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Aktienmarkt-Analyse Zinserhöhung bremst die Börse in Vietnam aus

25.11.2009 ·  Als erstes asiatisches Land hat Vietnam die Leitzinsen erhöht. Außerdem wurde die Landeswährung Dong abgewertet. Den Aktienkursen bekam dies überhaupt nicht gut. Der VN-Index fiel um 4,5 Prozent.

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Vietnam hat als erstes asiatisches Land am Mittwoch die Leitzinsen wieder angehoben. Zudem hat die Zentralbank die Landeswährung Dong abgewertet. Um die Inflation in den Griff zu bekommen, erhöhte die State Bank of Vietnam ihren Refinanzierungssatz am Mittwoch um einen Prozentpunkt auf acht Prozent. Höhere Zinsen sollen helfen, die Kreditvergabe im Land unter Kontrolle zu halten.

Die Notenbank hat zudem die Landeswährung um 5,2 Prozent abgewertet und das Kursband zum Dollar von fünf auf drei Prozent eingeengt. Das wachsende Defizit in der Handelsbilanz untergräbt das Vertrauen in den Dong, so dass immer mehr Sparer Geld von der Bank abheben, um Gold zu kaufen. Der Abstand zwischen dem niedrigeren Dong-Wechselkurs am Schwarzmarkt und dem offiziellen Kurs am Tagesmarkt hat sich auf 9 Prozent so stark ausgeweitet wie seit einem Jahrzehnt mehr. Am Dienstag fiel der Dong auf das Rekordtief von 17.882 je Dollar.

VN Index fällt um 4,5 Prozent

Auch am Aktienmarkt reagierten die Kurse mit Abschlägen. Der Leitindex VN fiel um 4,5 Prozent auf 503,41 Punkte. Insgesamt hat er damit verglichen mit dem am 22. Oktober markierten Jahreshoch bei 624,10 Punkten schon wieder gut 19 Prozent an Wert verloren. Und damit befinden sich die Notierungen nach wie vor auch deutlich unter dem Hoch vor zwei Jahren, als am 22. Mai ein Kursniveau von 1.113 Punkten erreicht worden war. Die diesjährige Bilanz kann sich aber trotzdem nach wie vor sehen lassen. Hatte der VN-Index das Vorjahr doch bei 315,62 Punkten beendet und bis zum 24. Februar war er sogar auf das Tief von 235,50 Punkten abgesackt.

Unter den Devisenexperten ordnete Tai Hui, Leiter des Analysebereichs Südostasien bei der Standard Chartered Bank Plc in Singapur, die Strategie der Notenbank wie folgt ein: „Die Zinserhöhung soll dem vietnamesischen Dong mehr Unterstützung geben, während die Abwertung den Export ankurbeln soll“. Entgegen dem breiten Aufwertungstrend asiatischer Währungen hat der Dong seit Jahresbeginn 2,3 Prozent zum Dollar verloren. Vietnams Wirtschaft ist vergangenes Jahr mit 6,2 Prozent so langsam gewachsen wie seit neun Jahren nicht mehr. Die Regierung hat dieses Jahr ein Wachstumsziel von 5 Prozent. „Die meisten Regierungen und Zentralbanken in Asien kämpfen gegen die Aufwertung ihrer Währungen und reden über Kontrollen im Kapitalverkehr“, sagt Hui. „Vietnam ist da die echte Ausnahme.“

Vertrauen in den Dong soll wieder gestärkt werden

Jaseem Ahmed von der Asian Development Bank geht davon aus, dass die Notenbank den Bürgern die Angst vor starken Wechselkursschwankungen nehmen will. Zudem solle sichergestellt werden, dass die Inflationserwartungen einen Ankerpunkt haben. Die Verbraucherpreise haben im November 4,35 Prozent zugelegt, wie das Statistikamtes in Hanoi am Mittwoch mitteilte. Eine so starke Teuerung gab es seit Mai nicht. Angesichts der deutlich gestiegenen Kreditvergabe geht Vietnams Regierung davon aus, dass die Inflation bis Jahresende auf sechs Prozent anzieht. „Es besteht das Risiko, dass die Teuerung zunimmt“, sagte der stellvertretende Ministerpräsident Nguyen Sinh Hung. „Um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln, haben wir viel Geld in die Unternehmen gepumpt.“

