23.08.2010 · Der Aktienmarkt in Australien hat seit 1900 die beste Entwicklung vorzuweisen. Doch in den vergangenen zwölf Monaten war in „Down Under“ wenig zu verdienen. Und der Patt bei den Wahlen spricht dafür, dass die Kurse zunächst auf Richtungssuche bleiben.
Die Australier haben am Sonntag gewählt, eine echte Entscheidung hat der Urnengang aber nicht gebracht. Denn das Ergebnis der Parlamentswahlen ist erstmals seit 70 Jahren wieder ein Patt. Jetzt müssen parteiübergreifende Gespräche klären, ob Premierministerin Julia Gillard an der Macht bleibt oder Oppositionskandidat Tony Abbott das Ruder übernimmt. Klar ist aber: Die künftige Regierung in Australien steht auf wackligen Beinen.
Der Ausgang der Wahlen passt mit einem Unentschieden zur Lage am australischen Aktienmarkt. Auch dort kann sich im Wettstreit zwischen Bullen und Bären niemand einen klaren Vorteil erarbeiten. Seit einem Jahr tendieren die Kurse dadurch nun schon seitwärts. Mit einer Schlussnotiz von 4460,50 Punkten notierte der All Ordinaries Index am Montag praktisch auf dem Niveau von 4465,10 Punkten, bei dem der Leitindex am 14. August 2009 aus dem Handel gegangen war. Selbst am Berichtstag reagierte der All Ordinaries Index mit einem geringen Minus von 1,6 Punkten lethargisch.
Diese verhaltene Reaktion ist wegen de Patt einerseits verständlich, andererseits aber auch überraschend, mögen die Finanzmärkte doch traditionell keine Unsicherheiten, wie sie jetzt mit dem Wahlergebnis verbunden sind. So würde ein Sieg der Labor-Partei vermutlich bedeuten, dass den Betreibern von Kohlebergwerken und Eisenerzminen eine neue 30-Prozent-Steuer droht, während die bisherige Opposition aus Liberalen und Nationaler Partei gegen diese Steuer ist. Auch hatte Gillard im Wahlkampf den Aufbau eines 43 Milliarden Austral-Dollar teuren Nationalen Breitbandnetzes angekündigt, was Abbott als Verschwendung bezeichnete.
Auch das rohstoffreiche Australien ist nicht sorgenfrei
Die Finanzen sind zu einem Wahlkampfthema geworden, weil der mit Hilfe von staatlichen Konjunkturprogrammen geführte Kampf gegen die Kreditkrise auch in Australien zu Haushaltsdefizit geführt hat. Die Prognosen für das Minus belaufen sich derzeit für das Fiskaljahr 2010/11 auf 40,7 Milliarden Austral-Dollar, nachdem im Jahr zuvor ein Minus von 57,1 Milliarden Austral-Dollar angefallen war. Aber die Planungen des Finanzministeriums gehen auch davon aus, dass 2012/13 wieder ein Überschuss von 3,1 Milliarden Austral-Dollar anfallen wird.
Insgesamt würde Australien damit dann im internationalen Vergleich sogar noch ganz gut dastehen. Und das gilt im Grunde genommen auch für viele andere Bereiche. Dank des Rohstoffreichtums und der Nähe zum rohstoffhungrigen China werden für dieses und nächstes Jahr mit Wachstumsraten von immerhin gut 3 Prozent gerechnet. Auch 2009 legte das Bruttoinlandsprodukt um 1,4 Prozent zu, womit Australien als einzige große Volkswirtschaft weltweit ohne Rezession durch die Wirtschaftskrise gekommen ist. Insgesamt konnte das Land seit nunmehr 18 Jahren in Folge Wachstum verzeichnen.
Frei von Problemen ist der Kontinent aber dennoch nicht. So erklärte das Wirtschaftsforschungsinstitut BIS Shrapnel erst an diesem Montag, Dass sich die nächste Regierung mit einem steigenden Inflationsdruck und der Aussicht auf höhere Leitzinsen in den nächsten drei Jahren auseinandersetzen müsse. Hinzu kämen zunehmende Kapazitätsengpässe, etwa im Bereich von Facharbeitern. Das gelte unter anderem in der florierenden Bergbauindustrie. Für die Minenbetreiber dürfte es laut BIS schwieriger werden, ihre Projekte voranzutreiben.
BIS erwartet dem Report zufolge, dass die australische Notenbank den Leitzins von derzeit 4,5 Prozent auf bald 6,5 Prozent anheben wird. Schon im Oktober hatte die Notenbank damit begonnen, die Leitzinsen wieder nach oben zu schrauben. Defizite gibt es ansonsten im Bildungs-, im Gesundheitssystem und bei der Altersvorsorge sowie bei der Infrastruktur. Und am Immobilienmarkt finden sich zudem Anzeichen für eine Blase.
Bestes Rendite-Risiko-Ergebnis seit 1900
Weil die Probleme anderswo aber zumeist noch viel größer sind, bekam Australien in den vergangenen Jahren von den Investoren zumeist gute Noten. Doch nicht nur das. Wie eine Studie der Credit Suisse zeigt, erzielte der Aktienmarkt in Australien in den vergangenen 110 Jahren die besten Ergebnisse. Von 1900 bis 2009 ergab sich im Schnitt ein jährlicher Wertzuwachs von 7,5 Prozent bei einer Standardabweichung von 18,2 Prozent. Unter Rendite-Risiko-Aspekten waren dies die besten Werte unter den in der Studie einbezogenen 19 großen Börsen.
Damit diese Erfolgsbilanz eine Fortsetzung finden kann, kommt es nun darauf an, dass die im All Ordinaries Index vertretenen Unternehmen die im kommenden Jahr von ihnen erwarteten deutlichen Gewinnsteigerungen auch tatsächlich einfahren können. Beim Broker Macquarie rechnet man nach einem nur leichten Gewinnanstieg in diesem Fiskaljahr jedenfalls mit einem Gewinnplus im nächsten Jahr von durchschnittlich 22,7 Prozent. Dadurch würde sich dann das Kurs-Gewinn-Verhältnis von derzeit nur neutralen 15,1 auf wieder moderatere 12,3 ermäßigen. Erst wenn sich abzeichnet, dass man in dieses Bewertungsniveau über die erwähnten Gewinnzuwächse hineinwachsen kann, ist dem lokalen Aktienmarkt ein Ausbruch nach oben zuzutrauen. Bis dahin sollte sich aber immerhin die durchschnittliche Dividendenrendite von immerhin 4,3 Prozent als Kursstütze erweisen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |