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Aktienmarkt Belgien : Lichtblick Colruyt

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Einzelhändler Colruyt: Einziger Lichtblick Bild: AP

Gut gelaufen sind die europäischen Aktienmärkte in den vergangenen zwölf Monaten alle nicht. Schlusslicht ist Belgien, nicht zuletzt aufgrund des hohen Gewichts der Finanztitel. Einziger Lichtblick: die Einzelhandelskette Colruyt.

          Dass die vergangenen zwölf Monate nicht gut war zu den europäischen Aktienbörsen, muss wohl kaum noch gesagt werden. Kein bedeutender Index verzeichnet in diesem Zeitraum ein Plus. Am schlimmsten erwischte es den belgischen Bel20-Index, wenngleich dessen Minus von 35,2 Prozent nur wenig höher ist das als des marktbreiten portugiesischen BVL mit 34 oder des griechischen ASE mit knapp 33 Prozent.

          Natürlich spielte die Finanzkrise dabei die gewichtigste Rolle, und das im wahrsten Sinne des Wortes, haben doch die Banken KBC, Dexia und Fortis in diesem ein Gewicht von rund 35 Prozent. Tatsächlich gehörten die drei Aktien zu den schwächsten Titel und verzeichnen mittlerweile Kursverluste von 34 bis 62 Prozent, zum großen Teil seit Jahresbeginn.

          Agfa-Gevaert auf Talfahrt

          Die größten Kursverluste aber verzeichneten die Leichtgewichte des Index, Agfa-Gevaert und Omega Pharma. 79 Prozent büßte die Aktie des in den Geschäftsbereichen Druck, Medizintechnik und Film aktive Agfa-Gevaert ein.

          Bild: F.A.Z.

          Zum Verhängnis wurden ihr dabei Ende Februar schwache Geschäftsergebnisse für das vierte Quartal. Das bereinigte Betriebsergebnis vor Einmal- und Restrukturierungsaufwendungen fiel unerwartet deutlich um 26 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 59 Millionen Euro, zudem stieg der Nettoverlust von 25 auf 27 Millionen, während der Umsatz deutlich als erwartet zurückging und der Konzern Hoffnungen auf eine Dividende abschlägig beschied.

          Neben der Restrukturierung und der Entschuldung nannte Firmenchef Jo Cornu einen schwachen Dollar und die hohen Rohstoffpreise als Ursachen. Insgesamt kämpft Agfa mit dem Zusammenbruch des Marktes für klassische Fotografie, die sich am schlimmsten in der Medizintechniksparte bemerkbar macht. Auch in dieser ist die gedruckte Version und die belichtete Folie wenig gefragt, während die digitalen Produkte die Einbrüche nicht wettmachen können.

          Colruyt-Aktie hält sich wacker

          Konnte sich der Aktienkurs zunächst wieder fangen, so fiel der Kurs am Freitag auf ein Allzeittief von 4,01 Euro. Der Konzern ist damit aber immer noch mit rund einer halbe Milliarde Euro bewertet. das ist gegenüber dem letztjährigen Umsatzvolumen von 3,3 Milliarden Euro wenig - doch spricht die Gewinnentwicklung nicht für ihn und angesichts dessen erscheint das geschätzte KGV von rund zehn für das laufende Jahr nicht wirklich billig.

          Immerhin einen Lichtblick kennt auch Belgien. Die Aktie des Einzelhändlers Colruyt weist auf Sicht von zwölf Monaten immerhin ein Plus von 10,55 Prozent aus. Das wäre im Dax hinter Volkswagen Platz zwei.

          Die großen Kursgewinne liegen zwar auch da in der Vergangenheit. Ihr Allzeithoch von 178,70 Euro verzeichnete sie im Mai 2007, dann ging es zunächst abwärts. Die Nachricht aber über den Erfolg der Anfang 2006 unter anderem mit REWE und der Schweizer Coop gegründeten Allianz Coopernic und die Übernahme des litauischen Supermarktkette IKI durch die Allianz führten zum Kursaufschwung, nicht zuletzt wohl weil Colruyt das einzig börsennotierte Unternehmen des Bündnisses ist.

          Schwieriger Weg nach oben

          In den Unbillen des Jahresanfangs hielt sich der Kurs stabil, was bereits positiv zu vermerken ist. Und nachdem das Unternehmen Ende Juni für das im März zu Ende gegangenen Geschäftsjahr einen Umsatzanstieg von knapp 9 Prozent, einen Anstieg des Ergebnisses je Aktie von 11,7 vermeldete und eine Dividendenerhöhung von 13,6 Prozent in Aussicht stellte, stieg der Kurs, der aus der Handelsspanne nach unten herauszufallen drohte, wieder an.

          Ob es aber für einen Ausbruch nach oben reicht, ist nicht ausgemacht. Zwar legt der Aktienkurs am Morgen leicht auf 171,70 Euro zu, doch ein Ausbruch aus der Seitwärtsbewegung des laufenden Jahres aber setzt die Überwindung des Märzhochs von 174,10 Euro voraus, bevor an neue Kursrekorde zu denken ist.

          Dem steht eine etwas anspruchsvolle Bewertung mit geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 17,8 für das laufende und 16,2 für das kommende Jahr entgegen. Dies erscheint angesichts steigender Inflationsraten und einer möglichen Abschwächung der europäischen Konjunktur eine recht große Hürde.

          Quelle: mho

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