist mehr zu erwarten.

Die Globalisierung: Mit China, Indien, Russland und Brasilien ergeben sich neue Perspektiven. Die Weltwirtschaft wächst solide und in einer Breite wie selten zuvor. Davon profitieren international tätige Konzerne besonders. Viele Staaten müssen Milliarden in ihre Infrastruktur stecken. Rund um den Klimaschutz entwickelt sich ein neuer, großer Markt.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
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06.02.2012 17:45 Uhr
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Name Kurs Prozent
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REX 423,51 −0,21%
Eurostoxx 50 2.507,89 −0,29%
F.A.Z. EURO INDEX 80,86 −0,31%
Dow Jones 12.845,10 −0,13%
Nasdaq 100 2.528,30 −0,03%
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