07.09.2007 · Der Kursmotor an der in den Jahren zuvor so erfolgsverwöhnten Züricher Börse ist 2007 etwas ins Stocken geraten. Die Hypothekenkrise hinterlässt eben gerade auch in der bankenlastigen Schweiz ihre Spuren - wie man am Freitag deutlich sieht.
Die von der Hypothekenkrise in Amerika ausgelösten Turbulenzen haben fast allen Weltbörsen zugesetzt. Auch der Aktienmarkt in der Schweiz konnte sich dem Abwärtssog nicht entziehen. Vielmehr ging es sogar stärker zur Sache als am deutschen Aktienmarkt. Während hierzulande der Dax gegenüber seinem Hoch in der Spitze 9,8 Prozent an Wert verlor, gab der Schweizer SMI-Index um 11,6 Prozent. Am Freitag kommt der SMI mit einem Minus von 1,7 Prozent aber etwas besser davon als der Dax.
Die deutlichen Kursrückgänge haben deutlich gemacht, dass die Börse in der Schweiz, auch wenn das Land eine Sonderstellung innerhalb Europas genießt, kein vom Rest der Welt losgelöstes Dasein führt. Und weil sich daran auch in Zukunft nichts ändern dürfte, wird die weitere Entwicklung davon abhängen, wie es mit der amerikanischen Hypothekenkrise und allgemein mit den Weltbörsen weitergeht.
Nachdem sich in dieser Hinsicht die Wogen zuletzt etwas geglättet hatten, sieht dies am Freitag nach den schwachen amerikanischen Arbeitsmarktdaten schon wieder ganz anders aus. Schon zuvor standen die Märkte trotz der laufenden Erholung unter dem latenten Druck, ob in Sachen Hypothekenkrise schon das letzte Wort gesprochen sei.
Fundamentales Umfeld noch intakt bisher
Längerfristig ist ermutigend, dass sich die Volkswirtschaft in der Schweiz in solider Verfassung präsentiert. So kann in der Schweiz nach einem Anstieg von 2,7 Prozent im Vorjahr in diesem Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von 2,6 Prozent gerechnet werden (im zweiten Quartal betrug das plus 2,8 Prozent) und im nächsten Jahr ungefähr mit 2,5 Prozent. Und da sich auch der sonstige volkswirtschaftliche Datenkranz in vernünftigen Bahnen bewegt, strahlen von dieser Seite kaum Probleme auf den Aktienmarkt aus.
Relativ erfreulich gestaltet sich mit den Bewertungen auch ein weiterer wichtiger Aspekt bei der Beurteilung der fundamentalen Ausgangslage. In der Schweiz bewegt sich das Markt-KGV mit 15,1 für 2007 und 13,6 für 2008 zwar nur in etwa auf dem Durchschnittsniveau anderer europäischer Märkte. Aber dafür beinhaltet der Markt auch etliche Unternehmen von Weltrang, die in der Vergangenheit schon oft ihr Können unter Beweis gestellt haben.
Wichtige Unterstützungszonen haben bisher gehalten
Vermutlich haben die genannten fundamentalen Faktoren mit dazu beigetragen, dass wichtige Unterstützungszonen gehalten haben. Die Tatsache, dass der SMI nicht nachhaltig unter die Marke von 8.400 Punkten gefallen ist, gibt Anlass zur Hoffnung, dass das Schlimmste bereits ausgestanden ist. Dank der zwischenzeitlich erfolgten Kurserholung schickt sich der SMI jedenfalls schon wieder an, seinen kurzfristigen Abwärtstrend nach oben zu verlassen, auch wenn der Freitag wieder für einen deutlichen Rückschlag sorgt.
Ob dies tatsächlich gelingt, hängt vor allem davon ab, wie stark sich die Hypothekenkrise auf die Weltkonjunktur auswirken wird. Auch wenn die konjunkturellen Bremsspuren durch die jüngsten Turbulenzen deutlicher ausfallen könnten als bislang angenommen, besteht immer noch die Aussicht auf ein letztlich glimpfliches Ende. In den vergangenen Jahren haben die Volkswirtschaften zumindest schon etliche Schocks weggesteckt und weil sich die Konjunktur in der Schweiz momentan robust präsentiert, könnte es auch dieses Mal glimpflicher abgehen als vielfach befürchtet.
Indes ergibt sich für die Kursaussichten der Schweizer Börse auch eine gewisse Belastung dadurch, dass Banken und Versicherungen eine relativ hohe Gewichtung haben, diese beiden Branchen wegen der Hypothekenkrise aber besonders kritisch von den Marktakteuren betrachtet werden.
Jenseits der möglichen negativen Auswirkungen der Krise können die Voraussetzungen für mittelfristig wieder steigende Kurse in Zürich durchaus als gut bezeichnet werden, auch wenn wir uns mit dem September im traditionell schwächsten Börsenmonat befinden. Und so gesehen könnte es gut sein, dass sich im Zuge eines erneuten Tests des Abwärtspotentials nach unten günstige Einstiegschancen ergeben. Denn im vierten Quartal laufen die Börsen historisch betrachtet dann speziell im November und im Dezember sehr gut.
Ausgewählte Einzelwerte versprechen Kurspotential
Unter den Einzelwerten hat der Schweizer Kurszettel natürlich auch unabhängig vom allgemeinen Marktgeschehen den einen oder anderen interessanten Wert zu bieten. Die Aktie des Maschinenbauers Kardex (Vernachlässigte Kardex-Aktie hat Erholungschance) hat gute Erholungschancen und ebenfalls spannend klingt die Anlagestory bei Vetropack (Vetropack profitiert von Glasboom und hofft auf die Fußball-EM). Der Schweizer Glashüttenbetreiber konnte mit glänzenden Halbjahreszahlen aufwarten und zwar kletterte der Gewinn um stolze 181 Prozent auf 44 Millionen Franken. Damit wurde nicht nur im ersten Halbjahr schon so viel verdient wie im gesamten Vorjahr, sondern damit dürfte auch klar sein, dass die bisherigen Gewinnschätzungen für 2007 deutlich zu tief angesetzt waren.
Das auch in Osteuropa sehr gut positionierte Unternehmen könnte nun im Gesamtjahr einen Gewinn von mindestens 180 Franken je Aktie erzielen. Das wäre dann gleichbedeutend mit einem für ein solides Unternehmen wie Vetropack niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis von gut elf. Vor diesem Hintergrund verwundert es auch nicht, dass der Aktienkurs fast auf Rekordniveau notiert und der Titel mit einem lupenreinen langfristigen Aufwärtstrend aufwarten kann.
Oerlikon mit Chancen auf Erholung
Günstig bewertet ist bei Erreichen der Analystenprognosen mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund zehn auf Basis der für 2008 geschätzten Gewinne auch Oerlikon. Zum Vergleich: Ein Konkurrent wie Sulzer wird derzeit ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18 zugebilligt. Die Aktien des Maschinenbau-Unternehmens sind in den vergangenen Monaten kräftig unter die Räder gekommen. Woran das genau lag, ist bis heute noch nicht ganz klar. Das zuletzt schwache Kursverhalten wird somit Fragen auf und es bleibt zu hoffen, dass es nicht doch noch zum Kursverlauf passende Hiobsbotschaften geben wird.
Zu beachten ist dabei auch, dass Oerlikon noch immer mitten in einer Phase der Umstrukturierung steckt. Die einstige Unaxis wurde von ursprünglich acht auf drei Sparten reduziert und in fünf Jahren soll das Unternehmen noch stärker fokussiert sein auf die beiden Bereiche Maschinenbau und High-Tech-Komponenten sowie technologisch anspruchsvolle Gesamtlösungen.
Das Unternehmen selbst sieht sich dabei auf einem guten Weg und es wurde betont, die Kursverluste stünden nicht in Zusammenhang mit dem Geschäftsgang. Die Unternehmensleitung zeigte sich mit dem Geschäftsverlauf vielmehr sehr zufrieden. Bei der Bekanntgabe der Halbjahreszahlen wurde vielmehr sogar in Aussicht gestellt, das bisherige Umsatzziel für das Gesamtjahr von mehr als fünf Milliarden Franken um bis zu zehn Prozent übertreffen zu können und gleichzeitig wurde das operative Gewinnziel von 500 Milliarden Franken bekräftigt. Bleiben negative Meldungen aus, schlummert in der Aktie Erholungspotential.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.757,94 | +0,44% |
| FAZ-INDEX | 1.508,12 | +0,49% |
| TecDAX | 780,92 | +0,91% |
| MDAX | 10.353,00 | +0,97% |
| SDAX | 5.020,82 | −0,06% |
| REX | 421,24 | −0,10% |
| Eurostoxx 50 | 2.493,96 | +0,23% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,55 | +0,36% |
| Dow Jones | 12.781,00 | −0,76% |
| Nasdaq 100 | 2.556,01 | −0,75% |
| S&P500 | 1.343,23 | −0,54% |
| Nikkei225 | 9.260,34 | +2,30% |
| EUR/USD | 1,3034 | −0,21% |
| Rohöl Brent Crude | 118,60 $ | −0,37% |
| Gold | 1.733,00 $ | +0,64% |
| Bund Future | 139,05 € | +0,38% |