10.07.2009 · Der Shanghai Composite Index hat seit November um mehr als 80 Prozent zugelegt. Doch nicht nur das deutet derzeit in China auf Überhitzungen hin. Eine baldige Abkühlung würde dem Markt langfristig gesehen sicherlich gut tun.
Nach den zuvor erlittenen herben Verlusten ist die chinesische Börse seit Anfang November auf einen fulminanten Hausse-Kurs eingeschwenkt. Der aktuell bei 1.313 Punkten notierende Shanghai Composite Index hat es seitdem beispielsweise auf ein Plus von 82 Prozent gebracht.
Ein Teil der Gewinne lassen sich dabei sicherlich mit einer vorherigen Übertreibung nach unten sowie Stabilisierungsansätzen in der Konjunktur rechtfertigen, einige der Rahmendaten weisen aber auch auf blasenartige Euphorie hin. So muss es zu denken geben, wenn das tägliche Handelsvolumen an der Börse in Shanghai derzeit drei Mal so hoch ist wie im Fünfjahresdurchschnitt.
Oder wenn erstmals seit vergangenen September wie neu zugelassene Aktien wie die von Guilin Sanjin Pharmaceutical und Zhejiang Wanma Cable bei ihrem Debüt so stark zulegen, dass sie zeitweise vom Handel ausgesetzt werden müssen. Am Ende schloss Guilin Sanjin trotzdem 82 Prozent höher und Zhejiang Wanma 124 Prozent. Hinzu kommt: Die Emission von Guilin Sanjin war 500fach überzeichnet, die von Wanma sogar 638mal. Bei solchen Zahlen werden irgendwie automatisch Erinnerungen an die Hochzeiten des Neuen Marktes wach.
Überhitzungen sind unübersehbar
Hinweise auf Übertreibungen gibt es aber nicht nur an der Börse, sondern auch in der realen Wirtschaft, die mit Hilfe eines 423 Milliarden Euro schweren Konjunkturpaketes angeschoben werden soll (auf die Exporte, die im Juni um 21,4 Prozent gefallen sind, können die Verantworlichen derzeit nicht zählen). So stiegen die Autoabsatzzahlen im Vormonat angetrieben von staatlichen Begünstigungen im Jahresvergleich um 47,7 Prozent. Zudem wurden im abgelaufenen Monat 1,53 Billionen Yuan an neuen Krediten vergeben. Damit ist im ersten Halbjahr mit insgesamt 7,37 Billionen Yuan das Plansoll für das Gesamtjahr bei den Krediten bereits bei weitem überschritten worden.
Das klingt nicht gerade nach einer gesunden und ausgewogenen Entwicklung. Aber die Regierung fördert diese Entwicklung und ordnet dem Streben nach einem höheren Wachstum derzeit praktisch alles andere unter. Nach einem Plus beim Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal von 6,1 Prozent wird alles daran gesetzt, um das Jahresplus auf acht Prozent zu hieven. Denn dieses Niveau wird allgemein als die kritische Größe erachtet, um genügend Arbeitsplätze zu schaffen und so weitere soziale Spannungen zu vermeiden.
Das ist aktuell ein wichtigeres Thema denn je. Haben doch die Unruhen in der Uiguren-Provinz Xinjiang und die vor weniger als 18 Monaten zu beobachtenden Unruhen in Tibet deutlich gemacht, was für ein fragiles Gebilde die Volksrepublik letztlich doch ist.
Kurskorrektur würde gut tun
Angesichts des beschriebenen drastischen Kreditanstiegs und der damit verbundenen Liquiditätsschwemme sind die Sorgen nicht unbegründet, dass sich an den Aktien- und Immobilienmärkten neue Blasen bilden könnten. Die Zentralbank hat deshalb damit begonnen, etwas Liquidität aus dem Finanzsystem abzuziehen. Experten gehen davon aus, dass es in Zukunft weitere Schritte in diese Richtung geben wird. Bestätigt sich diese Annahme, könnte dies an den chinesischen Börsen der Startschuss für eine dringend benötigte Korrektur sein.
Bewertungstechnisch gesehen gibt es vor allem im Nebenwertesegment Handlungsbedarf. Dort sind die Kurs-Gewinn-Verhältnisse nicht selten im mittleren zweistelligen Bereich anzusiedeln. Etwas besser sieht es bei den mit größeren Werten bestückten Indizes aus. Die da zu beobachtenden Kurs-Gewinn-Verhältnis in einer Range von grob gesprochen 20 bis 30 sind im nationalen historischen Vergleich sogar noch nicht einmal üppig hoch. Aber im internationalen Vergleich erscheint auch das bereits etwas zu hoch, so dass streng genommen auch dieser Punkt für eine Konsolidierung spricht.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |