01.10.2009 · Die hohe Liquidität könnte eine Jahresend-Rally auslösen. Allerdings dürfte der Kursanstieg nicht so groß sein wie in den Vorquartalen.
Von Judith LembkeIm Jahr der schlimmsten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg könnte die Jahresend-Rally angeschwommen kommen - getragen von einer Welle der Liquidität, mit der die Notenbanken die Märkte geflutet haben. Optimistische Börsenbeobachter stützen ihre positiven Einschätzungen vor allem auf die riesigen Geldmengen, die bislang zum großen Teil in niedrig verzinsten Anlageformen geparkt sind und im vierten Quartal nun gewinnbringender investiert werden sollen.
"Eine expansive Geldpolitik ist der historisch beste Frühindikator für den Dax", sagt Andreas Hürkamp, Aktienstratege der Commerzbank. Dementsprechend optimistisch ist sein Kursziel für den deutschen Leitindex, den er am Jahresende oberhalb von 6000 Punkten sieht. Im Frühjahr haben die unerwartet positiven Frühindikatoren eine Bärenmarkt-Rally ausgelöst, die den Dax von 3589 Punkten auf etwa 5000 Punkte steigen ließ. Im Sommer wurde die Börse dann von den Kosteneinsparungen der Unternehmen beflügelt, die halfen, die Gewinne vieler Firmen relativ stabil zu halten. Für das vierte Quartal erwartet Hürkamp nun positive Überraschungen bei den Umsätzen, die besser als erwartet ausfallen dürften. "Die weichen Stimmungsindikatoren werden dann von harten Fakten gestützt", sagt der Aktienstratege.
Positive Konjunktursignale sollen stützen
Auch Markus Reinwand, Aktienanalyst bei der Helaba, glaubt an eine Jahresend-Rally, die den Dax bis auf 6000 Punkte heben könnte. "Wir erwarten im vierten Quartal weiter steigende Kurse, auch wenn die Erholung nicht mehr so dynamisch ausfallen dürfte wie in den vorangegangenen Quartalen", sagt Reinwand. Als Treiber für den Markt sieht er positive Konjunktursignale, vor allem die sich weiter verbessernden Frühindikatoren. Zudem dürften die Gewinnerwartungen weiter steigen. "In den Vereinigten Staaten überwiegen schon die positiven Gewinnrevisionen, und auch in Deutschland dürften wir noch einige positive Überraschungen erleben", sagt der Analyst.
Rückenwind erhalte der deutsche Aktienmarkt zudem von der immer noch äußerst defensiven Positionierung der Anleger, die nun nach mehr Rendite Ausschau hielten. Auch Reinwand untermauert seine optimistische Einschätzung durch einen Blick in die Historie. "Die Verlustwahrscheinlichkeiten sind an der Börse im vierten Quartal im Durchschnitt am geringsten, vor allem wenn das Jahr bis dahin so gut gelaufen ist wie dieses", sagt er.
Wie viel Hoffnung steckt schon in den Kursen
Es gibt jedoch auch Marktbeobachter, die aus dem Kursanstieg der vergangenen Quartale keine optimistische Prognose ableiten wollen. "Die Börse hat sehr mutige Erwartungen eingepreist, die sich erst einmal erfüllen müssen", sagt Christoph Schmidt, Aktien-Analyst beim Wertpapierhandelshaus NMF AG. Er erwartet keine klassische Jahresend-Rally, sondern Korrekturen. Der Dax werde sich von aktuell knapp 5700 Punkten eher in Richtung 5000 Punkte als 6000 Punkte bewegen. "Die Schere zwischen den Hoffnungswerten und der wirtschaftlichen Realität ist einfach zu groß", sagt er.
Allerdings dürfte sich die Volatilität wegen der hohen Liquidität im Markt erhöhen. Anlegern, die trotzdem in den Markt einsteigen wollen, rät er zu defensiven Titeln, vor allem Pharma-Aktien. Von zyklischen Werten wie Auto-, Maschinenbau- und Finanz-Aktien rät er Investoren ab. "Vor allem um Bankwerte würde ich einen riesigen Bogen machen", sagt er.
Hürkamp rät den Anlegern hingegen dazu, weiterhin auf Risiko zu setzen. Zyklische Werte werden die Jahresend-Rally anführen, ist er überzeugt. Auch wenn die Kursanstiege moderater ausfallen sollten als zur Jahresmitte, lohne es sich auch jetzt noch, in den Aktienmarkt einzusteigen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |