30.09.2011 · Trotz vieler Vorschusslorbeeren hagelt es für die osteuropäischen Aktienmärkte in diesem Jahr nur Verluste. Damit bestätigt sich wieder einmal: In Krisenzeiten meiden Anleger die lokalen Börsen.
Zu Jahresbeginn schien die Welt an den Börsen in Osteuropa noch in Ordnung zu sein. Nach einem zumeist erfolgreich verlaufenen Vorjahr trauten die meisten Analysten den regionalen Aktienmärkten weitere Kursgewinne zu. So hielten die Experten der österreichischen Ersten Bank und der Raiffeisen-Gruppe laut den damaligen Agenturmeldungen satte Kursgewinne für möglich.
Begründet wurde der Optimismus mit einer voraussichtlich starken wirtschaftlichen Erholung in der Region und infolgedessen deutlich steigenden Unternehmensgewinnen. Als Pluspunkt wurde auch das fundamentale Umfeld gepriesen. Beim Bankhaus Metzler beispielsweise wurde die Bewertung als extrem günstig bezeichnet.
Letztlich haben aber alle diese Vorschusslorbeeren nicht viel geholfen. Im Gegenteil: Praktisch durch die Bank weisen alle osteuropäischen Börsen derzeit Verluste aus (siehe Grafiken). Noch am besten schneidet der bulgarische Aktienmarkt mit einem moderaten Minus von 2,4 Prozent ab. In den meisten Fällen bewegen sich die Abschläge aber im Bereich von mehr als 20 Prozent. Den absoluten Vogel schießt dabei in negativer Hinsicht die Börse in der Ukraine ab. Dort belaufen sich die Verluste sogar auf mehr als 40 Prozent.
Anleger meiden die Ostbörsen traditionell in Krisenzeiten
Die Hoffnungen der Experten haben sich somit nicht erfüllt. Geschuldet ist das einem Faktor, der bereits am Jahresanfang als wichtigstes Risiko bezeichnet wurde. Denn schon damals warnte man bei Ersten Bank und der Raiffeisen-Gruppe, eine neuerliche Verschärfung der Schuldenkrise in der Eurozone könne die Entwicklung dämpfen. Wie die negative Performance-Bilanz zeigt, haben sich die europäischen Schuldenprobleme nicht nur als Dämpfer sondern als schwere Bürde erwiesen.
Damit bestätigt sich wieder einmal eine schon früher immer wieder gemachte Erfahrung. Demnach ist es in Krisenzeiten einfach so, dass sich die Anleger von den Börsen der Region abwenden. Und das wiederum, hat damit zu tun, dass man diese Märkte als besonders risikoreich einstuft. Ob diese Schlussfolgerung angesichts deutlich niedrigerer Verschuldungsquoten als in Westeuropa überhaupt Sinn macht, ist zwar diskussionswürdig. Das ändert aber nichts an den Fakten, wonach die Anleger die osteuropäischen Börsen in Krisenphasen zumeist komplett links liegen lassen.
An einem plötzlich komplett veränderten Umfeld kann die Abwendung von diesen Börsen in diesem Jahr jedenfalls kaum erklärt werden. Die Erwartungen hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung in diesem Jahr haben die lokalen Volkswirtschaften jedenfalls erfüllt. Während Peter Brezinschek, Chefanalyst der Raiffeisen Bank International zur Jahreswende Wachstum von 3,2 Prozent für die Region Mittel- und Osteuropa erwartet hatte, dürfte die Zuwachsrate laut Capital Economics sogar leicht darüber liegen (siehe Grafiken).
Schwieriges Umfeld spricht für zunächst weiter holprige Kursfahrt
Eingetrübt haben sich allerdings die Aussichten mit Blick auf 2012. Für 2012 rechnen die Volkswirte bei Capital Economics mit einer Wachstumsabschwächung auf 1,8 Prozent. Das ist weniger als noch vor neun Monaten erwartet, wäre aber in normalen Zeiten sicherlich mit so hohen Kursverluste wie genannt bestraft worden.
Gegen Verluste in dem erlittenen Ausmaß sprechen normalerweise auch die zumeist noch weiter steigenden Gewinne sowie die in der Regel moderaten Bewertungen. So bewegen sich in vielen Fällen die Kurs-Gewinn-Verhältnisse im einstelligen Bereich (siehe Grafiken).
Alles das reicht den Investoren momentan aber nicht. Sie sind es fast schon reflexartig gewohnt, in schwierigen Zeiten traditionell einen Bogen um diese Anlageregion zu machen. Und daran dürfte sich auch solange nichts ändern, wie der Trend bei den Schätzungen für die Konjunktur und die Unternehmensgewinne noch nach unten revidiert werden.
Das sehen inzwischen auch die Experten bei Raiffeisen Research so. „Die anhaltende belastende Thematik hinsichtlich Staatschulden und Wirtschaftsabschwung ist nicht dazu angetan, den lokalen Aktienbörsen Unterstützung zu geben. Abgesehen von temporären Erholungsphasen dürften bis in das Frühjahr 2012 hinein negative Einflüsse vorherrschend bleiben, was noch weitere Kursabschläge bewirken könnte“, heißt es in einer Studie. In einem halben Jahr werden wir wissen, ob sich diese Prognose dieses Mal erfüllt hat oder nicht.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.277,44 | −0,05% |
| FAZ-INDEX | 1.367,64 | −0,09% |
| TecDAX | 752,40 | +0,17% |
| MDAX | 10.192,20 | −0,16% |
| SDAX | 4.839,62 | +0,43% |
| REX | 437,51 | +0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.120,12 | +0,19% |
| F.A.Z. EURO | 68,75 | +0,07% |
| Dow Jones | 12.419,90 | −1,28% |
| Nasdaq 100 | 2.537,40 | −0,84% |
| S&P500 | 1.313,32 | −1,43% |
| Nikkei225 | 8.542,73 | −1,05% |
| EUR/USD | 1,2401 | +0,26% |
| Rohöl Brent Crude | 103,16 $ | −0,09% |
| Gold | 1.540,00 $ | 0,00% |
| Bund Future | 145,55 € | +0,05% |