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Aktienmarkt-Analyse Kaum Chancen für Aktienrally in China ohne staatliches Handeln

24.01.2005 ·  Mit einer von 0,2 Prozent auf 0,1 Prozent halbierten Börsenumsatzsteuer versucht die Regierung den Abschwung an Chinas Börsen zu stoppen. Ohne weitere Hilfsmaßnahmen ist ein Kursaufschwung zunächst aber kaum zu erwarten.

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Chinas Börsenbarometer haben das neue Jahr so begonnen, wie das alte endete - auf dem tiefsten Stand seit mehr als fünf Jahren. Und das dürfte sich auch so schnell nicht ändern. Falls nicht die chinesische Regierung einheimischen institutionellen Investoren mehr Aktienkäufe gestattet sowie Pläne für einen geordneten Verkauf staatlicher Beteiligungen veröffentlicht.

„Der Markt ist nicht sehr groß", sagt Chris Ruffle, Fondsmanager des 98 Millionen Dollar schweren China A-Share Fund bei Martin Currie Investment Management Ltd. in Edinburgh. „Die Behörden müssen mehr ausländische Investoren zulassen und auch inländischen Institutionellen Investoren einen besseren Zugang zum Aktienmarkt gewähren.

Seit Jahren anhaltende Talfahrt

Eine Öffnung des Marktes dürfte Bedenken zerstreuen, daß die Umwandlung der noch in Staatsbesitz befindlichen Aktien in handelbare Wertpapiere die Kurse drücken wird. Die sogenannten "nicht handelbaren Aktien" des Staates, die zwei Drittel des insgesamt 427 Milliarden Dollar schweren Aktienmarktes ausmachen, sind das "größte Einzelproblem" für Investoren, betont Ruffle.

Die Börsenbarometer der Börsen Schanghai und Shenzhen haben 2004 mehr als 15 Prozent eingebüßt, damit kommen sie das zweite Jahr in Folge auf die letzten Plätze unter 60 von Bloomberg beobachteten Indizes. Nach vier Jahren Talfahrt sind die Indizes nur noch halb so hoch wie zu den Bestzeiten im Juni 2001.

Am Montag legten die Börsenbarometer zu, nachdem die Regierung die Börsenumsatzsteuer von 0,2 Prozent auf 0,1 Prozent halbiert hat. Der Shanghai Composite Index schloß 1,7 Prozent fester bei 1.255,78 Punkten, in Shenzhen ging es 1,9 Prozent aufwärts auf 315,98 Zähler. Die Steuersenkung ist „ein Signal der Regierung, daß sie den Markt stützen wird", erklärt Dai Ming, Analyst bei Fortune Securities Brokerage Co. in Schanghai.

Im Hintergrund ist viel in Bewegung

Nach einer viermonatigen Pause gestattet die Börsenaufsicht seit Jahresanfang wieder Börsengänge. Im Januar hat der Stromversorger Huadian Power International Corp. als erstes Unternehmen die Genehmigung für eine Aktienplatzierung in der Volksrepublik erhalten.

Im Oktober bekamen Vermögensverwalter wie China Life Insurance Co. und Ping An Insurance Co. die Erlaubnis, bis zu fünf Prozent ihres Anlagekapitals in chinesische Aktien zu investieren. Das entspräche auf Basis der Zahlen von 2003 einer Summe von mehr als fünf Milliarden Dollar. Und der chinesische Wohlfahrtsfonds darf bis zu 40 Prozent seines Kapitals in Aktien anlegen, die in der Volksrepublik oder in Hongkong notiert sind.

Auch die chinesische Fondsbranche entwickelt sich langsam. 2004 haben Anlegern chinesischen Investmentfonds 185,4 Milliarden Yuan (17,1 Millliarden Euro) anvertraut, dreimal so viel wie im Vorjahr, berichtete die Shanghai Securities News. Im Bemühen um ausländisches Kapital hat China außerdem 25 Banken und Fondsmanager aus dem Ausland, darunter UBS AG und Goldman Sachs Group Inc., als sogenannte „qualifizierte ausländische institutionelle Investoren" zugelassen. Sie dürfen mehr als 3,5 Milliarden Dollar investieren.

H-Aktien noch immer mit einem Bewertungsvorteil

Für manche Investoren sind chinesische Aktien nach den Kursverlusten der jüngsten Zeit eine Kaufgelegenheit. „An den Märkten lohnt sich ein Investment jetzt mehr denn je", sagt Qian Hua, Fondsmanager bei einem Gemeinschaftsunternehmen von Guotai Junan Securities Co. und der Allianz AG.

Dennoch sind die an den Festlandsbörsen gehandelten Aktien immer noch teurer als die an der Börse Hongkong gelisteten Aktien chinesischer Unternehmen. Bei den Aktien des Shanghai Composite Index beträgt das Kurs-Gewinn-Verhältnis 26, das ist das höchste KGV in Asien (ohne Japan), zeigen Bloomberg-Daten. Zum Vergleich: Die 38 H-Aktien in Hongkong werden im Schnitt zum 15fachen des Gewinns gehandelt.

Doch vor allem die parallele Existenz handelbarer und nicht handelbarer chinesischer Aktien dürfte Investoren abschrecken. Die unterschiedlichen Aktienkategorien haben sich zu einem logistischen "Alptraum" für die Regierung entwickelt, erläutert Ruffle. Nicht handelbare Aktien gehören entweder den kommunalen und den Provinzregierungen sowie der Zentralregierung, oder sie sind als "juristische-Person"-Aktien im Besitz von meist staatlichen Unternehmen. Über diese Aktien kontrolliert der Staat den Großteil der 1453 Unternehmen, die bisher auch Aktien bei privaten Anlegern platziert haben.

Privatisierungen bleiben ein Belastungsfaktor

Privatisierungsversuche in den Jahren 1999 und 2001 mußte der chinesische Staat abbrechen, da die Investoren ein Überangebot an Aktienplatzierungen befürchteten und die Kurse in den Keller schickten. Wenn Staatsorgane Unternehmensanteile verkaufen, tun sie dies häufig mit einem satten Abschlag auf den Börsenkurs. So hat Eastman Kodak Co. im Dezember 2003 für eine Beteiligung von 13 Prozent an dem Filmhersteller Lucky Film Co. 39 Prozent weniger bezahlt, als dem Börsenkurs entsprach.

Im Januar neu eingeführte Vorschriften schreiben nun vor, daß Transfers von nicht handelbaren Aktien den Börsen gemeldet werden müssen, außerdem soll die Mindestgröße eines Aktienpakets bei solch einer Transaktion von fünf auf ein Prozent gesenkt werden. China sollte für Privatisierungen ein Auktionsverfahren einrichten und einen Zeitplan erstellen, fordert Stephen Green, leitender Volkswirt bei Standard Chartered Bank in Schanghai. „Das wichtigste ist es, dem Markt die Preisfindung für die Aktien zu überlassen."

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