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Aktienmarkt China Die Börsen laufen heiß

04.10.2007 ·  Die Aktienkurse an den Börsen im chinesischen Mutterland haben allein im dritten Quartal um rund 40 Prozent zugelegt. Seit Jahresbeginn ergibt sich ein Gewinn von fast 70 Prozent. Dennoch ist ein Ende der seit sechs Jahren laufenden Hausse noch nicht in Sicht.

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Die Börsen im chinesischen Mutterland laufen heiß. Das Kursniveau dort ist allein im dritten Quartal um rund 40 Prozent gestiegen. Seit Jahresbeginn ergibt sich ein Gewinn von fast 70 Prozent. Die laufende Haussephase, die Mitte vergangenen Jahres begann, hat zum Jahresbeginn exponentielle Züge angenommen. Aus technischer Sicht bedeutet dies nach dem Urteil von Analysten ein unmissverständliches Warnsignal. Sie verweisen darauf, dass die Bewertungen der an den chinesischen Börsen gehandelten Aktien im Vergleich mit anderen Schwellenmärkten konkurrenzlos hoch seien.

Das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis bewege sich inzwischen bei mehr als 30. Dabei geben kritische Strategen zu bedenken, dass die den Bewertungsschätzungen zugrunde liegenden Daten in vielen Fällen bei weitem nicht westlichen Standards genügten, also vieles offen ließen.

Keine Spur von Korrektur

Bemerkenswert erscheint Strategen, dass die jüngste Korrektur an den Aktienmärkten in der Welt an den chinesischen Börsen so gut wie spurlos vorübergegangen ist. Im Gegensatz dazu haben die in Hongkong notierten chinesischen Aktien (H-Aktien) kräftig reagiert, auch wenn sie sich seither kräftig erholen konnten.

Die Bewegungen sind Ausdruck der Erkenntnis, dass die als exzessiv geltende Hausse an den Börsen im chinesischen Mutterland im Wesentlichen hausgemacht ist. International orientierte Anleger, ob institutionelle oder private, meiden diese Märkte eher und engagieren sich über die Hongkonger H-Aktien in chinesischen Unternehmen. Die Börse in der ehemaligen britischen Kronkolonie führt traditionell eine strenge Aufsicht. Die von ihr geforderten Standards gelten selbst an etablierten westlichen Märkten als vorbildlich.

Werfen die Bären das Handtuch?

Viele Investmentbanken und unabhängige Fachleute haben die Hausse an den chinesischen Börsen über Jahre hinweg mit lautstarken Bedenken begleitet. Der Grund dafür war die Annahme, dass das aus den Nähten platzende Wachstum der Wirtschaft in China nicht von Dauer sein könne. Tatsächlich expandiert sie inzwischen seit sechs Jahren, und ein Ende ist nicht in Sicht.

Merrill Lynch glaubt jetzt Anzeichen dafür zu erkennen, dass die Skeptiker das Handtuch werfen werden. Ein konkreter Anlass dafür ist aus Sicht der Investmentbank, dass die Analysten nun erstmals seit zehn Jahren für den jeweils folgenden Zwölfmonatszeitraum ein zweistelliges prozentuales Wirtschaftswachstum ankündigten, und zwar 10,6 Prozent für 2008. Sie betrachtet dies als Kontraindikator, weil diese Vision inzwischen niemanden mehr überraschen könne.

Wenn nun auch noch die beharrlichen Zweifler und Zauderer ins Lager der Optimisten überwechselten, sei Vorsicht geboten. Merrill Lynch argwöhnt, dass an den chinesischen Börsen ein Stadium erreicht sein könnte, in dem unerwartet geringes Wachstum eine gewichtige negative Überraschung nicht nur für die Finanzmärkte dieses Landes darstellen würde. Jedenfalls könne man davon ausgehen, dass die Verhältnisse genau das Gegenteil von dem hervorbringen könnten, was die „herrschende Meinung“ ursprünglich erwartet habe. China stehe vor dem Punkt, an dem sich selbst gute Nachrichten als schlechte erweisen.

Quelle: F.A.Z., 04.10.2007, Nr. 230 / Seite 26
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