06.10.2008 · Der Aktienmarkt in Russland bleibt angezählt. Am Montag kam es zu einem weiteren scharfen Kurseinbruch. Die Verluste beim RTS-Index summieren sich inzwischen seit Mitte Mai auf unglaubliche 65 Prozent.
Die russischen Aktienmärkte sind am Montag nochmals erheblich stärker gefallen als die Börsen in Westeuropa und Asien. So gab der Moskauer Micex Index in der Spitze 18 Prozent nach und damit stärker als in jedem anderen Aktienmarkt in Schwellenländern.
Russische Aktien haben damit seit dem Jahresbeginn praktisch die Hälfte an Wert verloren. Noch schlimmer fällt die Bilanz gemessen an dem noch im Mai markierten Rekordhoch von 2.488 Punkten aus. Seitdem hat der Leitindex RTS, der bis auf 866 Punkte abgerutscht ist, sage und schreibe 65 Prozent an Wert verloren. Und Experten äußerten sich wenig optimistisch zu den Aussichten für eine Kurserholung.
„Mit dieser Krise umzugehen liegt zu einem großen Teil nicht mehr in den Händen der russischen Behörden“, stellte Wirtschaftsexperte Ivailo Vesselinov von der Dresdner Kleinwort in London fest. Es zeige sich, wie schlecht die Stimmung der Anleger tatsächlich ist.
Kurzfristiger Finanzierungsbedarf belastet
In den vergangenen drei Wochen wurde der Handel an der russischen Börse insgesamt sieben Mal wegen starker Verluste ausgesetzt. Die russische Regierung hatte bislang 150 Milliarden Dollar in Form von Kreditzusagen und Steuerleichterungen in den Kapitalmarkt gepumpt.
Die russische Wirtschaft sei derzeit „sehr verletzlich“, wobei Einzelhändler und Bauaktien besonders stark unter der Kreditkrise leiden, sagte Andrei Scharonow voraus, der die älteste Investmentbank in Russland, Troika Dialog, leitet. Ölunternehmen seien dabei vergleichsweise besser kapitalisiert, sagte er.
Es gebe daher zwei Konsequenzen für Russland - „ein Mangel an Vertrauen und ein Mangel an Liquidität“, sagte er. Diese Probleme beträfen dabei nicht alleine die Börsen, sondern die gesamte Industrie. Viele Unternehmen bekämen das gerade bei der Refinanzierung von Schulden schmerzlich zu spüren.
Selbst einige Oligarchen sind zuletzt ins Straucheln geraten. So musste Oleg Deripaska, dem der Mischkonzern Basic Elements gehört, seinen Anteil am kanadischen Autozulieferer aufgeben. Aber nicht nur die russischen Unternehmen haben kurzfristigen Finanzierungsbedarf, sondern auch der Staat muss nach Schätzungen von Goldman Sachs im vierten Quartal 2008 rund 45 Milliarden Dollar zurückzahlen. Im nächsten Jahr werden dann jedes Quartal rund 30 Milliarden Dollar fällig.
Bewertungen sehen optisch günstig aus
Wenigstens sind die Staatskassen bei Gold- und Devisenreserven von ungefähr 560 Milliarden Dollar gut gefüllt. Außerdem kann das Land mit Überschüssen sowohl im Staatshaushalt und in der Leistungsbilanz glänzen. Und daran wird sich vermutlich auch so lange nichts ändern, wie das Öl mehr als 70 Dollar je Barrel kostet.
Auch das Wirtschaftswachstum gestaltet sich momentan noch relativ robust. Volkswirte haben zuletzt zwar ihre Wachstumsprognosen etwas zurückgeschraubt, mit einer Zuwachsrate von 7,1 Prozent im Jahr 2008 und einem Plus von 6,0 bis 6,5 Prozent im nächsten Jahr liegen die Schätzungen aber im internationalen Vergleich noch immer hoch.
Sehr niedrig präsentieren sich dagegen inzwischen die Bewertungsrelationen am russischen Aktienmarkt. Nach dem jüngsten Kurssturz beläuft sich laut Unicredit auf Basis der Schätzungen für das Jahr 2009 das Kurs-Gewinn-Verhältnis für die im RTS-Index vertretenen Aktien auf unter vier. Ebenfalls sehr tief sind das EV-Ebitda mit einem Durchschnittswert von unter drei und das Kurs-Buchwert-Verhältnis von unter eins.
Ohne neues Vertrauen keine Besserung in Sicht
Das sind zwar Pluspunkte, die dafür sprechen, dass die Kurse schon sehr stark gefallen sind und bereits viel vorwegnehmen. Allerdings ist das Misstrauen der Anleger groß, was die tatsächliche weitere wirtschaftliche Entwicklung angeht. Und damit sind auch die Gewinnschätzungen in Frage gestellt. Wie stark die Risikoaversion ist, lässt sich auch am russischen Rubel ablesen, der gegenüber dem Dollar elf Prozent an Wert verloren hat. Auch dieses Kursverhalten signalisiert, wie sehr momentan alles am seidenen Faden hängt.
Bevor nicht allgemein wieder das Vertrauen an die Finanzmärkte zurückkehrt, wird es deshalb auch der russischen Börse schwer fallen, wieder Fuß zu fassen. Bleibt ein völliges Inferno aber aus, könnten sich rückblickend die aktuellen Kurse als einmalige historische Chance erweisen. Nur beim Schopfe packen will derzeit diese Möglichkeit aus nachvollziehbaren Gründen kaum ein Anleger.
Die Transformation vom Kommunismus
Karl-Heinz Andresen (khaproperty)
- 06.10.2008, 18:52 Uhr
Was bleibt?
Gabor von Zoltan (Putinras)
- 07.10.2008, 02:47 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |