19.02.2010 · Nach einem sehr erfolgreichen Jahr 2009 haben Aktienstrategen der Börse in Russland auch 2010 einiges zugetraut. Doch bis jetzt notiert der RTS-Index sogar im Minus. Zum Wochenausklang gibt selbst eine Zinssenkung nur zögerlich Auftrieb.
Nach einem beeindruckenden Vorjahresplus von 128,6 Prozent war der RTS-Index zunächst auch mit viel Elan in das neue Jahr gestartet. Schon nach wenigen Handelstagen hatte der Leitindex weitere 8,6 Prozent auf 1.580,67 Punkte zugelegt. Und alles schien eigentlich prädestiniert für weitere Kurssteigerung. Zumal sich gleich reihenweise Aktienstrategen zu Wort meldeten, welche die russische Börse auch für 2010 ganz oben auf das Favoritenschild hievten.
Doch nach dem rasanten Auftakt ging den Bullen unter den Börsianern erst einmal etwas die Puste aus. Im bisherigen Jahrestief fielt der RTS bis auf 1.364 Punkte zurück und an diesem Freitag notierte der Index mit 1.423 Punkte noch immer leicht unter dem zum Jahresultimo gültigen Stand von 1.445 Zählern.
Notenbank senkt Leitzinsen auf ein Rekordtief
Aber immerhin reichte es am Freitag zu einem Tagesplus von 0,9 Prozent. Wobei auch dieses Plus eher als relativ moderat einzustufen ist, wenn man bedenkt, dass die russische Notenbank den Leitzins mit Wirkung ab dem 24. Februar um 25 Basispunkte gesenkt hat. Das ist die elfte Senkung seit April und mit den demnächst gültigen 8,5 Prozent hat der Refinanzierungssatz ein Rekordtief erreicht. Trotz dieses Zinsimpulses notierte der Index zunächst sogar im Minus, bevor ihn Händlerangaben zufolge am Ende der Sitzung Short-Eindeckungen vor dem Ende des verlängerten Wochenendes (am Montag und Dienstag bleibt die russische Börse feiertagsbedingt geschlossen) doch noch ins Plus hievten.
Ziel des Zinsschrittes ist neben einer Ankurbelung der Wirtschaft und der Kreditvergabe, den Zufluss von kurzfristigem Auslandskapital einzudämmen. Denn auch wenn der Aktienmarkt in diesem Jahr einen Gang zurückgeschaltet hat, sind Anlagen in Russland trotzdem noch gefragt. Deutlich wird das am Rubel, der am Freitag beflügelt durch die im internationalen Vergleich noch immer relativ hohen Zinsen zu einem Währungskorb auf ein 13-Monats-Hoch kletterte. Den Verantwortlichen ist diese Entwicklung wegen dem bremsenden Effekt auf die Exportwirtschaft ein Dorn im Auge und man versucht, den Höhenflug der heimischen Währung zu stoppen.
Weit entfernt von einem neuerlichen Höhenflug ist dagegen die russische Wirtschaft. Im abgelaufenen Jahr schrumpfte die russische Wirtschaftsleistung um 7,9 Prozent. Das war zwar besser als befürchtet, ändert aber nichts daran, dass es sich dabei um den stärksten Rückgang seit Beginn der Aufzeichnungen handelt. Im Januar stieg die Arbeitslosenquote zudem auf 9,2 Prozent. Sie war damit fast so hoch wie auf der Spitze der Kreditkrise vor einem Jahr. Auch die Investitionen der Industrie sind in den vergangenen elf Monaten immer weiter zurückgegangen.
Günstige Bewertung wichtigstes Argument zugunsten der russischen Börse
In diesem Jahr rechnen aber wieder mit einem Wachstum von fünf Prozent. Vielleicht wird es sogar noch etwas mehr, wenn die Notenbank die im Januar auf den niedrigsten Stand seit mindestens einem Jahrzehnt gefallene Inflationsrate zum Anlass nehmen sollte, die Zinsschraube weiter zu lockern. Ermutigend sieht es auch an der Unternehmensfront aus. Analysten rechnen hier für 2010 und 2011 mit deutlichen Gewinnsteigerungen. Aber obwohl diese höher ausfallen dürften als in den meisten anderen Ländern, weisen russische Aktien nach Berechnungen der UBS mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2010 von im Schnitt 6,8 einen Bewertungsabschlag von 42 Prozent gegenüber anderen Schwellenländerbörsen auf. Und auch das Kurs-Buchwert-Verhältnis von durchschnittlich 0,98 vergleicht sich vorteilhaft mit dem für andere Schwellenländerbörsen ermittelten Wert von 1,71.
Diese Bewertungsvorteile sollten nach Ansicht von Experten dazu führen, dass der Markt im Laufe des Jahres wieder an Schwung gewinnt. Allerdings bleibt abzuwarten, wie die Börse die steigende Zahl an Kapitalerhöhungen verkraftet. Und natürlich hängt neben der weiteren Entwicklung des Ölpreises viel davon ab, wie sich die Risikobereitschaft der Marktteilnehmer weiter entwickelt. Aber sofern diese potenziellen Belastungsfaktoren nicht negativ durchschlagen, haben russische Aktien mit der günstigen Bewertung ein schlagendes Kaufargument auf ihrer Seite.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.848,03 | +1,42% |
| FAZ-INDEX | 1.526,72 | +1,43% |
| TecDAX | 778,36 | +0,73% |
| MDAX | 10.441,40 | +1,41% |
| SDAX | 5.048,27 | +1,17% |
| REX | 422,26 | −0,26% |
| Eurostoxx 50 | 2.520,31 | +1,24% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 81,56 | +1,37% |
| Dow Jones | 12.949,90 | +0,35% |
| Nasdaq 100 | 2.584,24 | −0,31% |
| S&P500 | 1.361,23 | +0,23% |
| Nikkei225 | 9.384,17 | +1,58% |
| EUR/USD | 1,3138 | +0,07% |
| Rohöl Brent Crude | 119,95 $ | −0,08% |
| Gold | 1.723,00 $ | +0,58% |
| Bund Future | 138,50 € | −0,16% |