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Aktienmarkt-Analyse Türkische Börse vor Kampf mit der 20.000 Punkte-Hürde

13.01.2004 ·  In weniger als einem Jahr haben sich die Kurse am türkischen Aktienmarkt locker verdoppelt. Kurzfristig schreit das nach einer Korrektur. Langfristig bezeichnen Fondsmanager das Kurspotenziel aber als offensichtlich.

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An der türkischen Börse geht es oft volatil zu. Wenn sich die Kurse erst einmal in eine Richtung in Bewegung gesetzt haben, sind sie oft nicht mehr zu bremsen. Das Gute daran ist, daß derzeit das Pendel in die richtige Richtung ausschlägt. Das heißt, die Kurse steigen. Und zwar richtig. Seit einem gegen Ende des ersten Quartals 2003 erreichten Zwischentief haben sich die türkischen Aktienkurse im Schnitt mehr als verdoppelt.

Der richtungsweisende Aktienindex ISE National 100 hat in dieser Zeit um 124 Prozent zugelegt. Am Ende der Vorwoche hat er dabei mit 19.926 Punkten den höchsten Stand aller Zeiten erreicht. Allerdings nur auf Basis der türkischen Landeswährung Lira. Gemessen am Dollar und bereinigt um die Inflation müßten sich die Kurse vermutlich noch einmal rund verdoppeln, um das bisherige Rekordhoch zu erreichen.

Mehrere Kaufgründe treiben die Kurse

Von einer maßlosen Übertreibung am türkischen Aktienmarkt kann somit auch so gesehen nicht zwangsläufig gesprochen werden. Schließlich ist es nach dem Krisenjahr 2001 zu einer deutlichen volkswirtschaftliche Stabilisierung gekommen, wie Manfred Zourek, Fondsmanager des Espa Stock Istanbul von der österreichischen Erste Sparinvest erklärt. So ist die Wirtschaft im Vorjahr mit einer Rate von vermutlich rund fünf Prozent gewachsen und auch die Bedienung der noch immer sehr hohen Verschuldung im Ausland ist zumindest derzeit kein Problem.

Noch keine Überhitzungssignale sendet auch das Kurs-Gewinn-Verhältnis aus. Dieses wird von Mike Bayer, Fondsmanager des Türkei 75 Plus Fonds, auf rund 14 beziffert. Zu Gute gekommen ist dem Markt natürlich auch das schnelle Ende im Irak-Krieg, die wegen der strategischen Lage der Türkei aus Amerika fließenden Hilfsmittel, eine im Vergleich mit früheren Jahren stabilisierte politische Lage und selbstverständlich auch die Aussicht auf eine Aufnahme der Verhandlungen hinsichtlich eines langfristigen Beitritts in die Europäische Union.

Wann, und ob es überhaupt zu einer EU-Aufnahme kommen wird, steht derzeit zwar noch in den Sternen. Wie Fondsmanager Bayer betont, stehen dem noch zahlreiche Hürden im Weg. Dazu zählt als eines der größten Hindernisse der noch immer ungelöste Zypern-Konflikt. Trotz Risiken wie diesem bilden die zuvor genannten Faktoren einen günstigen Datenkranz für weiter steigende Kurse.

Markt hat langfristig weiter Kurspotenzial

Zourek billigt den türkischen Aktien jedenfalls noch immer beträchtliches Potenzial zu. Allerdings nicht ohne gleichzeitig von einem vermutlich auch weiterhin sehr volatilen Kursgeschehen zu warnen. Grundsätzlich an weiter steigende Kurse glaubt auch Bayer. „Mittel- und langfristig ist das Kurspotenzial in der Türkei offensichtlich,“ legt er sich fest.

Kurzfristig gesehen würde er nach den zuletzt massiven Kursgewinnen aber gerne erst einmal eine Konsolidierung sehen. Diese könnte auch dem jetzt erreichten Rekordniveau anstehen. Schließlich stelle die Marke von 20.000 Punkten auch eine gewisse psychologische Hürde dar, die den Index möglicherweise zunächst etwas bremsen wird.

Auf Branchen- und Einzelwerteebene sieht Zourek in den Banken dank der in den vergangenen Monaten stark gesunkenen Zinsen noch immer die interessanteste Branche am türkischen Aktienmarkt. Aber dieser Sektor könnte vielleicht schon nach dem Ende des ersten Quartals in seiner Favoritenstellung durch mehr realwirtschaftlich orientierte Branchen abgelöst werden.

Auch Bayer bestätigt, daß man an den Banken alleine schon aufgrund ihrer Bedeutung an der türkischen Börse nicht vorbei kommt. Eher hat aber wegen der zuletzt relativ starken Lira bereits verstärkt begonnen, sich mehr auf binnenorientierte Titel zu konzentrieren. Dazu zählen Engagements im Bausektor, wie etwa bei der Gesellschaft Alorka, zumal diese Branche zusätzlich vom Aufbau im Irak profitieren könnte.

Engagements scheinen über Fonds am sinnvollsten

Wer sich für ein Investment an der türkischen Börse interessiert, der hat zwar die Möglichkeit auch auf einige hierzulande gehandelte Werte zu setzen. Diese Titel sind aber derart illiquide, daß dies wenig ratsam erscheint. Sinnvoller erscheint es auch aus Gründen der Risikostreuung dagegen zu sein, auf einen der drei hierzulange zugelassenen Türkei-Fonds zu setzen.

Dabei fällt auf, daß sich die Performance dieser drei Fonds auf Sicht der vergangenen zwölf Monate kaum unterscheiden. So hat der Espa Stock Istanbul (ISIN: AT0000704341) in dieser Zeit um 66,93 Prozent zugelegt, der Türkei 75 Plus Fonds (ISIN: LU0093368008) der Ceros Vermögensverwaltung um 66,54 Prozent und der Turkisfund Equities (ISIN: LU0085872058) der Isbank um 68,51 Prozent.

Diesen Gleichlauf erklärt Bayer damit, daß den Fonds in der Regel aus Liquiditätsgründen nicht viel anderes übrig bleibt, als sich auf die größten Aktien zu konzentrieren. Und bei dieser Taktik unterscheiden sich die Portfolios dann eben nicht wesentlich.

Der Chart zeigt den Kursverlauf des türkischen Aktienindex ISE National 100.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

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