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Aktienmarkt-Analyse Vietnams Aktienmarkt probt die Trendwende

22.08.2008 ·  Bei einem Minus von rund 70 Prozent wurden die Bullen an der vietnamesischen Börse auf eine harte Probe gestellt. Doch jetzt scheinen die Optimisten wieder Oberwasser zu gewinnen. Der VN Index hat in den vergangenen Wochen zugelegt.

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Überaus volatil geht es seit einiger Zeit an der vietnamesischen Börse zu. Während es erst monatelang rasant nach unten ging, schickt sich der Markt jetzt an, ebenso schnell wieder nach oben zu laufen. Seit dem 20. Juni, als der VN Index im Tief bei 366 Punkten stand, hat er inzwischen um 44 Prozent auf 526 Punkte zugelegt. Alleine am Donnerstag betrug das Kursplus 3,44 Prozent. Und Fiachra Mac Cana vom lokalen Finanzdienstleister HSC gibt sich zunächst weiter zuversichtlich: „Die Stimmung ist gut derzeit und der Markt dürfte zumindest in den kommenden Tagen weiter zulegen.“

Das wäre auch bitter nötig, denn auch nach dem jüngsten Zwischenspurt sind die zuvor erlittenen Verluste noch lange nicht wieder aufgeholt. Trotz der vielen Vorschußlorbeeren, die auf den auf Sicht guten Wachstumsaussichten basierten, war der Aktienmarkt in Vietnam zwischenzeitlich in einen sehr schweren Abwärtsstrudel geraten. In der Spitze büsste der VN Index sage und schreibe rund 70 Prozent an Wert ein und bei einigen Standardwerten summierten sich die Kursverluste sogar auf bis zu 85 Prozent.

Volkswirtschaftliche Probleme

Verantwortlich für das Kursdesaster waren zunehmende Ungleichgewichte in der Volkswirtschaft. Diese gipfelten in der Angst vor einer Bankenkrise und einer massiven Abwertung der Landeswährung Dong. Sorgen bereiteten den Investoren dabei nicht nur ein wachsendes Leistungsbilanzdefizit, sondern auch eine stark gestiegene Inflationsrate (im Hoch betrug die Teuerungsrate mehr als 30 Prozent). Auch wegen den damit einhergehenden Bremsspuren musste die Regierung ihr Wachstumsziel für das laufende Jahr bereits von 8,5 auf 7,0 Prozent senken. Die Volkswirte bei HSBC rechnen sogar nur mit einem BIP-Plus von sechs Prozent.

Angesichts des eingetrübten Umfelds waren auch die nach der vorangegangenen Hausse (von Januar 2006 bis Oktober 2007 hatte sich der VN Index vervierfacht) hohen Bewertungen mit KGVs von um die 40 nicht mehr haltbar. Zumal solche Bewertungsübertreibungen erfahrungsgemäß beim Auftauchen von ersten Schwierigkeiten im wirtschaftlichen Umfeld schnell korrigiert werden. Will man der jüngsten Baisse aber etwas Gutes abgewinnen, dann sind das die inzwischen deutlich gesunkenen Bewertungen. So wird das KGV von der Fondsgesellschaft Dragon Capital auf Basis der Gewinnschätzungen für 2009 auf rund 14,0 und für 2010 auf etwa 11,3 beziffert.

Wie die jüngsten Kursgewinne zeigen, werden von solchen Kennziffern langfristig orientierte Value-Investoren wieder angelockt. Ablesen lässt sich das wiedererwachte Interesse neben den anziehenden Handelsumsätzen auch am Chart des VN Index. In den vergangenen Wochen ist es gelungen, einen Boden auszubilden und die auch psychologisch wichtige Marke von 500 Punkten zu überwinden. Auf dem aktuellen Niveau hat es der Index sogar geschafft, den langfristigen charttechnischen Abwärtstrend zu überwinden. Das ist zumindest aus technischer Sicht ein ermutigendes Signal. Geholfen haben dem Markt neben den gesunkenen Bewertungen auch erste Entspannungen auf der volkswirtschaftlichen Seite. So sank das Außenhandelsdefizit im Juli auf rund 800 Milionen Dollar und die Preise stiegen im Juni mit 1,14 Prozent auf Monatsbasis am langsamsten seit Oktober des Jahres 2007 (im Mai betrug das Plus noch 3,9 Prozent).

Trotz dieser Hoffnungsschimmer sind aber weitere Anstrengungen nötig, um die volkswirtschaftlichen Rahmendaten wieder ins Lot zu bringen. So würde sich das Leistungsbilanzdefizit selbst auf dem zuletzt ermäßigten Niveau im Gesamtjahr gemessen am Bruttoinlandprodukt noch immer im Bereich von 15 Prozent bewegen. Auch die Teuerungsrate war zuletzt im Jahresvergleich mit 27 Prozent absolut betrachtet noch immer viel zu hoch. Eine erste Nagelprobe steht hier kommende Woche bei der Bekanntgabe der Inflationszahlen für August an. Im Markt wird mit einem Monatsplus von 1,7 bis 2,0 Prozent gerechnet, was einen erneuten Anstieg bedeuten würde. Allerdings beziffert Dragon Capital den Einfluss der angehobenen Benzinpreise auf 0,8 Prozent, womit sich die erwartete Teuerungsrate schon wieder etwas besser darstellt.

Dennoch bleiben beim Thema Inflation natürlich Zweifel bestehen. Außerdem bleibt abzuwarten, ob sich die Ergebnisprognosen tatsächlich erfüllen werden. Die Bewertungsberechnungen von Dragon basieren für die beiden nächsten Jahre auf möglicherweise zu optimistischen Gewinnsteigerungen von 19,2 und 24,4 Prozent sowie auf Umsatzzuwächsen von 23,1 und 17,0 Prozent.

Langfristige Wachstumsaussichten sprechen für das Land

Selbst jedoch wenn es kurz- und mittelfristig noch zu weiteren Enttäuschungen kommen sollte, langfristig gesehen dürfte der wirtschaftliche Aufstieg Vietnams nur schwer zu stoppen sein. Die Experten von PriceWaterHouseCoopers sagen dem Land in einer Studie bis zum Jahr 2050 jährliche durchschnittliche Wachstumsraten von 9,8 Prozent voraus. Unter dem Strich dürfte es sich deshalb aus Anlegersicht lohnen, die vietnamesische Börse auf dem Radarschirm zu behalten.

Wer langfristig mitmischen will, für den stehen neben etlichen Vietnam-Fonds auch einige Zertifikate zur Verfügung. So hat ABN Amro Mitte Juli ein Open End Zertifikat auf den Vietnam II TR Index (Isin DE000AA01WG4, 44,95 Euro) aufgelegt. Wer risikoreicher agiert und an eine kurzfristige Fortsetzung der jüngsten Rally glaubt, für den gibt es vom gleichen Emittenten auch entsprechende Mini Long Hebelprodukte auf den aktuell bei 1.118 Punkten notierenden Vietnam II TR Index. Beim Produkt mit der Isin NL0006364077 (Kurs: 3,82 Euro) beträgt der Hebel 1,87 und die Stopp-Loss-Marke liegt bei 576 Punkten. Beim anderen Instrument mit der Isin NL0006364085 (Kurs: 3,04 Euro) belaufen sich die entsprechenden Parameter auf 2,43 und 715 Punkte.

Aufgrund der geschilderten volkswirtschaftlichen Probleme dürfte es an der vietnamesischen Börse auch zukünftig volatil zugehen. Der Markt ist deshalb nur etwas für risikofreudige Investoren. Diese Einschätzung gilt natürlich erst Recht für die Mini Short Zertifikate.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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