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Aktienmarkt-Analyse Optimisten haben an Vietnams Börse vorerst ausgeträumt

28.11.2008 ·  Der vietnamesische VN Index hat in dieser Woche ein neues Mehrjahrestief markiert. Damit hat sich der im August unternommene Erholungsansatz als Bärenmarktrally entpuppt.

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Zum Wochenausklang ist der VN Index zwar um 3,69 Prozent auf 315 Punkte gestiegen. Das allgemein negative Chartbild kann damit aber nicht kaschiert werden. Denn angesichts eines neu markierten Dreijahrestiefs bewegt sich der vietnamesische Aktienmarkt in einem völlig intakten charttechnischen Abwärtstrend.

Die Hoffnungen auf einen Ausbruch nach oben, die durch eine im August unternommene Kurserholung geschürt worden waren, haben sich somit zerschlagen. Vielmehr steht beim VN Index seit August ein Minus von in der Spitze fast 45 Prozent zu Buche. Legt man das im Mai 2007 markierte Hoch zu Grunde, dann beträgt der Verlust inzwischen sogar knapp 73 Prozent.

Eine mehr als dürftige Bilanz für einen Markt, der vor nicht allzu langer Zeit als ausgesprochen wachstumsträchtig gepriesen wurde. Die die weltweite Kreditkrise zusammen mit hausgemachten Problemen wie eine viel zu hohe Inflation haben für einen deutlichen Stimmungswandel bei den Anlegern gesorgt. Inzwischen konzentriert man sich eindeutig mehr auf die volkswirtschaftlichen Schwächen als auf die Stärken.

Bewertungen auf asiatischem Durchschnittsniveau

Deutlich wird das veränderte Anlageumfeld auch dadurch, dass der Markt nun eine deutlich höhere Korrelation mit der Kursentwicklung an den Weltbörsen als früher aufweist. Das Argument, dass sich diese Börse besonders gut zur Diversifizierung des Depots eignet, zieht somit nicht mehr ganz so stark. Die täglichen Börsenumsätze sind auf im Schnitt unter 30 Millionen Dollar gefallen, was nicht gerade für ein großes Interesse spricht. Ausländer sind vielmehr sogar weiter dabei, Kapital aus dem Markt abzuziehen.

Die Baisse hat auch sonst ihre Spuren in der Psyche der Analysten hinterlassen. Diese sind längst nicht mehr grundsätzlich optimistisch gestimmt. So wittert Fiachra Mac Cana zwar Chancen für ganz langfristig orientierte Investoren. Kurzfristig gibt sich der Head of Research beim Broker Ho Chi Minh Securities Corporation aber vorsichtig. Die Sorge vor einem stärkeren Aktienangebot durch Neuemissionen, die bevorstehende Einführung einer 20-prozentigen Kapitalgewinnsteuer und eher dürftige Aussichten für die Unternehmensgewinne im kommenden Jahr dürften bei den Anlegern weiter schlechte Stimmung verbreiten.

Noch Luft nach unten sehen auch die Analysten bei der Fondsgesellschaft Dragon Capital. Als Pluspunkt wird aber immerhin das Bewertungsniveau gesehen, dass in den ansonsten an den asiatischen Börsen übliche Niveau zurückgefallen ist. So beträgt für 2009 und 2010 das Kurs-Gewinn-Verhältnis 9,6 und 7,6. Da gleichzeitig mit Gewinnsteigerungen von acht Prozent und 20,5 Prozent gerechnet wird, sinkt das Verhältnis von Kurs zum Gewinnwachstum für 2010 auf tiefe 0,4. Allerdings wird sich erst noch zeigen müssen, ob sich die Gewinnerwartungen auch erfüllen. In diesem Jahr rechnet Dragon Capital inzwischen beispielsweise mit einem Gewinnrückgang von 13,4 Prozent, nachdem zuvor lange Gewinnzuwächse prognostiziert worden waren.

Analysten rechnen mit fallenden Zinsen

Positive Kursimpulse erhoffen sich etliche Marktteilnehmer auch vom bereits begonnenen Zinssenkungszyklus. So hat die Notenbank zuletzt den Leitzins bereits von 14 auf 11 Prozent gesenkt. Und bei der Deutschen Bank sieht man den Leitzins bis Mitte 2009 sogar weiter bis auf nur noch sieben Prozent sinken.

Damit diese Prognose auch tatsächlich eintrifft, wird die Inflationsrate weiter fallen müssen. Im November ist die Teuerung zwar von 26,7 auf 24,2 Prozent gefallen, absolut gesehen ist sie aber noch immer deutlich zu hoch.

Abzuwarten bleibt auch erst noch, wie sich die Konjunktur letztlich aus der Affäre ziehen wird. Während die Regierung ihre Wachstumsprognose für dieses und nächstes Jahr auf 6,7 und 6,5 Prozent nach 8,5 Prozent im Vorjahr gesenkt hat, kalkuliert das Daiwa Institute of Research für 2009 nur noch mit einer Zuwachsrate von 4,2 Prozent. Bis klar ist, wohin die Reise geht, dürfte es der vietnamesischen Börse schwer fallen, ihr in früheren Jahren noch demonstrierte Eigenleben zurückzugewinnen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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