09.12.2008 · Die Kreditklemme ist zwar eine der größten Herausforderungen des Marktes, jedoch nur eine von vielen Belastungen für die im bisherigen Jahresverlauf kontinuierlich gesunkenen Unternehmensgewinne.
Von Alec YoungDie vom Schlusstief bei 752,44 Punkten am 20. November ausgehende jüngste Rally des S&P-500 ist angesichts des monatelangen Verkaufsdrucks zwar eine willkommene Erleichterung, ein neuerlicher Test der Tiefs scheint in unseren Augen jedoch wahrscheinlich.
Auch wenn die Erosion der Unternehmensgewinne und die drohende weltweite Rezession bereits zu einem großen Teil in der jüngsten volatilen Kursentwicklung enthalten sind, gehen die Schätzungen für die zweite Jahreshälfte 2009 von einer Verbesserung der wirtschaftlichen Lage und der Gewinnsituation aus.
Rüsten für einen längeren Abschwung
Sollte die gegenwärtige globale Konjunkturabschwächung allerdings länger und tiefer ausfallen als zunächst angenommen, dann rechnen wir für Aktien mit einem neuerlichen Verkaufsdruck, wenn die Märkte einen noch düsteren Ausblick einpreisen. Angesichts des bislang beispiellosen weltweiten Abbaus der Verschuldung scheint es angebracht, sich für den Fall eines längeren und tieferen Abschwungs zu rüsten.
Das derzeitige Kurs-Gewinn-Verhältnis des S&P-500 auf Basis der für 2008 geschätzten Gewinne mag mit 12,5 zwar historisch niedrig erscheinen, mit Blick auf weitere nach unten revidierte Gewinnerwartungen dürften sich die optisch günstigen Bewertungen jedoch als obsolet herausstellen.
Verbraucher unter Druck
Die amerikanischen Verbraucher, deren Konsumausgaben rund 70 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes ausmachen, sind infolge sinkender Eigenheimpreise derzeit massiv unter Druck, wobei wir aufgrund des hohen Bestands an unverkauften Häusern weiter rückläufige Preise prognostizieren.
Hinzu kommt eine drastische Abschwächung des internationalen Wirtschaftswachstums, von dessen früherer Stärke die amerikanischen Exporte und die Umsätze der S&P-500-Unternehmen profitierten. Europa, Großbritannien, Kanada, Japan, Australien und Neuseeland befinden sich in der Rezession oder stehen kurz davor.
Die wirtschaftliche Schwäche außerhalb der Vereinigten Staaten hat dem Dollar Auftrieb verliehen und damit die Situation der S&P-500-Unternehmen, deren ausländische Erlösbeiträge rund 45 Prozent ihrer Gesamtumsätze ausmachen, weiter verschlechtert.
In den Aktienkursen dürfte eine Verbesserung der Fundamentaldaten zwar vorweggenommen werden, wir gehen jedoch davon aus, dass die Weltwirtschaft und die Gewinnprognosen zumindest erste Anzeichen einer Stabilisierung aufweisen müssen, bevor es zu einer anhaltenden Rally kommen wird. Vor dem Hintergrund der bislang einmaligen weltumspannenden gesamtwirtschaftlichen Unsicherheit behalten wir weiterhin eine defensive Sektorallokation bei.
Dauerhafte Konsumgüter
Wir empfehlen eine Untergewichtung dieses Sektors. Wachsende Sorgen über die Länge und Tiefe der Rezession in den Vereinigten Staaten führen zu stetig nach unten korrigierten Gewinnschätzungen für Unternehmen dieses Sektors. S&P-Analysten formulieren einen negativen Ausblick für diesen Sektor, in dem sich die negativen Aussichten für viele Branchengruppen widerspiegeln, darunter Kaufhäuser, Automobilproduktion, Haushaltsgeräte und Inneneinrichtung.
Verbrauchsgüter
Auf Grundlage unserer Erwartungen überdurchschnittlicher Gewinnzuwächse und Gewinnvisibilität raten wir zur Übergewichtung dieses Sektors. Da sich bei der Kreditkrise kein schnelles Ende abzeichnet, die Talfahrt der Häuserpreise anhält und mit einer weiteren Verschlechterung auf dem Arbeitsmarkt zu rechnen ist, dürften Anleger verstärkt auf defensive Sektoren mit niedriger Volatilität setzen.
Energie
Wir empfehlen eine Übergewichtung des Energiesektors, da wir davon ausgehen, dass sich die niedrigen Bewertungen in einer Wiederaufnahme der überdurchschnittlichen Wertentwicklung gegenüber dem Gesamtmarkt niederschlagen werden. Der Preis für die amerikanische Rohölsorte WTI ist seit Juli zwar um 65 Prozent gesunken, doch die unlängst um 50 Dollar pendelnden Ölpreise entsprechen noch immer in etwa dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre.
Finanzdienstleistungen
Wir raten zur Marktgewichtung dieses Sektors. Nach den von der amerikanischen Regierung zur Stärkung des Anlegervertrauens unternommenen Anstrengungen scheint der Sektor das Schlimmste überstanden zu haben. Nach unserer Ansicht hat das staatliche Rettungsprogramm für problembehaftete Vermögenswerte (TARP), das unter anderem Kapitalspritzen für Finanzinstitute vorsieht, einen Teil der mit diesem Sektor verbundenen Unsicherheit beseitigt.
Gesundheitswesen
Wir empfehlen Anlegern eine Übergewichtung dieses Sektors. Da wir eine anhaltend hohe Aktienvolatilität für wahrscheinlich halten, dürften Anleger von den defensiven Qualitäten und der besseren relativen Wertentwicklung dieses Sektors profitieren. Für die Biotechnologiebranche sprechen S&P-Analysten aufgrund verbesserter Aussichten für Umsatz und Gewinn in den kommenden zwölf Monaten einen positiven fundamentalen Ausblick aus.
Industrie
Wir raten zur Untergewichtung des Industriesektors, da wir davon ausgehen, dass die schwachen Aussichten für die in den Vereinigten Staaten generierten Gewinne durch eine Verlangsamung des internationalen Wirtschaftswachstums weiter eingetrübt werden. Angesichts der sich beschleunigenden Rezession in Amerika und rezessiver Tendenzen rund um den Globus ist dieser zunehmend zyklische globale Sektor nach unserer Auffassung anfällig für eine KGV-Kontraktion, da Anleger die künftigen Gewinnwachstumsaussichten verstärkt anzweifeln.
Informationstechnologie
Wir empfehlen eine Marktgewichtung dieses Sektors, da wir eine über dem Markt liegende Wertentwicklung infolge der weltweiten Wachstumsverlangsamung und des stärkeren Dollars für wenig wahrscheinlich halten. Auf kurze Sicht rechnen wir aufgrund des starken Dollars zwar nicht mit einer wesentlichen Beeinträchtigung der Ergebnisse, die damit verbundene ungünstige Stimmung gibt jedoch Anlass zur Sorge.
Grundstoffe
Wir raten zur Marktgewichtung des Grundstoffsektors. Nach unserer Überzeugung werden die niedrigen Bewertungen von der weltweiten Wachstumsabschwächung und vom festeren Dollar konterkariert, wodurch die Umsatz- und Gewinnaussichten des Sektors eingetrübt werden könnten. S&P-Analysten geben für diesen Sektor einen neutralen Ausblick ab, da sich die Wachstumsverlangsamung und die sinkende Nachfrage nach Rohstoffen etwa in Europa, Japan und den Vereinigten Staaten negativ auf den Sektor auswirken werde.
Telekommunikationsdienstleistungen
Auf Grundlage unseres positiven fundamentalen Ausblicks, der überdurchschnittlichen Rendite und der sich verbessernden charttechnischen Lage empfehlen wir eine Übergewichtung dieses Sektors. Der von S&P-Analysten formulierte positive fundamentale Ausblick gründet sich auf die positiven Aussichten für die Branche der integrierten Telekommunikationsdienstleistungen, die den Löwenanteil der Marktkapitalisierung des Sektors ausmacht.
Versorger
Aufgrund seiner defensiven Eigenschaften, seiner überdurchschnittlichen Dividendenrendite und einem sich aufhellenden technischen Ausblick raten wir Anlegern zur Marktgewichtung dieses Sektors. Der von S&P für diesen Sektor ausgesprochene neutrale Ausblick geht auf einige neutral eingestufte Branchen zurück, darunter die Branchengruppe der Stromversorger mit einem Sektoranteil von fast 60 Prozent.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.998,66 | +0,58% |
| EUR/USD | 1,3239 | +0,01% |
| Rohöl Brent Crude | 118,24 $ | +0,29% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |