Den Dax kann momentan offenbar nichts erschüttern. Selbst der Sturz des deutschen Bruttoinlandsprodukts im ersten Quartal des Jahres 2009 um beispiellose 6,7 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum ließ den deutschen Aktienleitindex unberührt. Der Dax notierte nach Bekanntgabe dieser Zahl am Freitag sogar leicht im Plus. Kurz vor Handelsende lag der Index kaum verändert zum Donnerstag auf 4738 Punkten. Damit liegt der Index trotz aller Hiobsbotschaften aus der Wirtschaft fast 30 Prozent und gut 1000 Punkte höher als noch im März, wenn auch fast 200 Punkte tiefer als am Ende der vergangenen Woche.
Doch die zuletzt etwas verhaltenere Entwicklung sehen die meisten Marktbeobachter nur als Verschnaufpause nach der schnellen Erholung. Anschließend dürfte es demnach weiter aufwärtsgehen. Ein wesentliches Argument: Die Kursrally seit März haben viele Anleger schlichtweg verpasst. Der Kursaufschwung vollzog sich bei sehr verhaltenen Handelsumsätzen an den Börsen (siehe Grafik). Die Marktschätzungen über mögliche Kapitalzuflüsse für die Aktienmärkte liegen allesamt im Billionenbereich. Angesichts der fast überall auf der Welt sinkenden Zinsen wächst der Druck bei der Suche nach rentierlicheren Geldanlagen.
Wenige Käufer haben Kurse in die Höhe getrieben
„Viele haben den günstigen Einstiegszeitpunkt im März verpasst und warten nun darauf, dass die Kurse ein Stück zurückkommen“, sagt Matthias Jörss, Aktienstratege des Bankhauses Sal. Oppenheim. „Da gibt es eine Menge Leute, die stark in Aktien untergewichtet sind. Das ist ein gutes Zeichen für die Märkte.“ Da nur wenige Anfang März in Aktien eingestiegen sind und nun Gewinne realisieren könnten, ist Jörss auch für die weitere Entwicklung an den Aktienmärkten positiv gestimmt, zumal die amerikanischen Konjunkturdaten als vorlaufender Indikator bereits auf eine wirtschaftliche Erholung hindeuteten. „Nach kleineren Rücksetzern am Aktienmarkt sollte es daher weiter aufwärtsgehen“, sagt Jörss.
Andreas Hürkamp, Aktienstratege der Commerzbank, hält es für ganz normal, dass eine erste Kurserholung nach einem Bärenmarkt stets von nur geringen Handelsumsätzen begleitet wird. „Eine solche Bewegung wird von einem Mangel an Verkäufern und nicht von einem Ansturm der Käufer ausgelöst“, sagt Hürkamp. „Diejenigen, die ihre Aktien verkaufen wollten, hatten das bis März alle getan. Die Käufer haben somit quasi in einen verkaufsleeren Raum hinein geboten. Da können bereits sehr wenige Käufer die Kurse vergleichsweise stark in die Höhe treiben.“ Dies dürfte nach Hürkamps Einschätzung jedoch nicht so bleiben. Nach einer Phase des Luftholens, die die Märkte in den nächsten Wochen durchaus nochmals 10 Prozent nach unten führen könnte, dürfte in der nächsten Aufwärtsbewegung eine merklich größere Zahl an Käufern in den Markt gehen. „Der Großteil der Investoren steht noch an der Seitenlinie. Die bisher niedrigen Umsätze sind ein Zeichen gehörigen Misstrauens, was für eine Bewegung aus dem Bärenmarkt heraus gut so ist“, sagt Hürkamp. „Der nächste Anstieg wird dann sehr viel stärker von überzeugten Käufern geprägt sein.“ Dieser könne den Dax auf mehr als 5000 Punkte treiben.
Keine Bärenmarktrally, sondern Stärke
Sogar bis auf 6300 Punkte sieht Volker Bien, technischer Analyst der Unicredit, den Dax steigen. Er sieht es positiv, dass für den jüngsten Dax-Anstieg bereits geringe Umsätze ausgereicht haben: „Der Weg nach oben wird beschwerlicher, wenn immer größere Umsätze nötig werden“, sagt Bien. Für ihn ist derzeit eine Sektor-Rotation hin zu defensiveren Branchen wie Pharma und Telekommunikation im Gange. „Das ist ein gutes Zeichen, denn eine derart geprägte Zwischenkonsolidierung stabilisiert die erreichten Levels“, sagt Bien. Eine solche Konsolidierung könne drei bis vier Monate dauern und die Indizes auch noch durchaus zehn Prozent nach unten führen.
Nach der starken Abwärtsbewegung bis zum März stehe dies einer Bodenbildung aber nicht im Wege. „Sollte danach der Ausbruch über die Nackenlinien der Bodenbildungsformation gelingen, kann die Formation nach oben aufgelöst werden“, sagt Bien. „Dann hat der Dax Potential bis auf 6300 Punkte.“ Es handele sich nicht um eine Bärenmarktrally, sondern um einen Aufwärtstrend einer Stärke, wie sie in den vergangenen zehn Jahren nicht auszumachen war. „Unterstützend für die Märkte wirkt hier die miserable Stimmung der Anleger, wenn sie nach den mittelfristigen Perspektiven befragt werden“, sagt Bien.
Ist Adidas nur eine Ausnahme oder ein Schulbeispiel?
Gerhard Dünnhaupt (dunnhaupt)
- 16.05.2009, 00:53 Uhr
Viel zu optimistisch!
Alex Merck (AlexM3)
- 16.05.2009, 19:31 Uhr