Von Januar bis Oktober ist das Volumen der ausgereichten Darlehen um 33 Prozent gestiegen. Damit ist die bereits die Obergrenze für das Gesamtjahr übertroffen. Die Regierung wollte das Kreditwachstum auf 30 Prozent beschränken. Der Kreditboom wird derweil von einem anderen Faktor begrenzt. Vietnams Banken geht inzwischen das Geld für neue Darlehen aus, da viele Sparer ihre Einlagen abheben und damit Gold und Dollar kaufen. Die jüngsten Wertsteigerungen haben die Verzinsung in letzter Zeit deutlich übertroffen. Um den Mittelabfluss zu stoppen, haben manche Institute ihre Einlagenzinsen vergangene Woche bis auf 9,99 Prozent erhöht. Kunden erhalten zudem Geschenke und Boni damit sie ihr Geld auf dem Bankkonto lassen. Die größte börsennotierte Bank des Landes, die Joint-Stock Commercial Bank for Foreign Trade of Vietnam (Vietcombank), und die Military Commercial Joint-Stock Bank wollen ihr Kapital erhöhen und junge Aktien ausgeben, um dem gestiegenen Geldbedarf nachkommen zu können.

In diesem Zusammenhang berichtet auch Michel Tosto von Vina Securities, dass es den Banken zuletzt auch wegen vorherrschender Abwertungsbefürchtungen zusehends schwer gefallen sei, Spargelder in Dong anzulocken und das wiederum habe ihre Kreditvergabefähigkeiten eingeschränkt. Ob der jetzt vorgenommene Abwertungsschritt für das Entstehen von wieder mehr Vertrauen ausreiche, hänge letztlich aber auch davon ab, wie es mit dem Goldpreis weitergehe. Sollte dieser weiter steigen, könnte das Geld in diese Anlage fließen und diese Entwicklung könnte den Dong weiter schwächen. Sollte es dazu kommen, seien weitere Maßnahmen, zu denen auch Importzölle gehören könnten, laut Tosto nicht ausgeschlossen.

Aktienanalysten geben sich zuversichtlich

Mit Blick auf den Aktienmarkt führte er zudem weiter aus, dass die steigenden Zinsen schlecht für alle jene Marktakteure sei, die per Kredit an der Börse aktiv seien. Der Abbau kreditfinanzierter Positionen könnten sich in den kommenden Tagen noch fortsetzen, insgesamt geht er aber davon aus, dass der Abgabedruck begrenzt bleiben dürfte. Zumindest gelte diese Annahme für den Fall, dass wieder vermehrt Dollar in Dong getauscht würden, denn die Mittel müssten dann irgendwo investiert werden. Und vermutlich würden sie nicht nur in Gold und Bankeinlagen fließen, sondern auch an den Aktienmarkt. Tosto sieht die Korrektur jedenfalls als gute Kaufgelegenheit und zur Wochenmitte seien die Ausländer auch so stark auf der Käuferseite vertreten gewesen, wie schon eine ganze Weile nicht mehr. Damit beurteilt Tosto die Kursperspektiven jetzt wieder optimistischer ein als noch Ende Oktober. Denn da hatte er bis Jahresende einen Kursrutsch von 20 Prozent vorhergesagt, der sich zu einem Großteil inzwischen auch bereits eingestellt hat.

Nach Einschätzung von Analyst Fiachra Mac Cana von Ho Chi Minh City Securities dürfte die Korrektur noch etwas anhalten, weil der Markt vermutlich noch etwas Zeit brauchen werde, um sich auf die veränderten Rahmendaten einzustellen. Sollte sich die vietnamesische Landeswährung aber stabilisieren, dann könnten sich die Aktienkurse anschließend auch durchaus wieder zügig erholen. Relativ zuversichtlich zeigen sich auch die Analysten bei Dragon Capital. Sie verweisen zur Begründung für ihre Haltung darauf, dass sich durch die bereits erlittenen Verluste die Bewertungen wieder spürbar zurückgebildet hätten. Auf Basis der hausinternen Gewinnschätzungen für 2009 und 2010 belaufen sich die Kurs-Gewinn-Verhältnisse auf 12,9 und 11,2, was durchaus vertretbar erscheint. Wer sich für Anlagen an der Börse in Vietnam interessiert, darf aber nie vergessen, dass es sich um einen sehr volatilen Markt mit viel Eigenleben handelt.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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