11.03.2009 · 10 Prozent hat der Dax seit seinem Tief am Montag an Boden gutgemacht. Mit 3.990 Punkten notierte er am Mittwoch in der Spitze fast 400 Zähler höher als noch zwei Tage zuvor. Experten sehen wieder höhere Risikobereitschaft der Anleger.
10 Prozent hat der Dax seit seinem Tief am Montag an Boden gutgemacht. Mit 3.990 Punkten notierte er am Mittwochnachmittag in der Spitze fast 400 Zähler höher als noch zwei Tage zuvor. Alleine am Mittwoch legte er zumindest im Tagesverlauf nochmals bis zu zwei Prozent zu, am Dienstag waren es 5,3 Prozent gewesen.
Die extremen Kursschwankungen der vergangenen Wochen zeigen die Unsicherheit der Marktteilnehmer. Aktienmarktexperten sehen darin aber auch Anzeichen einer Bodenbildung. „Tagesschwankungen von 5 Prozent rauf und 5 Prozent runter sind ein Indiz für eine Bodenbildung“, sagt Martin Gilles, Aktienstratege der West LB, anlässlich der Frühjahrs-Aktienmarkt-Prognose des Bundesverbandes Öffentlicher Banken in Frankfurt. „Wir sind am Aktienmarkt mittlerweile in einem Bereich angekommen, wo der Versuch einer Bodenbildung gelingen könnte.“
Kann der Versuch einer Bodenbildung gelingen?
Das makroökonomische Umfeld sei zwar ein Novum für die Aktienmärkte in der neueren Wirtschaftsgeschichte, und die Gewinnerwartungen der Analysten dürften noch weiter sinken, in die Gewinnschätzungen habe aber ohnehin kaum noch jemand ein größeres Zutrauen. "Das Rückschlagpotenzial durch weiter sinkende Gewinne und Gewinnerwartungen ist deshalb begrenzt", sagt Gilles. "Vielmehr ist zu beobachten, dass der Risikoappetit auf einem Tief angekommen sein dürfte und einige Anleger nicht mehr nur die Risiken der Geldanlage in Aktien im Blick haben, sondern auch wieder auf die Renditechancen schauen." Alleine mit Staatsanleihen ließen sich die Renditeziele der meisten Investoren nämlich auf Dauer nicht erreichen. Gilles hält daher an seiner optimistischen Dax-Prognose von 5300 Punkten zum Jahresende fest.
Auch Markus Reinwand von der Landesbank Hessen-Thüringen ist der Auffassung, dass die Aktienmärkte bereits der Realität ein ganzes Stück vorausgeeilt sind: "Die Aktienmärkte sind in Vorleistung getreten und haben einen starken Rückgang der Unternehmensgewinne bereits eingepreist und Risiko mit hohen Preisen versehen." Er rechnet daher mit einer Markterholung um 40 bis 50 Prozent.
Einer solchen Erholung steht nach Ansicht von Ulrich Kater, dem Chefvolkswirt der Deka-Bank, vor allem die Lage des Bankensektors noch entgegen: "Die Banken müssen energisch ihre Abschreibungen angehen und ihre Bilanzen in Ordnung bringen." Andernfalls sei eine Besserung der Lage vorerst ausgeschlossen. Zudem schwebe über den Märkten immer noch das Gespenst einer Deflationsspirale mit dem Horrorszenario des Japan der neunziger Jahre. "Solange ein solches Szenario darniederliegender Industrieproduktion und nachhaltig fallender Preise nicht ausgeschlossen werden kann, sind die Marktteilnehmer gegenüber allen Erholungsversuchen sehr misstrauisch", sagt Kater. Das Vorgehen der Zentralbanken und Staatsregierungen sei jedoch sehr viel entschlossener, als es in Japan damals zu Anfang der Fall gewesen sei. Die Wahrscheinlichkeit für ein Deflationsszenario sei daher derzeit sehr gering.
Wirtschaftskrise oder „gewöhnliche Rezession“ - das ist die Frage
Dem Eindruck, die Welt befinde sich in einer Wirtschaftskrise, tritt Jürgen Pfister, Chefvolkswirt und Aktienstratege der Bayern LB, entgegen: „Wir befinden uns ganz gewiss in keiner Wirtschaftskrise, weder in Europa noch in Nordamerika. Es ist eine Rezession und dazu nicht einmal eine schwere.“ Pfister rechnet im Jahresverlauf mit einer Wende an den Aktienmärkten: „Sie tritt üblicherweise zur Mitte einer Rezession ein. Da in den Vereinigten Staaten die Rezession schon 16 Monate dauert und der Durchschnitt der vergangenen Jahrzehnte 10 Monate Rezession waren, dürfte der Wendepunkt nicht mehr allzu fern sein.“
Die Entwicklung hänge dabei aber ganz entscheidend davon ab, ob die Rezession noch tiefer werde. Der synchrone Abschwung vieler eng vernetzter Volkswirtschaften spreche für eine tiefe Rezession, ebenso die Immobilienkrise einiger Länder und der erhebliche Vermögensverlust zahlreicher Anleger. Zudem werde die Wirksamkeit der Geldpolitik durch die Finanzkrise geschwächt, da ein Teil der Impulse im Bankensektor hängenbleibe. Andererseits verweist Pfister auf den großen Umfang der geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft rund um den Globus. Die deutlich gesunkenen Rohstoffpreise wirkten zudem konjunkturstimulierend, so dass durchaus einige Aspekte gegen eine tiefe Rezession sprächen und somit einer Erholung der Aktienkurse helfen dürften.
Für Dirk Gojny von der HSH Nordbank fehlt allerdings ein großer Ausverkauf an den Aktienmärkten oder aber eine völlig überraschende positive Nachricht, die er Big Bang nennt, damit die Kurse wieder kräftig steigen können. Er sieht den Dax daher bis zum Jahresende in einer Spanne zwischen 3.500 und 3.700 Punkten verharren.
Wenn der Hahn kräht auf dem Mist...
Martin Behmenburg (mahattma)
- 12.03.2009, 20:41 Uhr
Das Universum ist begrenzt, die Dummheit nicht
Hans-J. Sauer (Wertpapierportfolio)
- 13.03.2009, 12:55 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |