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Aktienmarkt-Analyse Sarasin-Analysten rechnen mit Jahresendrallye

26.11.2009 ·  Wegen der Schuldenprobleme in Dubai erleiden die europäischen Börsen am Donnerstag einen Rückschlag. Laut den Analysten beim Bankhaus Sarasin sprechen die hohe Liquidität und saisonale Faktoren aber für eine starke Aktienperformance im Dezember und Januar.

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Verglichen mit den Turbulenzen zum Höhepunkt der Kreditkrise verliefen die vergangenen Wochen und Monate relativ ruhig. Die Börsianer bedankten sich dafür mit einer der beeindrucksten Hausse seit Menschengedenken. Doch an diesem Donnerstag bekommen die Akteure an den Finanzmärkten wieder einen Schuss vor den Bug. Die Ankündigung des arabischen Emirats Dubai, die Zahlung von Schulden in Milliardenhöhe hinauszuzögern, verunsichert die Investoren und sorgt für spürbare Kursverluste an den Aktienmärkten.

Aber ob damit die gute Börsenzeit schon wieder vorbei ist, bleibt abzuwarten. Die Analysten beim Bankhaus Sarasin gingen bisher jedenfalls fest von einer Jahresendrallye an den Börsen aus. Und in einer Studie untermauern sie ihren Optimismus auch mit drei wichtigen Argumenten.

Darin erläutern sie erstens, dass es überhaupt nicht so sehr um die derzeit überall diskutierte Frage geht, wie nachhaltig die wirtschaftliche Erholung ausfallen wird. Die zentrale Frage für die Entwicklung der Aktienmärkte sei aber nicht unbedingt die Nachhaltigkeit oder die Stärke des Aufschwungs, sondern vielmehr die Frage wie lange der Aufschwung anhalte.

Steigende Geschäftsklimaindikatoren in Amerika sprechen für die Börsen

Bei dem von Sarasin verfolgten zyklischen Ansatz fokussiert man sich deshalb vor allem auf die Geschäftsklimaindikatoren (PMI-Indizes), welche den Konjunkturverlauf am besten wiedergeben. Demnach ist an den Aktienmärkten meist dann auch ein Richtungswechsel zu beobachten, sobald die Geschwindigkeit einer Auf- oder Abwärtsbewegung dieser Indikatoren dreht. Erst jüngst habe sich diese These wieder bestätigt. Denn als es in China vermehrte Anzeichen einer Wende beim Momentum der Geschäftsklimaindikatoren gab, tauchte im dritten Quartal auch der chinesische Aktienmarkt ab (siehe Grafik).

Beim wichtigsten Indikator, dem amerikanischen ISM Indexes des verarbeitenden Gewerbes, gehe es derzeit aber unverändert nach oben. Intern geht man jedenfalls davon aus, dass der ISM-Index bis ins erste Quartal 2010 weiter steigen und erst im Quartalsverlauf drehen wird (siehe Grafik). Mindestens bis dahin dürften die positiven Überraschungen von Wirtschaft und Unternehmensgewinnen die Aktienmärkte nach Ansicht der Sarasin-Analysten in die Höhe treiben.

Auch saisonale Unterstützung für die Aktienmärkte

Zweitens begründen die Sarasin-Experten ihren Optimismus mit der Jahreszeit in der wir uns befinden. Denn historisch betrachtet war die Periode von Oktober bis April die beste Zeit für Aktienanlagen. Dabei überzeigen insbesondere die Monate November und Dezember mit einer überdurchschnittlichen Rendite. Während die Aktienperformance in Europa im Januar historisch etwas unter dem Durchschnitt liegt, ist der Januar für amerikanische Aktien ebenfalls einer der besten Monaten. Über alle Märkte betrachtet befänden wir uns somit gerade am Anfang der besten Jahreszeit für Aktienanlagen, so das Fazit.

Ergänzend schlüsseln sie noch auf, dass in Europa die Regelmäßigkeit der Dezember-Performance über die vergangenen dreißig Jahre sogar noch höher als in Amerika ausgefallen ist. In 80 Prozent der Fälle stiegen den Daten zufolge die Aktienmärkte im Dezember (Amerika: 73 Prozent). Noch höher liegt diese Quote, wenn man nur die Jahre betrachtet, in welchen die Aktienrendite von Januar bis November positiv war. In 19 Beobachtungen gab es hier nur 2 Fälle mit einer negativen Dezember-Rendite. Zudem war die Rendite in guten Anlagejahren im Dezember deutlich stärker als im Durchschnitt (siehe Grafiken).

In Jahren mit positiver Anlagerendite von Januar bis November war die Dezember-Rendite beinahe doppelt so hoch wie in den übrigen Dezember-Monaten. Zudem war die darauffolgende Januar-Rendite ebenfalls positiv. Die hohen Rendite-Schwankungen in diesem Jahr (siehe Grafik) bieten laut den Sarasin-Analysten eine gute Voraussetzung für eine Jahresendrallye.

Die hohe Liquidität spricht ebenfalls für die Aktienmärkte

Als dritten wichtigen Faktor beziehen die Schweizer auch noch die Beobachtung ein, dass in diesem Jahr viele Anleger nicht wunschgemäß an der positiven Kursentwicklung an den Aktienmärkten partizipiert hat. Vielmehr halten viele immer noch einen hohen Anteil an Liquidität in den Portfolios. Fonds-Statistiken aus Amerika zeigen demnach, dass zurzeit immer noch über 4.000 Milliarden Dollar in kurzfristigen Geldmarktpapier-Fonds geparkt werden. Dies ist weit mehr als die ganze Marktkapitalisierung des Dow Jones Industrials Index.

Weil diese Gelder aber praktisch keine Rendite abwerfen, steige der Druck auf die Anleger, höhere Risiken einzugehen. In den vergangenen Monaten habe dies bereits zu hohen Geldzuflüssen in Unternehmensanleihenfonds geführt, während Aktienfonds immer noch unter Geldabflüssen gelitten hätten. Doch weil Unternehmensanleihen nun nicht mehr günstig bewertet seien und ebenfalls nur noch eine relativ geringe Rendite abwerfen, dürften Aktienanlagen in der Gunst der Anleger steigen.

Alleine die Dividenden-Rendite der Aktien scheint im historischen Vergleich gegenüber Regierungsanleihen sehr attraktiv. Gerade der Europäische Aktienmarkt weise eine sehr hohe Dividendenrendite aus. Weil man intern auch fundamental bei europäischen Aktien mit positiven Überraschungen rechn, dürften diese wie historisch üblich einen besonders starken Jahresendeffekt aufweisen. Grundsätzlich hält man bei Sarasin deshalb an einer zyklischen Positionierung fest. Mit Blick auf das kommende Jahr dürften dann aber Aktien mit hoher Dividende an Attraktivität gewinnen.

Einflussfaktoren wie die genannten klingen überzeugend, zumal die intakten Aufwärtstrend ohnehin für weiter steigende Aktienkurse sprechen. Damit sich dieser Trend fortsetzt, kommt es aber natürlich auch entscheidend darauf an, dass Hiobsbotschaften wie diese in den kommenden Wochen die Ausnahme bleiben und nicht wieder zur Regel werden.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

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