25.07.2007 · Der Aktienmarkt in Belgrad zählt seit Mitte 2006 zu den besten Börsen überhaupt. Nach starken Kursgewinnen hatten die Kurse zuletzt aber verschnauft. Doch trotz hoher Bewertungen scheint die Schwächephase schon wieder zu Ende.
Wie die meisten anderen Börsen in Südosteuropa zählte der serbische Aktienmarkt in den vergangenen zwölf Monaten zu den weltweit heißesten Plätzen für Investoren. Kein Wunder, haben sich die Kurse gemessen am Belex15-Index seit Mitte 2006 in der Spitze mehr als verdreifacht.
Doch zuletzt war den Bullen etwas die Puste ausgegangen und die Kurse gönnten sich eine kleine Verschnaufpause. Die Umsätze flachten etwas ab (im Juni wurden Aktien im Wert von 161 Millionen Euro oder 25,8 Prozent weniger als im Vormonat gehandelt) und der Belex15 fiel von dem am 3. Mai markierten Rekordhoch bei 3.335,20 Punkte bis zum 12. Juni auf 2.760,21 Zähler. Doch gemessen an den zuvor eingefahrenen Gewinnen war der dabei verbuchte Abschlag von 7,2 Prozent zu vernachlässigen.
In der Zwischenzeit haben sich die Notierungen schon wieder erholt. Am Mittwoch beendete der Belex15 den Handel mit einem Schlussstand von 2.911.28 Punkten. Damit hat er sich von seinem Zwischentief schon wieder deutlich erholt und das jüngste Kursverhalten erweckt den Eindruck, als sei die Korrektur bereits wieder ausgestanden.
Bewertungen optisch nicht gerade günstig
Investierte Anleger mag das freuen, aber im Grunde genommen würde es dem Markt ganz gut tun, wenn er sich zunächst erst noch eine etwas längere Ruhepause gönnen würde. Denn die Bewertungen sind nach wie vor sehr ambitioniert. So beziffert die Börse das Kurs-Gewinn-Verhältnis des Belex15 auf fast 36 und das Kurs-Buchwert-Verhältnis auf 3,3. Als weiterer wichtiger Unsicherheitsfaktor kommt die ungelöste Frage des zukünftigen Status des Kosovo hinzu.
Hier zeichnet sich angesichts der von Serbien mit der Unterstützung Russlands eingenommenen Blockadehaltung so schnell auch keine Lösung ab. Erst am Mittwoch hatte das serbische Parlament in seltener Einmütigkeit einer möglichen Unabhängigkeit des Kosovo eine klare Absage erteilt und für eine Resolution der Belgrader Regierung zugestimmt, in der die südliche Provinz als „unveräußerlicher Bestandteil Serbiens“ bezeichnet wird.
Im Gespräch geben sich serbische Marktbeobachter zwar noch immer gelassen, Nach ihrer Lesart wird man am Ende zu einem Kompromiss finden. Ob dies allerdings tatsächlich so kommen wird, steht derzeit noch in den Sternen. Sollten sich Probleme einstellen, könnte dies anders als bisher doch noch zu einem kursbelastenden Faktor werden.
Reichlich vorhandene Liquidität
Aktuell konzentrieren sich die Marktakteure aber mehr auf die reichlich vorhandene Liquidität sowie auf das sich immer mehr verbessernde volkswirtschaftliche Umfeld. Wie gut es läuft, machten die Ende Juni veröffentlichten Daten zur Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes deutlich. Den Angaben zufolge wuchs die Wirtschaft in den ersten drei Monaten um real 8,7 Prozent und damit so stark wie seit mehr als vier Jahren nicht mehr.
Zudem lag dieses Plus deutlich höher als von Volkswirten erwartet. Dank dieser Basis sah sich das Finanzministerium ermutigt, die Prognose für den Jahresanstieg auf sieben Prozent zu erhöhen. Auch die Inflationsrate bewegt sich mit zuletzt 5,1 Prozent innerhalb des von der Notenbank als Zielwert vorgegebenen Bandes von vier bis acht Prozent. Damit bleibt volkswirtschaftlich gesehen neben der hohen Arbeitslosigkeit das ebenfalls hohe Leistungsbilanzdefizit von in diesem Jahr vielleicht 14 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt das größte Problem.
Zertifikat auf Agrobanka erscheint interessant
Weil die Finanzierung dieses Defizits auch dank zunehmender ausländischer Direktinvestitionen aktuell aber kein Problem ist, wird es an den Börsen auch nicht groß diskutiert, obwohl Standard & Poor´s deswegen vor kurzem den Ausblick für die Kreditwürdigkeitsnote von positiv auf stabil gesenkt hat. Hier konzentriert man sich lieber auf die auch in den kommenden Jahren erwarteten Wirtschaftswachstumsraten von gut sechs Prozent sowie die zuletzt stark gestiegenen Gewinne der Unternehmen.
Wer sich als Anleger für serbische Aktien interessiert, dem stehen neuerdings neben einem Direktinvestment auch entsprechende Serbien-Zertifikate zur Verfügung. Die österreichische Erste Bank hat sogar Zertifikate auf fünf Einzelaktien emittiert. Mit am aussichtsreichsten ist das Zertifikat auf die Agrobanka (ISIN: AT0000A05QH5). Für dieses Institut spricht die kürzlich gefundene Einigung mit dem Staat über die Begleichung offener Altschulden. Dies wird nun über einen höheren Anteil des Staates an den Agrobanka-Aktien gelöst. Wird die damit verbundene Kapitaltranskation mit einberechnet, ergibt sich ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von 2,1, was relativ niedrig erscheint. Zu beachten ist bei dem Zertifikat allerdings die bis zum 30. September 2008 begrenzte Laufzeit.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |